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Archive for 25. August 2018


Vorgestern hier im Blog der Praktikumsbericht von Leonie Köppe, und nun gleich auch noch der Rückblick der Erlanger Waldorfschülerin, Dorothee Friedrich auf zwei Wochen Wladimir:

Waldorfschule

Ich war vom 3. bis 15. Juni in Wladimir und machte dort ein Praktikum in einem Kindergarten. Ich konnte kein Russisch und weder Erzieher noch Kinder konnten Deutsch. Wir haben uns trotzdem gut verstanden. Die Kinder waren offen und nahmen mich einfach an der Hand, wenn sie mir etwas zeigen wollten. Sie halfen mir, mich einzufinden. Anfangs traute ich mich nicht zu reden, da es ja keinen Sinn hatte eine Sprache zu sprechen, die in meiner Umgebung niemand kann. Doch die Kinder redeten so fröhlich mit mir, weshalb ich bald anfing auf Deutsch zu antworten. Es ist echt schön, mit jemandem zu reden, dessen Sprache man nicht versteht. Wenn ich etwas verstehen oder erklären wollte, zeichnete ich es auf. Und entweder schrieben die stolzen Vorschulkinder mit kyrillischen Buchstaben, was ich meinen könnte, oder die Erzieher halfen mir weiter. Da ich die Schriftzeichen beherrsche, konnte ich einfache Wörter oder die Namen der Kinder lernen. Hauptsächlich unterstützte ich die Kinder in ihrem Tun. Streit schlichten konnte ich nicht, da die Kinder mir zwar in jeder Einzelheit erzählten, was der jeweils andere getan hatte, ich jedoch kein Wort verstand. Doch manchmal reichte es, den weinenden Kindern einfach verständnisvoll den Kopf zu streicheln. Den Erziehern konnte ich ansonsten nur unter die Arme greifen, wo sie mir nichts zu erklären brauchten. Also
wischte ich den Tisch, half den Kleinen beim Anziehen, teilte das Essen aus und kümmerte mich um die Kinder, die etwas mehr Aufmerksamkeit von den Erwachsenen wollten. An manchen Tagen wurde ich nach der Praktikumszeit von Eltern der Waldorfgruppe zu ihnen nach Hause eingeladen. Sie waren offen und wollten viel über Deutschland wissen. Wenn es um touristisches Wissen über Deutschland ging, kannten sie Geschichten, die ich nie gehört hatte. Ich erzählte ihnen auch von meinen Eindrücken in Wladimir. Meine Gastgeberin konnte Deutsch, und so übersetzte sie, wofür ich sehr dankbar bin. Wenn sie nicht dabei war oder gerade nicht übersetzen konnte, unterhielt ich mich mit manchen der Eltern auf Englisch. Es war kein gutes Englisch, aber wir verstanden einander. Mit einer Mutter malte ich irgendwann auch auf einer Kindertafel, immer wenn das Englisch nicht reichte. Von den Eltern, bei denen ich war, kann ich sagen: Sie sind alle kreative Waldorfeltern. Die eine Familie zeigt mir ihr Haus, das sie in einem Waldorf-Dorf selber gebaut hatten, die anderen zeigten mir, wie man Brot bäckt und Quark selber macht. Aber vor allem waren sie alle echt super lieb und fröhlich. Ich würde echt jedem Menschen, der nach Wladimir kommt, wünschen, die Menschen zu treffen, die ich getroffen habe!

Dorothee Friedrich

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