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Archive for 6. August 2018


Wieder einmal sind sie fündig geworden, die Archäologen, die in der Region Wladimir Grabungen durchführen. Dieses Mal förderten sie ein in der Art bisher einzigartiges Siegel aus dem frühen 12. Jahrhundert zu Tage, das, aus Blei gegossen, einem  bisher unbekannten Damian zuzuordnen ist. Mutmaßlich handelt es sich da um einen weltlichen oder kirchlichen Würdenträger. Der Name ist deshalb so wichtig, weil es so wenig konkret zu benennende Personen gibt, die in jener Zeit in der Umgebung von Susdal lebten, wo das Artefakt gefunden wurde. Seit einem halben Jahrhundert kam kein neuer Name aus jener Epoche hinzu.

Die Besiedlung des Gebietes um Wladimir und Susdal durch Slawen setzte erst im 10. Jahrhundert ein, wobei sich die beiden Städte und ihr Umland bis zum 12. Jahrhundert rasch zum Zentrum der Alten Rus entwickelten. In dem Umfeld mit all den Adligen und ihrem Gefolge sowie der Geistlichkeit mit ihren Würdenträgern entstand eine eigene Bürokratie mit Stempeln, Petschaften und Siegeln, mit denen man die Pergamentdokumente amtlich machte. Funde dieser hoheitlichen Attribute aus der vormongolischen Periode kommen nur selten vor und sind auch deshalb von Bedeutung, weil sie auch ohne Urkunde Rückschlüsse auf Personen und ihren gesellschaftlichen Rang zulassen. Das Siegel hat einen Durchmesser von 22 mm und ist zwei Millimeter dick. Dargestellt sind darauf zwei Heilige mit rundlich-jugendlichen Gesichtern, die keinen Bart tragen. Die linke Figur hebt die Hand zum Segen, ihr Gegenstück hält einen länglichen Gegenstand, vielleicht einen Kodex oder ein Gefäß. Auf ihren Gewändern kann man im Bereich von Brust und Schultern Faltenwurf erkennen.

Das Grabungsfeld von oben

Und schließlich sind da die Buchstaben OA im Zentrum und neben den Heiligen die Lettern KOCM bzw. ДАМИАН. Daraus läßt sich der Schluß ziehen, bei den Heiligen handle es sich um Kosma und Damian, als Märtyrer und freigebige Wunderheiler verehrt, in der byzantinischen und russischen Ikonographie gern als Paar dargestellt, häufig mit einem Kreuz und einem Gefäß für die Arzneien oder mit Federn, mit denen man im Mittelalter Salben auftrug, in Händen.

Den Besitzer des Siegels kann man schließlich dank der griechischen Inschrift identifizieren: KEBO | HYHTVS | DWLVDA | MIANO( Κ[ύρί]ε βοήϑ[ε]ί τῶ σ[ω] δ[ο]υλω Δαμίανο), übersetzt: „Herr, hilf deinem Knecht Damian“. Was wohl noch so alles an Schätzen verborgen in der Wladimirer Erde liegt? Die Archäologen suchen weiter…

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