Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 26. August 2018


Das Wladimirer Zentralgefängnis, einst, in den frühen 80er Jahren, für Menschenrechtler wegen der dort einsitzenden Dissidenten, Anlaß, Erlangen nahezulegen, keine partnerschaftlichen Beziehungen zu der sowjetischen Stadt aufzunehmen, gerät bis heute immer wieder in die Schlagzeilen, weil hier hauptsächlich „schwere Jungs“ ihre Strafe für Mord und Totschlag, Bandenkriminalität oder schwere Verstöße gegen die „Hausordnung“ in anderen Haftanstalten ihre Strafe abbüßen und sich ab und an über die Haftbedingungen beschweren oder es sogar zu Zusammenstößen mit dem Wachpersonal kommen lassen. Immer wieder gelangen auch aus anderen Einrichtungen Meldungen an die Öffentlichkeit, wonach hinter Gittern regelrecht gefoltert werde. Vor allem ein Video aus Wladimirs Nachbarstadt Jaroslawl – der Blog berichtete – erregt die Gemüter, zeigen die Aufnahmen doch tatsächlich, wie ein Häftling erniedrigt und geschlagen wird. Vor diesem Hintergrund haben leider auch die aktuellen Nachrichten aus Wladimir das Potential für einen Skandal, denn, wie jetzt die Gefängnisverwaltung nach anfänglichen Dementis einräumte, befinden sich drei Häftlinge seit dem 22. August im Hungerstreik.

Ludmila Romanowa auf dem Weg zum Treffen mit den Häftlingen

Am Freitag erhielten die Strafgefangenen nun Besuch von Ludmila Romanowa, der Menschenrechtsbeauftragten der Region Wladimir, die gegenüber den Medien diese Angaben bestätigte. Gründe für die Verweigerung der Nahrungsaufnahme nannten das Trio aber offenbar nicht, sondern forderte ein Treffen mit Vertretern der Generalstaatsanwaltschaft, weil man offenbar den lokalen Behörden kein Vertrauen mehr schenkt. Einen Tag zuvor hatte sich bereits eine Abordnung der Zivilgesellschaftlichen Beobachterkommission zur Lage von Gefangenen ein Bild von der Situation vor Ort gemacht und dem Beirat für Menschenrechte im Kreml Bericht erstattet. Ganz offensichtlich also will man alles versuchen, um die Angelegenheit nicht weiter eskalieren zu lassen. Möge denn auch die Sache gut ausgehen und sich nicht entwickeln wie das Schicksal von Oleg Senzow, der sich nun schon seit mehr als einhundert Tagen dem Tod oder der Begnadigung entgegenhungert.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: