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Archive for 3. April 2018


Neben dem täglichen Unterricht, den dazu gehörigen Hausaufgaben und dem Büffeln von Vokabeln (mein Gehirn gewöhnt sich tatsächlich wieder daran) gibt es mit zahlreichen Freunden und Partnern auch Gespräche zur aktuellen Situation, sowohl zur politischen Großwetterlage, als auch zum fast wöchentlichen Austausch zwischen unseren beiden Städten.

Dieser Blog, der meiner Meinung nach gar nicht genügend gewürdigt werden kann in einer Zeit, wo es immer schwieriger wird, Wahrheit und Nicht-Wahrheit (sollte man nicht besser ehrlich sein, und „Lüge“ sagen) zu unterscheiden, ist der lebende Beweis dafür, daß es zwischen Russen und Deutschen herzliche Beziehungen gibt, Menschen einander gerne und unkompliziert kennenlernen, Kultur und Sport, Pädagogik und Politik einander auf Augenhöhe begegnen.

WIRD Zeichen der Hoffnung: Wiederaufbau der Freitagskirche

Und vor allem ist er Beweis dafür, daß viele dieser Begegnungen keine Eintagsfliegen sind, sondern daß neben dem Jubiläum der Städtepartnerschaft auch viele einzelne Jubiläen gefeiert werden können, sei es im Sport, im Schüleraustausch oder in der Kultur.

Wie ein roter Faden zieht sich die Erkenntnis durch diese abendlichen Gespräche, wie wichtig in diesen Zeiten die Begegnung auf Ebene der Städte ist. Mehr noch, alle Gesprächspartner wünschen sich ein noch mehr, noch mehr persönliche Erfahrung, noch mehr Erlanger und Wladimirer, die bisher noch nicht am Austausch beteiligt waren.

Dieser Wunsch wurde auch von den beiden Außenministern, Sergej Lawrow und Sigmar Gabriel, geäußert, die 2017 anläßlich einer Konferenz in Krasnodar ganz offen sagten, die „große Politik“ schiffe derzeit durch rauhe See und daher sei die kommunale Ebene quasi für das Aufrechterhalten funktionierender Strukturen des zivilgesellschaftlichen Austausches verantwortlich.

BLEIBT Zeichen der Hoffnung: das Erlangen-Haus

Auch in Wladimir blickt man mit Sorge auf die rauhe See der schwierigen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern.

Ein Gesprächspartner sagte, er schaue schon seit langem keine Nachrichten mehr, sondern konzentriere sich auf das, was ihn und die Stadt weiterbringt, nämlich „einfach machen“: Deutsch lernen, die Kinder zum Schüleraustausch schicken, Sportaustausch unterstützen, beruflichen Austausch aufnehmen, persönliche Freundschaften pflegen.

Ein anderer, gerade mit Blick auf die täglichen Nachrichten, forderte mich und damit die Stadt Erlangen auf, überregional zu zeigen, wie einvernehmlich, produktiv und problemlos auf der operativen und persönlichen Ebene zusammengearbeitet werde.

Ein weiterer schließlich, Deutscher und Geschäftsführer eines in Wladimir ansässigen großen Unternehmens, argumentierte ganz ähnlich, aber von der Wirtschaftsseite her: Als Unternehmer und gesellschaftlich aktiver Bürger Wladimirs ist er Gast bei den Treffen des Petersburger Dialogs, bei Empfängen der deutschen Botschaft und natürlich bei vielen geschäftlichen Terminen. Auch er war sehr besorgt und frage sich, ob der großen Politik immer bewußt sei, wie viel droht, kaputt zu gehen, und ob die Konsequenzen, auch die in der dritten oder vierten Reihe, immer absehbar sind.

Gemeinsam ist allen Gesprächspartnern, daß sie intime Kenner der Situation hier vor Ort sind, daß sie sich täglich mit dem Flechten des Beziehungsnetzwerkes zwischen unseren Städten und Ländern befassen, daß sie sehen, was alles aufgebaut wurde und gut läuft, daß sie unzählige persönliche Beziehungen zu den Menschen in beiden Städten unterhalten. Es wurde zwar nicht so offen ausgesprochen, aber zwischen den Zeilen schwang die Angst mit, die Konsequenzen dessen, was derzeit zwischen unseren Staaten geschehe, könnten fürchterlich sein und Folgen haben, wie sie sich kein vernünftiger Mensch wünschen kann. Unberechenbare Staatschefs auf beiden Seiten des großen Teiches tragen nicht eben dazu bei, diese Befürchtungen zu mindern.

Mit Blick auf die Erfahrungen zwischen den früheren beiden deutschen Staaten, auf die Jahre der Annäherung zwischen uns, auf die Jahre des Aufbaus der Freundschaft zwischen Erlangen und Wladimir, heißt das für mich als Bürgermeisterin: Diese Städtepartnerschaft hat höchste Priorität in meinem Arbeitsalltag, jede zusätzliche deutsche Hand, die eine russische drückt, ist ein neuer Knoten im Geflecht zwischen unseren Ländern und macht das Miteinander stabiler.

Daher: дружба!

Elisabeth Preuß

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