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Archive for 28. Juli 2018


Derzeit erlebt die russische Öffentlichkeit einen in dieser Art bisher einzigartigen Aufschrei gegen Folter und Willkür in Haftanstalten. Ein Video darüber, wie ein Häftling im Gefängnis von Jaroslawl gequält und erniedrigt wird, millionenfach im Netz angeklickt, gab den Anstoß zu personellen Konsequenzen sowie Überprüfungen der Abläufe. Und siehe da, schon werden weitere Fälle von Amtsmißbrauch im Strafvollzug bekannt, leider auch aus der Region Wladimir, wo ein 33jähriger, wegen eines Drogendelikts einsitzender Häftling im Gefängniskrankenhaus in Melechowo, Landkreis Kowrow, am 6. Juli laut offizieller Diagnose an doppelseitiger Lungenentzündung verstarb. Seine Angehörigen freilich wollen erst am 12. Juli vom Tod des Sohnes und Bruders erfahren haben, weil, so ihr Verdacht, die Behörden den Leichnam selbst beisetzen und damit Folterspuren an seinem Leib verheimlichen wollten. Nun aber, so die Familie gegenüber der „Neuen Zeitung“ in Moskau, habe man im Leichenschauhaus von Wladimir tatsächlich Blutergüsse und Spuren eines Elektroschockers am Toten entdeckt. Diese Verletzungen bringt die Gefängnisleitung mit einer Schlägerei unter den Insassen in Zusammenhang, wofür der Schuldige in den Karzer gesperrt wurde, wo er sich dann wohl auch die Lungenentzündung zuzog. Diese Todesursache bestätigt inzwischen auch eine zweite Obduktion, ohne freilich zu klären, woher die Verletzungen stammen.

Immerhin, so das Wladimirer Nachrichtenportal Zebra-TV, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung gegen die Gefängnisverwaltung. Wäre der Strafgefangene, so der Vorwurf, früher ins Krankenhaus verlegt worden, hätte man möglicherweise sein Leben noch retten können. Aber ob auch der Foltervorwurf untersucht wird, steht noch nicht fest. Fest steht jedoch eines: Die Russen besinnen sich der Worte von Lew Tolstoj:

Um einen Staat zu beurteilen, muß man sich seine Gefängnisse von innen ansehen.

Der Artikel in der SZ ist hier nachzulesen: https://is.gd/Oh2YOw

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