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Archive for 20. April 2018


„Feuer und Wasser sind zwei gute Diener, aber schlechte Herrn“, weiß ein deutsches Sprichwort. Das gilt besonders dann, wenn diese beiden Elemente außer Rand und Band geraten, wie derzeit in der Region Wladimir aus der Vogelperspektive zu beobachten.

Das trockene und warme Wetter der vergangenen Tage löste zwei unterschiedliche Phänomene aus. Zum einen schmolzen Schnee und Eis – beide im langen letzten Winter in rauhen Mengen über Land und Wasser verteilt – unter der Frühlingssonne rasch dahin, zum andern trocknete vielerorts der Boden rasch mit der Folge aus, daß die Waldbrandgefahr stieg.

Noch gefährlicher aber die früher ja auch hierzulande verbreitete Unsitte, das Vorjahrsgras anzuzünden und die Flammen dann sich selbst zu überlassen. Bauern meinten ja früher, dies sei ein probates Mittel, um auf natürliche und kostengünstige Weise zu düngen, der frischen Saat den Weg frei zu machen.

Die in hohem Maße klimaschädliche Entwicklung von Qualm sah (und sieht man bisweilen auch heute noch) damals niemand, und auch die Geruchsbelästigung nahm niemand besonders ernst, ebenso wenig wie die Auswirkungen auf die Fauna. Brand und brennende Augen gehörten einfach zum Frühjahr, sobald die Lüfte lauer wurden und man sich am ersten Blütenduft hätte erfreuen können.

Unbeachtet aller Verbote, in der Zeit vom 16. April bis 14. Oktober offenes Feuer außerhalb der festgelegten Zonen zu machen, stellten die Behörden in den letzten Tagen allein auf dem Gebiet der Partnerstadt 45 Fälle von brennendem Müll  und zwölf Brände von Grasflächen fest, wobei bisher erst ein Übeltäter überführt werden konnte.

Einer der Flächenbrände drohte sogar, auf Gebäude überzugreifen, die Lage entspannte sich dann erst mit einer Regenfront aus dem Westen. Wie ernst man die Sache nimmt, zeigen die Streifengänge von 15 Einsatzgruppen, die, mit tragbarem Löschgerät ausgestattet, in Wladimir im Einsatz sind.

In der ganzen Region zählt man bisher 55 solcher „Buschfeuer“ und mehr als 300 Fälle von in Brand gestecktem Müll. Etwa 85.000 qm gingen auf diese Weise in Flammen auf.

Immerhin gehen die Behörden davon aus, daß weder Hochwasser noch Brände in diesem Jahr zu einer echten Bedrohung für Menschen werden. Sofern man William Shakespeare beherzigt, der in seinem König Heinrich VI mahnt „Leicht wird ein kleines Feuer ausgetreten, / das, erst geduldet, Flüsse nicht mehr löschen!“

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