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Archive for Juni 2018


Nur wenige Wochen nach dem Tod seiner Frau, deren Pflege ihn während der letzten Jahre derart in Anspruch genommen hatte, daß er es sich versagte, sie auch nur für kurze Zeit alleine zu lassen und die Einladung anzunehmen, noch einmal nach Wladimir zu reisen, folgte ihr nun gestern Alfons Rujner selbst auf seinem letzten Weg. Ein Menschenfreund von hohen Gnaden ist mit ihm für immer gegangen, ein nie verzagter Streiter für die gute Sache der Verständigung und Versöhnung zwischen Deutschen und Russen, der als Vermächtnis hinterläßt, sich bedingungslos für den Frieden einzusetzen. Denn er hatte ihn am eigenen Leib erlebt, den Krieg und dessen verheerende Macht, die er über des Menschen Denken, Fühlen und Handeln entwickelt.

Philipp Dörr, Alfons Rujner und Kurt Seeber, Berlin, im November 2010

Das jüngste von fünf Kindern eines Bauarbeiters absolvierte auf Betreiben der Mutter im Rathaus von Stettin eine Verwaltungslehre, fand sich aber schon mit 16 Jahren beim Katastrophenschutz der Hitlerjugend wieder, „wo man oft nur noch Tote bergen konnte“. Essen gab es 1943 auf Marken, die älteren Brüder waren schon an der Ostfront, die Stadt lag in Schutt und Asche. Anfang Februar 1945 dann, die Lehre gerade vorfristig beendet, meldet sich der Inspektoranwärter auf Betreiben des Personalchefs und gegen den Willen der Mutter freiwillig zum Militär, zum „letzten Aufgebot“, erhält eine dreiwöchige Kurzausbildung und steigt Ende März in einen Truppentransporter Richtung Slowakei / Ungarn. Die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Ferdinand Schörner, berüchtigt als der „blutige Ferdinand“, war längst in Auflösung begriffen, doch der fanatisch grausame Befehlshaber gab die Devise aus: „einigeln und ausharren“. Viel mehr als das Aushaben von Schützenlöchern können die Jungspunde freilich nicht mehr tun. Die Stalinorgeln zeigen bald ihre verheerende Wirkung:

Es war furchtbar. Nicht beschreibbar. Nicht vergleichbar. Nie wieder habe ich solchen Schrecken, eine so tiefe Angst erlebt. Die Schreie der Verwundeten, das Getöse der Granaten, die Rufe der Kameraden, die Befehle, alles ging in eins unter.

Alfons Rujner bei der Präsentation des Bandes „Komm wieder, aber ohne Waffen“ im Dezember 2015 in Erlangen

Verhetzt von der Nazipropaganda, stellte sich der Jüngling in Uniform den Bolschewisten als gehörntes Ungeheuer vor. Man mag sich die Befürchtungen deshalb gar nicht vorstellen, als er Anfang Mai, nach gerade einmal 68 Tagen an der Front, in der Oberpfalz von US-Truppen gefangen genommen und dann vereinbarungsgemäß an die Sowjetarmee überstellt wurde. Und dann dies: Die Russen gaben ihm zu essen – und das obwohl die Wehrmacht auf ihrem Rückzug, wie Alfons Rujner beschämt auf der langen Strecke ins Lager von Wladimir via Brjansk und Moskau zu sehen bekam, verbrannte Erde hinter sich gelassen hatten. Bereits auf dem Transport änderte sich die Weltsicht des noch Minderjährigen grundlegend.

Die alten Ideen hatten sich als falsch erwiesen. Wem hatte Deutschlands Großmannssucht genutzt? Wer hatte dafür bezahlt? Wie viele Millionen Menschen waren für die irrwitzigen Pläne von der Eroberung neuen Lebensraums verblutet? Diese Fragen stellten sich mir. Und ich versuchte, auch in der Folgezeit in Wladimir darauf eine Antwort zu finden.

Alfons Rujner im Gespräch mit Erlangens Oberbürgermeister, Florian Janik, im Oktober 2017

Seine Antwort kann man nachlesen in der autobiographischen Schrift „Mit 17 Jahren hinter Stacheldraht“, in vielen Leserbriefen und Artikeln, er gab sie bei ungezählten Auftritten an Schulen – und sie liegt dem Erinnerungsband „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zugrunde, der seinen Titel den Worten verdankt, die eine alte Frau in Wladimir Alfons Rujner im September 1948 beim Abtransport in die Heimat zugerufen hatte. Seine Antwort schwingt in dem gleichnamigen Theaterstück nach, dessen Aufführung der Veteran – ebenso wie die Präsentation des Buches – in Erlangen noch erlebte. Seine Antwort ist verborgen in dem Koffer aus Wladimir, den er am 8. Mai d.J. dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst übergab. Seine Antwort verbündet und verbindet aber vor allem jene, die ihm je begegneten, ihn begleiteten und sich ergreifen ließen von seinem so zugewandten Zeugnis für den Frieden.

Museumsdirektor Jörg Morré und Alfons Rujner bei der Übergabe des Koffers am 8. Mai 2018 in Berlin-Karlshorst

Alfons Rujner ist nun, neunzigjährig, dort angelangt, wo kein Krieg mehr herrscht und auch kein Hunger. Möge er ruhen in Frieden.

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Sie kennt Erlangen bereits von ihren Besuchen mit der Klöppelgruppe von Jelena Gorbunowa – zuletzt zum Auftakt der Russisch-Deutschen Wochen an der Volkshochschule – und natürlich aus den Schilderungen ihres Vaters, der hier in den 90er Jahren Slawistik studierte, bevor er der Liebe wegen nach Wladimir zog. Nun ist Anna Schellenberger seit einer Woche wieder einmal in der Partnerstadt, um hier eine zweiwöchige Hospitation im Bauamt zu absolvieren.

Anna Schellenberger und Sabine Kern

Drei Jahre hat Anna Schellenberger schon an der Wladimirer Berufsfachschule für Architektur hinter sich, nach einem weiteren Jahr will sie den Abschluß machen und dann an der Universität studieren.

Jetzt einmal zu erleben, wie das alles in der Praxis aussieht, macht mir viel Freude, und Sabine Kern mit dem ganzen Team kümmern sich großartig um mich. Ich kann alles fragen, bekomme alles gezeigt und darf sogar mein eigenes kleines Projekt bearbeiten.

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Zum fünften Mal ist nun die Englischlehrerin Marina Trubizyna schon in Erlangen zu Gast, immer mit der Mission, jungen Menschen aus Wladimir die Partnerstadt näherzubringen, sie eigene Erfahrungen machen zu lassen. „Genau dafür haben wir diesen Austausch“, freute sich gestern beim Empfang im Rathaus denn auch Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens. „Ich durfte im Vorjahr auch schon einmal Wladimir besuchen und fand natürlich genau die Unterschiede zwischen unseren Städten und Lebensweisen besonders interessant.“

Gerhard Kreitz, Susanne Lender-Cassens und Marina Trubizyna

Vorgestern erst angekommen, bleibt die neunköpfige Schülergruppe vom Gymnasium Nr. 23 nun noch bis zum 5. Juli und besucht Nürnberg – mit dem Dokuzentrum -, Bamberg, Rothenburg, Coburg… Möglichst viel, wie gesagt, wollen und sollen die Gäste sehen und kennenlernen.

Gerhard Kreitz, Susanne Lender-Cassens und Marina Trubizyna mit der Schülergruppe

Möglich ist der Aufenthalt nur dank der von Gerhard Kreitz, Sprecher des Freundeskreises Wladimir, organisierten Unterbringung in Familien. Deshalb an sie ein besonders großes спасибо von der Gruppe, von der nicht von ungefähr vier Mädchen bereits zum zweiten Mal nach Erlangen kommen und die nicht ohne Grund deutsch-russische Freundschaftshemden trägt und verschenkt.

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In einem Bummelzug der 80er Jahre – vollgestopft mit Menschen auf dem Weg zum Einkauf von Lebensmitteln, nach denen man in einem Rätsel suchte: lang, grün und riecht nach Wurst, was ist das? – waren die unmöglichsten Sachen zu hören, konnte man die unglaublichsten Dinge sehen.

Jeden Morgen stürmten ihn die Leute in den Regionen Wladimir, Jaroslawl oder Kalinin, und abends kämpften die müden, mit Rucksäcken und Taschen beladenen Fahrgäste, die den Tag über das ganze Mütterchen Moskau abgelaufen waren, um die Sitzplätze. Kaum jemand ohne schwere Taschen voller Lebensmittel, Schuhe und Kleidung in den Händen. Mit anderen Attributen – Mappen voller Manuskripte, Bücher, Kladden und aller möglicher Kleinkram – reisten die Studenten und angehende Doktoranden.

Gelernte Fahrgäste kannten sich bestens darin aus, in welchen Waggon es sich zu setzen empfahl, um sich nicht über den langen Bahnsteig mühen zu müssen und genau an den Türen zum Heimatbahnhof aussteigen zu können, wo man dann direkt in das nächste Verkehrsmittel umsteigen mußte, sei es Bus oder Oberleitungsbus. Sie wußten Bescheid über die Arten der Angriffe auf die sich öffnenden Türen, wußten, an welcher Stelle genau sich diese Türen auf dem Bahnsteig befinden würden. Und so sprangen  oder flogen sie denn, nachdem sie anfangs einen kleinen Schritt zur Seite getreten waren, in den Waggon hinein, besetzten die Plätze für sich und die Ihren, welche darauf mit überschweren Taschen vorsichtig (da sie auch Eierkartons dabei hatten) zu dem sie erwartenden Verwandten vordrangen.

Wer den rechtzeitigen Einstieg verpaßt hatte, hetzte durch die Waggons auf der Suche nach einem freien Platz und strandete schließlich, ohne auch nur einen einzigen gefunden zu haben, gescheitert im Gang.

So ging auch einmal ein großer, schöner, selbstbewußter Mann um die 50 durch unseren Waggon. Er suchte mit den Augen ein freies Plätzchen, und als er eines im Eck am Ausgang entdeckte, wandte er sich mit der dringenden Bitte an die Fahrgäste, diesen freizuhalten, da er gleich eine Großmutter herbringen werde. „Sie ist sehr müde, bitte lassen Sie niemand anderen Platz nehmen!“ – „Natürlich“, nickte man zustimmend, „wir halten ihn für die alte Dame frei.“

Alle waren es zufrieden, auf ihrem Weg einen so aufmerksamen und liebevollen Sohn getroffen zu haben, und stellten sich nun vor, wie er am Arm eine schwächliche und betagte Frau herein- und an ihren Platz führen würde, um sich dann die Fahrt über um sie zu kümmern.

Der Mann kehrte dann lange nicht zurück. Andere, mit schweren Taschen beladene Fahrgäste fragten dauernd im Vorübergehen, ob der Platz noch frei sei, doch alle Sitznachbarn verteidigten ihn im Chor mit dem Hinweis darauf, gleich werde jemand seine Großmutter herführen. So ging das fast bis zum Abfahrtspfiff weiter.

Und da tauchte endlich in der Tür die bekannte Figur des Mannes auf. Aber wo nur war die Großmutter…, grau, hilflos, ein weißes Kopftuch auf, ein dunkles Kleid an? Eine große, schöne, noch junge Frau, eine die der Volksmund noch „im vollen Saft“ nennt, schwebt erhobenen Hauptes durch den Waggon. An der Hand führt sie ein entzückendes Mädchen mit riesigen weißen Schleifen in den Zöpfen.

Tatjana Oserowa

„Und wo ist nun die alte Dame?“ wollten die Fahrgäste wissen, für die sie so entschlossen den Platz freigehalten hatten. „Ja, steht etwa vor Ihnen etwa keine Großmutter?“ gab der Mann zurück, und alle um ihn herum lachen.

Tatjana Oserowa, Übersetzung Peter Steger

Original unter: https://is.gd/BesSr6

 

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Nach dem letztjährigen Medizin-Besuch der universitären Palliativmedizin mit Wladimir gestaltete sich der diesjährige Austausch etwas kleiner und weniger offiziell. Durch meine Bekanntschaft mit dem Allgemeinarzt Jürgen Binder und seiner Frau Heidi hatte ich schon öfter von den Fahrten in die Partnerstadt gehört, so natürlich auch von der letzten Reise, die ein Kommilitone begleitete. Die Nachfrage, ob ich denn dieses Jahr mitfahren möchte, freute mich umso mehr – wann kommt man schon einmal in die Russische Föderation. Eigentlicher Hintergrund der Fahrt war ein Sozialpraktikum einer dreiköpfigen Schülergruppe aus der Waldorfschule, wo Heidi Binder bis vor kurzem noch unterrichtete. Nachdem meine Mitreise beschlossene Sache war, bekam ich zügig den Kontakt zu Iwan Seliwjorstow, einem Radiologe aus Wladimir, der den vorhergehenden Medizinstudenten beherbergte und sich nun um ein Programm für mich kümmerte. Alsbald brachen wir schon auf, am 3. Juni in aller Früh stieg unsere kleine Delegation in den Flixbus Richtung Flughafen München und kam, im Gegensatz zum Vorjahr, ohne besondere Vorkommnisse in Moskau an. Unser erster Moskauaufenthalt dieser Reise gestaltete sich kurz: Airport-Express, Metro, Zug nach Wladimir. Die Schülergruppe, zwei Mädchen und ein Junge, wurden von ihren Gastfamilien in Empfang genommen, und Familie Binder und ich begaben uns in Richtung Erlangen-Haus.

Nächtliche Ankunft im Erlangen-Haus

8.30 Uhr Montag, ich mache mich auf den Weg Richtung Kreiskrankenhaus Wladimir. Iwan erwartet mich und führt mich kurz durch seine radiologische Abteilung, um mir darauf die Garderobe zu zeigen und mit den Worten „Du kommst ja wieder“ einen Klinikschlüssel in die Hand zu drücken. Anschließend begeben wir uns Richtung Traumatologie, in der ich am ersten Tag eingeteilt bin. Erste Auffälligkeit im Vergleich zu Deutschland: Die Gänge sind breit und leer, keine Visitenwägen oder sonstiges Mobiliar stehen herum. Auch die Krankenzimmer beschränken sich meist auf zwei bis vier Betten und weiter nichts, man möchte fast sagen karg. Nachdem mich Iwan, der übrigens Englisch und auch Deutsch spricht, an die Traumatologen übergeben hatte, wurde ich erst einmal zu Tee und Keksen ins Arztzimmer eingeladen. Dieses ist ein mittelgroßer Raum von vielleicht 25 qm voll aneinandergedrängter Holzschreibtische mit einem Schrank und einer kleinen Sofaecke. Nach kurzer Vorstellungsrunde gingen wir geradewegs Richtung Operationssaal, der sich als großer, gekachelter Raum mit breiter Fensterfront im obersten Stockwerk herausstellte. Daran angeschlossen gibt es an der einen Seite einen Vorraum mit integrierter Umkleide, Aufenthaltsraum und Materialienlager, an der anderen einen großzügigen Waschraum mit angeschlossener Sterilisationskammer. Im Saal selbst waren zwei Arbeitsplätze, ein Operationstisch und ein Endoskopietisch sowie die anästhesiologische Patienteneinleitung nebeneinander. Wenn möglich, werden hier alle Eingriffe in Rückenmarksanästhesie durchgeführt, des einfacheren Überwachungsaufwands wegen. Kurze Irritation erzeugen die geblümten sterilen Abdecktücher aus Baumwolle, die an Omas Tischdecken erinnern und mangels Klebefläche auch mal kurzerhand am Patienten festgenäht werden. Schon beim folgenden Punkt des OP-Plans durfte ich mit an den Tisch, eine Hüftendoprothese. Wenn man sich erstmal an die Blümchendecken und den wachen Patienten gewöhnt hat, ist der eigentlich Operationsablauf genau wie bei uns, von der Lagerung bis zur Prothese. Vor dem nächsten Eingriff geht es kurz zurück ins Arztzimmer, Tee trinken und Schokolade essen. So zeigte sich hier, wie im Grunde bei allen folgenden Erlebnissen in russischen Krankenhäusern, wie die russischen Pflegekräfte und Ärzte mit eingeschränkten Mitteln versuchen, das Beste herauszuholen. Nicht mangelt es dabei an medizinischem Material oder schlicht Geld. Eine abschließende Beurteilung kann und will ich mir gar nicht erlauben, die Statistik wäre natürlich sehr interessant. Bei den folgenden Krankenhausaufenthalten habe ich darüber hinaus gelernt, wie der russische Patient mitunter noch etwas mehr zu leiden hat, wenn Untersuchungen ohne Betäubung durchgeführt werden. Manchmal fällt auch eine Untersuchungsart für mehrere Wochen aus, weil es keine Ersatzteile für das entsprechende Gerät gibt. Doch genug von der Medizin.

Wolga und Oka in Nischnij Nowgorod

Wir haben auch das Land näher kennengelernt und waren drei Tage in Nischnij Nowgorod, einer Millionenstadt, wo Wolga und Oka zusammenfließen. Der obligatorische Besuch in der Klosterstadt Susdal stand natürlich auch auf dem Programm, für weitere Eindrücke in diese Richtung möchte ich auf die zahlreichen Einträge im Blog Erlangen-Wladimir verweisen.

Im Moskauer Kreml: Glockenturm Iwan der Große

Das mittlere Wochenende unseres Aufenthalts verbringen wir in Moskau und können freundicherweise bei dem Ehemann einer Kollegin von Heidi Binder wohnen, der für einige Jahre in Moskau arbeitet. Ausgestattet mit einem Anlaufpunkt 30 Fußminuten vom Kreml entfernt, können wir so leicht die Stadt erkunden und haben einen ausgesprochen freundlichen Reiseführer für die drei Tage. Vielen Dank noch einmal an David.

Nacht über Moskau

Zurück in Wladimir verbringe ich die zweite Woche bei einer Gastfamilie, Iwan und Alexandra, ein Feuerwehrmann und eine Krankenschwester. Ich darf das Kinderzimmer bewohnen, da ihre Tochter die Sommerferien mit der Oma auf der Datscha verbringt. Die beiden kümmern sich wirklich übermäßig gut, man bekommt schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn man weiß von welchem Gehalt staatliche Angestellte hier leben müssen. Langsam, aber sicher, schickt die WM ihre Vorboten voraus. Schon in Moskau fielen die immer größer werdenden Touristengruppen aus aller Welt auf. Schließlich fallen unser letzter Abend und das Eröffnungsspiel der WM aufeinander, ein Grund für uns, mit allen Gastfamilien zum Public Viewing in Wladimir zu gehen und sie danach zum Abschiedsessen einzuladen. Beim Public Viewing gibt es hier übrigens Alkoholverbot – so kann man sich die Veranstaltung eher wie ein Familienfest mit vielen Essensständen und Sitzgelegenheiten für alle vorstellen.

WM-Auftakt in Wladimir

Abschließend möchte ich betonen, wie sehr mir die zwölf Tage gefallen haben. Einige Dinge waren so, wie ich es erwartet hatte, andere gar nicht. Vor allem im Gedächtnis bleibt die unglaubliche Gastfreundschaft mit der einem begegnet wird. Es gibt Pläne des allgemeinmedizinischen Lehrstuhls im nächsten Jahr eine Delegation nach Wladimir zu entsenden, ich kann nur jedem Kommilitonen, der auch nur ein klein wenig Interesse besitzt, raten sich anzuschließen und eine schöne Zeit in unserer Partnerstadt zu verbringen.

Fabian Frank

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Es ist für die russische Regierung beschlossene Sache, das Renteneintrittsalter heraufzusetzen. Bisher endet das Arbeitsleben für Frauen mit 55 und für Männer mit 60 Jahren; bestimmte Berufsgruppen wie Militärs beziehen ihre Pensionen sogar noch früher. Allerdings bleiben die allermeisten dem Arbeitsmarkt erhalten, setzen oft sogar ihre Tätigkeit auf der bisherigen Stelle fort, beziehen also zwei Einkommen, denn das Altersruhegeld allein – im nächsten Jahr soll es auf durchschnittlich 15.400 Rubel, also etwa 200 Euro, angehoben werden – reicht den wenigsten zum Überleben.

Rentennachweis

Nun sollen in Zukunft Frauen bis zu ihrem 60. und Männer bis zum 65. Lebensjahr arbeiten. Bereits im nächsten Jahr beginnt es mit den 1959 geborenen Männern und mit den 1964 zur Welt gekommenen Frauen, die dann 2020 je ein Jahr später ihre Altersbezüge erhalten. Über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren will man den Übergang dann für alle Altersklassen geschafft haben.

Rente

Russischer Humor: Kurz zum letzten Gesetzentwurf – Bis zur Rente lebst du wohl eh kaum, du kannst also ruhig rauchen.

Die Gründe – hauptsächlich im demographischen Faktor zu suchen – für die Reform entsprechen der Ausgangslage in Deutschland. Doch das Grummeln wider die Regierungsbeschlüsse ist dort vernehmbarer als hier, übrigens stärker in der jüngeren als in der älteren Generation. So zumindest das Ergebnis einer Befragung in Wladimir, wo die Agentur Headhunter zum eigenen Erstaunen feststellte, daß 51% der Arbeitssuchenden im Alter von 18 bis 25 Jahren nicht nur gegen die Anhebung des Eintrittsalters sind, sondern sogar für dessen weitere Absenkung votieren, während die Arbeitnehmer ab 45 Jahren nur zu 17% die Reform kategorisch ablehnen. Am 1. Juli wird man sehen, wen alles der Unmut auf die Straße treibt, für den Tag nämlich ist eine Protestkundgebung in Wladimir angemeldet. Wie gesagt, es grummelt in der Sache mehr als hierzulande, wo man ja sogar schon an eine Pensionsgrenze von 70 und mehr Jahren denkt.

 

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Wer regelmäßig den Blog liest, kennt die Geschichte, wie aus den Erlebnissen von Wolfgang Morell und Claus Fritzsche, festgehalten im Erinnerungsband „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ ein Theaterstück wurde. Nun veröffentlichte die erste Juni-Ausgabe der Moskauer Deutschen Zeitung – sie erscheint zweimal im Monat mit einer Auflage von etwa 25.000 Exemplaren – einen Artikel unter dem Titel „Wo Geschichte zu Theater wird und Theater zu Geschichte führt“. Damit erfahren alle Beteiligten ebenso wie das Sujet selbst noch einmal die verdiente überregionale Würdigung. Leider freilich auch als Nachruf zu lesen, nicht nur, weil Claus Fritzsche die Aufführungen des Stücks nicht mehr erlebte, sondern weil die Klasse am Gymnasium Nr. 1 in Nischnij Nowgorod mittlerweile auseinandergegangen ist und dieses zeithistorische Werk – zumindest in dieser Inszenierung – nicht mehr auf die Bühne kommt.

Hier deshalb der Link zum Artikel https://is.gd/Vk0gRz, und da geht es per youtube zur Vorschau der Theaterrevue https://is.gd/dwvsUs, heute eben nur noch eine Nachschau.

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