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Archive for 31. August 2018


„Wir haben eine ganz besondere Beziehung zu Frauen in unserem Land, eine fürsorgliche.“ Damit begründete Wladimir Putin in seiner gestrigen Ansprache an sein Volk seine Entscheidung, das Renteneintrittsalter für Arbeitnehmerinnen statt der geplanten acht nur um fünf Jahre – von 55 auf 60 – zu erhöhen. Die Reformpläne hatten zu landesweiten Protesten geführt, die Umfragewerte für den Präsidenten und seine Regierung schmierten ab, die allgemein gehobene Stimmung nach dem Fußball-Sommermärchen ist Ernüchterung gewichen. Der Realitätsschock wirkt nun. Laut Präsident führe „wegen schwerwiegender demographischer Probleme“ kein Weg an der schrittweisen Erhöhung – alle zwölf Monate um ein Jahr – des Renteneintrittsalters vorbei. Dabei bleibt es für die Männer dabei, sie sollen in Zukunft nicht schon mit 60, sondern erst mit 65 Jahren in den Ruhestand gehen. Es sei denn, sie dienten in der Armee, Polizei oder paramilitärischen Organisationen und anderen staatlichen Sonderbereichen. Da gelten nach wie vor Sonderregelungen.

Der Unmut der Bevölkerung gründet wesentlich in der niedrigen Lebenserwartung. Während Frauen im Schnitt 77 Jahre alt werden, endet das Leben der Männer im statistischen Mittel bereits mit knapp 66 Jahren (s. Tabelle unter Punkt 24). Da bleibt dann dem starken Geschlecht – auch wenn man mit einem weiteren Anstieg der Lebenserwartung rechnen darf – nicht mehr viel Zeit, um den Ruhestand zu genießen. Aber die Sache ist nun beschlossen, die Russen wissen, woran sie sind – und wie alt sie gemittelt werden. Wie groß dabei die Spanne sein kann, zeigt die Tabelle: Es führen die Gebiete im Kaukasus mit Moskau und Sankt Petersburg auf den Rängen 3 und 6, wo man gute 70 und älter werden kann, während das Gouvernement Wladimir mit knapp 64 Jahren nur auf Platz 60 kommt. Als Durchschnittsmann erlebt man hier also seine Rente gar nicht. Schlußlicht ist mit anderen Subjekten der Russischen Föderation aus dem „Fernen Osten“ mit nicht einmal 62 Jahren die Region Irkutsk. Die sprichwörtliche sibirische Gesundheit hat da wohl gegen die Statistik einen schweren Stand. Bei einer Differenz von 15 Jahren zwischen Platz 1 und Rang 80 bleibt da auch noch viel zu tun für die Schaffung gleicher Lebensverhältnisse im größten Land der Erde.

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