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Archive for 24. April 2018


In der ganzen sozialistischen Welt kursierte die Idee, dem Generalissimus, der die Völker vom Faschismus befreit hatte, zu seinem 70. Geburtstag ein Geschenk zu machen. Für die Stadt, die seinen Namen trug und gelitten hatte, wie vielleicht nur noch Leningrad, wollten die deutschen Genossen ein Planetarium errichten.

 

Nadja Steger und Marina Gadyschewa vor dem Planetarium Wolgograd

Da lag es nahe, den Auftrag nach Jena, an die Zeiss-Werke, zu vergeben. Überliefert sind die Worte des damals 82jährigen Professors Johannes Hartling:

Das Geschenk versteht sich als Symbol für das Streben unseres Volkes nach Frieden und Fortschritt. Die Sowjetunion hat die Weltzivilisation gerettet, und wir, die deutschen Wissenschaftler, die ihr Leben der Optik gewidmet haben, faßten mit enormer Begeisterung den Beschluß, auf dem heldenhaften Grund von Stalingrad ein Planetarium zu erbauen.

Familienaufstellung

Wofür man ansonsten mindestens 16 Monate brauchte – die Fertigstellung des „Innenlebens“ eines Planetariums -, schaffte man jetzt mit Unterstützung des zehntausendköpfigen Kollektivs innerhalb von gerade einmal vier Monaten. Für die Bauarbeiten sammelte man in Jena 1.350.177 Mark, die im Januar 1950 auf dem Konto der eigens eingerichteten Stiftung eingingen. Mehr noch, auch die Baupläne und teilweise Bauarbeiter für das Projekt an der Wolga kamen aus Deutschland ebenso wie – in mehr als 260 Güterwaggons – die gesamte technische Ausrüstung.

Das Foucaultsche Pendel zu Wolgograd

Allerdings stellte sich vor Ort heraus, daß Plan und Wirklichkeit nicht ganz zusammenpaßten, weshalb russische Architekten noch die eine oder andere Korrektur vornehmen mußten. Auch die Figur auf dem Gebäude, die „Frau mit erhobenen Händen, die eine Friedenstaube fliegen läßt“ wurde erst vor Ort konzipiert.

Sternenatlas

Am 19. September 1954 – der Jubilar war da bereits seit mehr als einem Jahr tot – eröffnete man schließlich den Neubau des ersten Planetariums im Süden der Sowjetunion. Das Portrait im Eingangsbereich sollte freilich wegen der Entstalinisierung gleich wieder zerstört werden, doch die Mitarbeiter des Planetariums widersetzten sich der Anordnung und versteckten das Kunstwerk hinter Schichten von Abdeckungen, wovon nur ein ganz kleiner Kreis Eingeweihter Kenntnis hatte. Erst in der Perestrojka legte man das Bildnis wieder frei, und so ist es bis heute zu sehen. Ob zu aller Freude, sei dahingestellt.

Bamberg in Wolgograd

Nicht so weit in die deutsch-russische Geschichte zurückzugehen braucht man, wenn man die Brauerei Bamberg betritt, ganz im Zentrum gelegen und erst vor zehn Jahren eröffnet.

Brauerei Bamberg

Eigentlich dürfte man hier, in der Partnerstadt von Köln, eher erwarten, ein Kölsch kredenzt zu bekommen, doch man hält es an der Wolga eher mit der Tradition der Franken.

Ein Prosit der Gemütlichkeit

Das Restaurant bietet nicht nur selbstgebrautes dunkles Bier, sondern auch deftige Kost, freilich an den russischen Gaumen angepaßt. Erstaunlich freilich, daß sogar das hierzulande eher unbekannte Radler angeboten wird.

Die Brauerei Bamberg, eröffnet 2008, hält sich an das 1515 erlassene Reinheitsgebot

Die Innenausstattung hat zwar etwas Eklektizistisches, aber Heimatgefühle kommen durchaus auf, wenn man sich an einem der wuchtigen Holztische niederläßt.

Rotary dient der Menschheit

Und gleich gegenüber eine Mauer, die mit Motiven des 1998 in Wolgograd gegründeten Rotary Klubs http://rotary-volgograd.org geschmückt sind. Weltoffen und den Gästen zugewandt, so erlebt man die Stadt heute – auch und gerade als Deutscher.

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