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Archive for 23. März 2018


Der Begriff „Stalker“ hat im Russischen eine ganz eigene Bedeutung, die auf den 1978/1979 von Andrej Tarkowskij gedrehten, gleichnamigen Film referiert, entstanden nach einem Drehbuch der Brüder Arkadij und Boris Strugazkij und Motiven aus deren Roman „Picknick am Wegesrand“, der in eine abgesperrte, von Menschen verlassene Zone – vergleichbar den „lost places“ – führt, in der unerklärliche Dinge geschehen – mit unheimlich-ungeahnten Auswirkungen auf die Eindringlinge.

So ein Stalker versteht sich als Lotse in einer verlorenen, vergessenen, verbotenen Welt, wo es Dinge zu sehen gibt, die ansonsten dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Solche Pfadfinder in ein Reich hinter morschen Absperrungen, schiefen Zäunen, rostigem Stacheldraht und verblichenen Warnschildern sind gern auch und gerade in Wladimir unterwegs, das ansonsten ja eher durch seine Sehenswürdigkeiten auf sich aufmerksam macht.

Aber es gibt hier eben auch dieses Schattenreich, für dessen Erkundung man schwindelfrei sein sollte, für dessen Vermessung man Stirnlampen und Spezialkleidung benötigt, will man heil zurückkehren in das vertraute Diesseits.

Immer wieder, so berichtet Zebra-TV, kommen Stalker aus Moskau und anderen Städten, um sich an Orten umzusehen, wo der Mensch längst erkaltete Spuren seines Schaffens hinterlassen, wo der Prozeß des Verfalls greifbar wird.

Diese Jäger nach verschollenen Schätzen tun sich gern zu Trupps zusammen, die sich sprechende Namen geben wie „Hartgesottener Moder“ und mit ortskundigen Pfadfindern losziehen.

Gemeinsam besteigen die „Roofer“ dann das Dach eines Gespensterhauses in Sudogda bei Wladimir, das nie fertiggestellt wurde, eine Ruine aus Sowjetzeiten, einst geplant als Zentrale der lokalen Verwaltung der KPdSU. Heute voller Schutt und Müll und all den Hinterlassenschaften einer untergegangenen Zeit.

Oder man überwindet Mauern, hinter denen ein einstiges Werk für Stahlbeton liegt, wo man auf Autofriedhöfe stößt und auf längst stillgelegte Industrieanlagen.

In Wladimir selbst lockt das Chemiewerk mit seinem schon vor Jahren unter Wasser gesetzten Luftschutzbunker, zu dessen Erforschung man tunlichst einen Schutzanzug überstreifen sollte. Hier gibt es sogar noch eine funktionierende Trinkwasserversorgung, die übrige Infrastruktur – wie die beiden Dieselaggregate – wurden hingegen unbrauchbar gemacht.

Eine richtige Unterwelt tut sich da auf mit Versorgungseinrichtungen und Gängen, von denen heute niemand mehr zu sagen weiß, wohin sie führen.

In drei Kurzfilmen haben die jungen Leute ihre Expeditionen festgehalten, hier zu sehen: https://is.gd/Da01C3, https://is.gd/T5kyE2 und https://is.gd/1AGou1

Man nehme sich aber auch die zwei Stunden Zeit für den Spielfilm „Stalker – Willkommen in der Zone“ von Andrej Tarkowskij, ein ganz außergewöhnliches Kunstwerk, dessen Inspirationskraft ungebrochen bleibt, hier in deutscher Synchronfassung: https://is.gd/gdncHs

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