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Archive for 1. August 2018


Angesichts der Millionen von Hektar Wald, die Jahr für Jahr in Sibirien und im Fernen Osten jenseits der von den Behörden angegebenen Daten abbrennen, erscheinen sogar aus Sicht von Greenpeace die Flächen, die in den dichter besiedelten Regionen von Zentralrußland dem Feuer zum Opfer fallen, ohne im ganzen Umfang gemeldet zu werden, sich eher in einem fast schon zu vernachlässigenden Umfang zu bewegen. Dennoch zählt für die Umweltschutzorganisation, die auch in der Russischen Föderation registriert und aktiv ist, allein der wahre Zustand der Natur. Deshalb auch eine Klage, eingereicht bei der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau wegen eines Waldbrandes Anfang Mai, etwa elf Kilometer nordwestlich von Gorochowez, Gouvernement Wladimir, wo Luftaufnahmen eine Fläche von 75 ha für ein Feuer nachweisen, das dort Anfang Mai wütete, während die Forstverwaltung angibt, es habe sich nur um knapp eineinhalb Hektar gehandelt. Als Großbrände sind nach russischer Gesetzeslage aber Feuer ab 25 ha anzuzeigen – mit Ausrufung des Ausnahmezustands für das betroffene Gebiet.

Waldbrand bei Gorochowez

Während dieser Fall wohl die Gerichte beschäftigen dürfte, ist in Sachen russischer Wald vs. russischer Staat auch eine erfreuliche Nachricht zu vermelden. Landesweit liegen etwa 40 Mio. Hektar brach, eine gewaltige Fläche, die sich allmählich wieder mit Wald bedeckt. Just diese Gebiete wollte ein Gesetzesentwurf aus dem Forstschutzprogramm herausnehmen, sprich die Besitzer – unter Androhung der Enteignung – wieder zur landwirtschaftlichen Nutzung zu zwingen, wogegen Greenpeace eine Aktion gestartet hatte. Erfolgreich. Die Novelle wurde vorgestern zurückgezogen und soll überarbeitet werden. Nun darf man hoffen, daß auf diesen Brachen Bäume wachsen können, die in einigen Generationen die Rodung der letzten russischen Urwälder überflüssig machen.

Natürliche Wiederaufforstung auf Brachland in der Region Nowosibirsk

Eine Hoffnung, die gerade am heutigen „Welterschöpfungstag“ das ansonsten zappendustere Bild unter unserem Himmel ein wenig aufhellt, auch wenn wir alle wissen: Es ist längst fünf nach zwölf für die Erde, deren allein wir in Deutschland ganze drei verbrauchen, um unsere unbescheidenen Bedürfnisse zu befriedigen. Man muß nicht gläubig zu sein, um zu sehen, wie mindestens drei der sieben Todsünden – Habsucht und Unmäßigkeit, gefolgt von Trägheit – unser globales Ökosystem kollabieren lassen. Unser Leitstern bleibt wohl, wider besseres Wissen, auf unabsehbare Zeit unser aller Gier nach mehr, bleibt unsere Maxime des Unwillens zu teilen und zu verzichten, bleibt unser Lebensstil der Bequemlichkeit, die sich in einem stetigen Zuwachs an Unterlassungen spiegelt. Wir, im nimmersatten Klub der G20, verfrühstücken gerade an unserer Festtafel schamlos die Zukunft der ausgesperrten Habenichtse dieser Welt. Doch die wollen nicht mehr abgespeist werden, sie kommen und fordern ihren gerechten Anteil, gleich wie hoch wir Zäune und Mauern ziehen, gleich wie viele wir zurückweisen und abschieben, zurück in eine geschröpfte Schöpfung. Ein wahrlich erschöpfendes Thema.

Welterschöpfungstag

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