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Archive for Mai 2018


Der Klöppelverein aus Wladimir hatte ja erst jüngst, zur Eröffnung der „Russisch-Deutschen Wochen“ an der Volkshochschule, Gelegenheit, auf großer Bühne seine Arbeiten mit einer Modenschau vorzustellen. Applikationen für Kleider vornehmlich, Accessoires für die extravagante Abendtoilette, verspielte Ornamentik für die geschmacksbewußte Dame. Alles Unikate und doch Prêt-à-porter.

Klöppeljugend aus Wladimir

Nun macht der russische Nachwuchs dieses hierzulande vom Aussterben bedrohten Kunsthandwerks von sich reden. Jelena Gorbunowa, Gründerin und Leiterin des Vereins, berichtet, der Deutsche Klöppelverband, dem sie als einzige Russin seit Jahren angehört, habe ihren Mädchen den 1. Platz beim Kinderwettbewerb zum Thema „Reise um die Welt“ bei Gruppenarbeiten zugesprochen. Ein Schelm freilich, wer nun denkt, ein Konzern aus Niedersachsen stehe als pars pro toto für die Fortbewegung rund um den Globus – von der orthodoxen Kathedrale zum Eiffelturm und vom Kolosseum zu den Pyramiden von Gizeh -, weil er sich als Sponsor für die Handarbeit betätigt habe.

Klöppelarbeit aus Wladimir

Die Blog-Redaktion kann denn leider auch kein Preisgeld nach Wladimir überweisen, will es aber nicht versäumen, dem glücklichen Quartett zu dem großen Erfolg zu gratulieren. Es ist, als ob der amerikanische Philosoph und Autor, Ralph Waldo Emerson, seine Sentenz „Auch wer um die ganze Welt reist, um das Schöne zu suchen, findet es nur, wenn er es in sich trägt“ den vier Kunsthandwerkerinnen aus Wladimir zugeeignet hätte.

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Gestern verstarb im Alter von 95 Jahren Pawel Mochow, der sich im Juni 1941 freiwillig zur Roten Armee gemeldet hatte und nach Abschluß der zweijährigen Panzerfahrerausbildung an die Front ging. Vielfach dekoriert nahm der spätere Oberst an der Befreiung der Ukraine, Polens und der Tschechoslowakei teil. Den Sieg über die Wehrmacht erlebte er, verwundet, in Prag. Geboren 1923 in der Region Rjasan, diente Iwan Mochow noch in Rumänien, Moldawien, Moskau, Alma-Ata, am Aralsee und Bajkonur, bevor er sich 1970 in Wladimir niederließ und hier seinen Ruhestand genoß.

Iwan Mochow und Wolfgang Morell am 22. Juni 2011

1991 übernahm Pawel Mochow die Leitung des Wladimirer Veteranenvereins im Stadtteil Leninskij, 2005 wählte man ihn zum Vorsitzenden des Verbands der Frontkämpfer. Er war einer, die das Erinnern an die Schrecken des Krieges wachhielt – im Gespräch mit der jungen Generation und im Austausch mit den einstigen Feinden, den Veteranen aus Erlangen.

Wolfgang Morell, Iwan Mochow, Sergej Sacharow, Andrej Schochin, Nikolaj Schtschelkonogow und Elisabeth Preuß am 22. Juni 2011 auf dem Platz des Sieges

Ob öffentlich auf dem Platz des Sieges oder im privaten Gespräch, Pawel Mochow streckte den Deutschen immer die Hand zur Versöhnung aus und wünschte sich ein enges Bündnis zwischen beiden Ländern, um gemeinsam gegen die Vormacht der USA bestehen zu können. Auch wenn diese Hoffnung zu seinen Lebzeiten nicht mehr in Erfüllung ging, hat sich der Veteran in vorderster Front große Verdienste um die Verständigung zwischen Russen und Deutschen erworben. Wenn Wladimir morgen in der Kasaner Kirche auf dem Platz des Sieges von dem einstigen Rotarmisten Abschied nimmt, trauern mit den Angehörigen auch seine Freunde in Erlangen.

 

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Seit 1164 wacht das Goldene Tor über Wladimir, wehrt Feinde vom Westen ab, begrüßt Freunde aus allen Himmelsrichtungen, gilt als Wahrzeichen der alten Hauptstadt der Rus und gehört seit 1992 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Goldenes Tor

Nun entbrennt, wie Zebra-TV und andere Medien berichten, ein lange schon schwelender Streit zwischen dem Landesmuseum Wladimir und der übergeordneten Behörde, dem Kulturministerium in Moskau um den Zustand des Bauwerks. Strittig ist weniger die Notwendigkeit einer Sanierung, als vielmehr deren Umfang.

Im September 2017 hatte eine Überprüfung seitens des Ministeriums ergeben, die bereits 2012 angemahnte wissenschaftliche Dokumentation der Schäden und der Plan zu deren Behebung seien im vorgesehenen Zeitraum von 2012 bis 2016 nicht umgesetzt worden, das historische Denkmal befinde sich in einem unbefriedigenden Zustand. Und wer nicht folgen will, hat die Folgen zu tragen: Moskau verklagte Wladimir auf eine Strafzahlung in Höhe von einer halben Million Rubel, wogegen das Museum nun gerichtlich vorgeht.

Mit guten Argumenten: Es sei nicht mit kosmetischen Sanierungsarbeiten getan, es genüge nicht, die Risse im Mauerwerk zu überpinseln oder die eine oder andere Stufe zu ersetzen, vielmehr sei eine Generalrenovierung notwendig. Möglichst bald, um mögliche größere Schäden, die dann auch noch viel teurer zu stehen kommen, rasch zu verhindern. Zu dem Zweck habe man aus eigenen Mitteln im Vorjahr bereits zweieinhalb Millionen Rubel ausgegeben.

Doch es brauche mehr, sehr viel mehr, ist man sich in Wladimir sicher, um die Visitenkarte der Stadt erhalten. Sehr viel mehr Geld als das eigene Budget hergebe, Geld, das nur das Ministerium bewilligen könne. Da sollte man sich nicht vor dem Kadi um Bußzahlungen streiten, sondern rasch eine gütliche Einigung finden, um die „feste Burg“ nicht von Zeit und Zank schleifen zu lassen. Hilfreich wäre da die Lektüre von Sallust, der einmal schrieb: „Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Größte.“

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„Eine Vertreterin der Staatlichen Universität Wladimir nahm vom 14. bis 18. Mai in Erlangen an einem Training für Führungskräfte an Hochschulen teil.“ So beginnt eine Meldung auf der Homepage der Universität in der russischen Partnerstadt und führt weiter aus: Ziel des Treffens war es, Erfahrungen mit den besten Praxisbeispielen ausländischer Universitäten im Bereich der Internationalisierung von Hochschulbildung auszutauschen. An der Veranstaltung nahmen Mitarbeiter führender Hochschulen aus Großbritannien (Stoke-on-Trent), Italien, Jordanien, Israel, der Türkei, der Tschechei und der Ukraine teil. Die Staatliche Universität Wladimir repräsentierte die Leiterin des Amtes für Internationale Beziehungen, Ljubow Naumowa.

Während des Aufenthalts machten sich die Gäste mit dem Organisationssystem der Internationalen Kontakte an der Friedrich-Alexander-Universität vertraut, insbesondere hinsichtlich der Umsetzung der internationalen Mobilität von Dozenten und Studenten, der Arbeit mit ausländischen Studenten sowie dem Qualitätsmanagement gemeinsamer Bildungsprogramme.

Ljubow Naumowa

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gehört zu den ältesten und angesehensten Hochschulen Deutschlands und rangiert in der Spitzengruppe der zwanzig besten Universitäten des Landes. Augenblicklich zählt die FAU ca. 40.000 Studenten, von denen 5.000 aus dem Ausland kommen. Unsere Universitäten sind seit langem Partnerhochschulen und kooperieren in verschiedenen Bereichen der Lehre, Forschung und Wissensvermittlung.

Bianca Köndgen vom International Office der FAU und Leiterin der Veranstaltung im Vortrag

Im Laufe des Besuchs kam es auch zu einem Treffen mit dem Beauftragten für die Städtepartnerschaft Wladimir-Erlangen, Peter Steger. Darüber hinaus wurden Fragen einer weiteren Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in Wladimir und Erlangen sowie die Teilnahme von Wissenschaftlern aus Wladimir an Veranstaltungen in Erlangen besprochen.

Zum Original geht es hier: https://is.gd/HR50rB

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Nun ist der Jugendaustausch beendet

Vom 20. bis 27. April fand in Jena im Rahmen des Partnerschaftsdreiecks Jena-Wladimir-Erlangen, ein Jugendaustausch statt. Für die Vorbereitung und Durchführung der Begegnungen waren die ÜAG Jena GmbH und der Euroklub Wladimir zuständig, die Euro-Werkstatt Jena e.V. unterstützte sie. Die Jugenddelegation bestand aus Mitgliedern des Euroklubs, Schülern des Gymnasiums Nr. 35, Studentinnen der Berufsfachschule für Pflegeberufe und der Staatlichen Universität. Finanziert wurde der Austausch durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres der kommunalen und regionalen Partnerschaft 2017/2018“ (www.russlandpartner.de).

Nikolaj Kaplenko, 2. v.l. sowie Frederick Mathol, Cornelia Bartlau und Iwan Nisowzew, rechts im Bild

Während der Zeit in Deutschland berichteten die Besucher den Schülern der Staatlichen Berufsbildenden Schule (SBBS) für Gesundheit und Soziales von ihrer Heimatstadt Wladimir. Sie besuchten die Friedlich-Schiller-Universität mit einer Präsentation über Wladimir, besichtigten das Universitätsklinikum Jena sowie das Altersheim des Roten Kreuzes. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des KZ Buchenwald. Außerdem pflanzten sie 250 Bäume in der Nähe der Stadt Jena. Selbstverständlich kam auch das Treffen mit der deutschen Jugend und internationalen Freiwilligen nicht zu kurz.

Deutsch-russische Graffiti-Wand in Jena

Wir hoffen, den Gästen hat die Reise gefallen, und sie nehmen nicht nur Souvenirs mit nach Hause, sondern auch viele schöne Eindrücke. Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch und die Fortsetzung des Austausches!

Partnerschaft – unsere Zukunft

Wir hatten es kaum geschafft, die Jugendgruppe aus Wladimir zu verabschieden, als schon Jelena Guskowa, die Vorsitzende des Euroklubs, gemeinsam mit Schülern und Studenten nach Jena kam.

Diskussionskreis

Diese Gruppe hielt sich vom 29. April bis zum 01. Mai in Jena auf. Für sie wurde eine Stadtführung sowie ein Kennenlernen mit der deutschen Kultur organisiert. Die Exkursion wurde von den Freiwilligen und dem Leiter der Euro-Werkstatt Jena e.V., Iwan Nisowzew, durchgeführt. Die russischen Gäste brachten den deutschen Jugendlichen süße Geschenke aus ihrem Heimatland mit. Sie hoffen auf eine weitere Zusammenarbeit der Partnerstädte und freuen sich auf deutsche Gäste in Wladimir.

Willkommen und Abschied

Diese Reise verlief unter der Devise „Partnerschaft – unsere Zukunft“ und fand im Rahmen des „Deutsch-Russischen Jahres lokaler und regionaler Partnerschaften 2017/2018“ (www.russlandpartner.de) statt. Das Projekt wurde durch den Euroklub Waldimir und seine Partnerorganisationen in Jena, die Euro-Werkstatt e.V. und die ÜAG GmbH Jena, unterstützt durch die Stadtverwaltung Jena, durchgeführt.

Nikolaj Kaplenko, Übersetzung: Johanna Grosser

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Wie schon in den zehn Jahren zuvor kümmert sich der Freundeskreis Wladimir um Programm und Unterbringung der Gruppe des Erlangen-Hauses, die heuer vom 13. bis 26. Juli an der Volkshochschule einen Deutschkurs besucht und landeskundliche Exkursionen unternimmt. Für zwei Gäste, die 37jährige Ludmila Safronowa und den 19jährigen Wladimir Tscheresow, fehlen noch Quartiere. Wer also in Erlangen und Umgebung noch ein Bett frei hat, melde sich bei gerhard@kreitz.de oder hier in der Blog-Redaktion.

Gerhard Kreitz und Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens bei der Begrüßung der Gäste aus dem Erlangen-Haus im Juli 2017

Ein russisches Sprichwort sagt „в тесноте, да не в обиде“, was man frei mit „trotz der Enge keine Zwänge“ übersetzen könnte. Mit anderen Worten – Platz ist in der kleinsten Hütte. Und keine Sorge, es ist keine Rundumversorgung vonnöten. Ein gemeinsames Frühstück wäre freilich schön und auch ein Gespräch am Abend zum Ausklang, denn die Gäste wollen und sollen ja den deutschen Alltag kennenlernen und möglichst viel sprechen – auf Deutsch! Aber ansonsten ist die 21köpfige Gruppe tagsüber beschäftigt und unterwegs, wobei die Gastgeber immer wieder eingeladen sind, sich besonders an den Ausflügen zu beteiligen. Gerhard Kreitz hat auch schon einen ersten Entwurf des Programms. Also: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, nicht nur zur schönen Weihnachtszeit.

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Im September veranstaltet die Staatliche Universität Wladimir ein Symposium zum Thema „Ökosystem der Flußläufe“, an dem auch eine Mitarbeiterin des Umweltamtes der Stadt Erlangen teilnimmt. Unterdessen geschieht einiges, um die Biodiversität der Gewässer in der Region Wladimir zu verbessern. Bis Oktober, so das Nachrichtenportal Gubernia 33, will man zum Beispiel fünf Millionen junge Exemplare der Spezies Sterlet in der Oka aussetzen, eine Aktion, finanziert von den Betreibern der Brücken und Sandwerke entlang des Zuflusses der Wolga als Ausgleichsmaßnahme für den Schaden, den sie durch ihre Eingriffe dem Ökosystem zufügen. In den beiden vorangegangenen Jahren hatte man übrigens bereits im großen Stil eine Sterletpopulation in der Kljasma aufgebaut.

Die Kljasma

Nun hat sich für den Sommer in der Region Wladimir eine Gruppe von Wissenschaftlern auf dem Forschungsinstitut für Fischwirtschaft und Ozeanographie angekündigt, die erkunden will, wie sich die Ichtyofauna vor allem in den Fließgewässern entwickelt. Schon jetzt aber beunruhigt der Rückgang der Besatzzahlen bei Hecht und Zander, der wohl mit dem zunehmenden Fang vom Motorboot aus per Echolot zusammenhängt. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres liefen bereits 40 Verfahren wegen illegaler Fangmethoden, während es 2017 insgesamt nur 49 Fälle waren. Meistenteils handelt es sich dabei um das Aufstellen von Netzen in der Laichzeit, während die früher häufige Verwendung von Dynamit und Stromschlägen zurückgeht. Überhaupt sollen Quoten eingeführt werden, denn bisher gibt es beim Fang von nicht als gefährdet eingestuften Arten keine Obergrenze, während in der Sowjetzeit noch ein Limit von fünf Kilogramm pro Tag und Angler galt.

Die Uschna im Landkreis Murom

Positiv hingegen: Die Qualität des Wassers scheint mancherorts sogar den Flußkrebsen zu bekommen. In der Uschna und Kolp sind sie ebenso zu finden wie in der Kljasma, wo sie ein halbes Jahrhundert nicht mehr gesichtet wurden. Besonders bei Kowrow, wo das Flußbett steinig ist, kommen die Krustentiere häufig vor. Doch, kaum klappern sie wieder mit ihren Zangen, will der Mensch sie gleich auch fangen, gern verbotenerweise mit der Hand in ihren Höhlen, wobei oft die Scheren abgerissen werden, oder wenn sie noch nicht die Mindestgröße von zehn Zentimeter erreicht haben…

Die Kolp im Landkreis Gus-Chrustalnyj

Welch ein Versäumnis der Evolution, die geschuppte und gepanzerte Fauna stumm belassen zu haben. Was wäre wohl, wenn Fisch und Krebs ihre Todesangst und Schmerzen ihren Peinigern vernehmlich kundtun könnten?!

P.S.: Ein russisches Sprichwort lautet in freier Übersetzung: Gibt es einmal keinen Fisch, kommen Krebse auf den Tisch.

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