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Archive for 22. März 2018


In Erlangen hat Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens die Schirmherrschaft über die Aktion „Deckel gegen Polio“ übernommen, zu der unter https://is.gd/S4OO7H mehr zu lesen ist. Nun gibt es, wie der Journalist, Michail Mojsejantschik, in seinem Blog aktuell berichtet, eine vergleichbare Sammlung in Wladimir. Sehr erfreulich, aber, wie dem nachstehenden Bericht zu entnehmen, auch noch ausbaufähig. Wie übrigens auch bei uns, wo ein weiterer Schritt darin bestehen könnte, Plastikflaschen grundsätzlich zunächst aus dem Rathaus und den Kantinen der städtischen Töchter zu verbannen und ansonsten so hoch zu besteuern, bis sie niemand mehr kaufen und unterwegs daran nuckeln mag, bevor sie – wie immer noch viel zu oft – ihren Daseinszweck als Landschaftsverschönerung finden. Wovon wir uns mit Grauen abwenden, um uns der beispielhaften Aktion in der Partnerstadt zuzuwenden.

Elske Preuß

Michail Mojsejantschik und Elisabeth Preuß, Juni 2016

Unlängst gab es in Wladimir eine Ausstellung zu den Erfolgen der Stadtwerke und des Wohnungswesens zu sehen. Dabei wirkte alles recht „appetitlich“. Das Auge hatte wirklich seine Freude (davon später) daran. Mein Blick fiel auf den Behälter neben einem Stand. Zu lesen stand da auf einem Schild: „Hast Du die Verschlüsse abgegeben?“ Das ist dir mal was, dachte ich mir. In der Stadt entwickelt sich ja mittlerweile die getrennte Sammlung von Müll, aber nicht in dem Tempo wie in den Millionenstädten oder im „verfaulten Westen“. Und nun diese Neuerung.

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Hast Du die Verschlüsse abgegeben?

Natürlich bringt niemand eine leere Tonne auf eine Ausstellung. Deshalb hat man schon vorher (obwohl nicht auszuschließen ist, daß Staatsdiener in ihren Taschen Deckel haben und sich ihrer hier entledigten) Verschlüsse hineingeworfen. Übrigens ist auf dem Schild zu lesen, es handle sich um die gesamtstädtische Umweltaktion „Sammle Verschlüsse“. Der Erlös aus dem Verkauf des Plastiks geht an die Wladimirer Kinderstiftung. Eine wirklich gute Sache, ohne Zweifel. Dabei sollte man die Menge von Verschlüssen ins Verhältnis zum Nutzen für die Kinder setzen. Um dem nachzugehen, grub ich im Internet einige Bemerkungen zu ähnlichen Aktionen aus.

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Sammelbehälter

Euch lange erklären zu müssen, warum es notwendig ist, Plastikflaschen und deren Verschlüsse gesondert zu sammeln, ist hoffentlich nicht notwendig. Obwohl man auch dazu ein paar Worte verlieren könnte. Es hat damit zu tun, daß die Kapseln aus einer anderen Art von Plastik hergestellt und meistenteils nicht wiederverwertet werden, obwohl das Recycling derzeit ein neues Niveau erreicht und schon einige Betriebe diese Plastikstoffe gemeinsam aufarbeiten.

Doch zurück zu unserer Aktion. Anfang des Jahres begann eine landesweite Aktion zur Sammlung von Plastikverschlüssen unter dem Namen „Gute Deckel“. Erstmals erwähnt wurde die Sache 2016, als Freiwillige eine neuartige Sammlung veranstalteten, um für einen Jungen einen Rollstuhl anschaffen zu können. Diese Aktion griffen sogleich Moskau, Petersburg und viele andere Städte auf. Und jetzt endlich ist sie auch bei uns angekommen. Ich hoffe, die Leute machen mit und geben ihre Verschlüsse ab. Nur ist noch nicht ganz klar, wohin man sie bringen könnte. Ich habe bisher nämlich nur einen einzigen Behälter entdeckt, während ich von niemandem eine vernünftige Antwort auf meine Frage nach weiteren Standorten erhielt. Man muß sich wohl an die Kinderstiftung wenden, um Klarheit zu erhalten.

Wenn man übrigens acht Tonnen Plastik (ungefähr eine Lkw-Ladung) beisammen hat, stellt das den Gegenwert zu einem Kinderrollstuhl dar. Insgesamt wären das vier Millionen Verschlüsse (ein Kilogramm entsprechen ungefähr 500 Stück), der Preis für einen Deckel liegt bei sieben Kopeken, und eine Tonne bringt ca. 25.000 Rubel. So jedenfalls die Berechnungen von Freiwilligen, die den Erfolg ihrer Aktion dem Umstand zuschreiben, daß es sich um eine einfache und unaufwendige Geste handle, die niemandem etwas koste und dabei sowohl der Umwelt als auch bedürftigen Menschen helfe, denen man so Rollstühle, Prothesen oder eine teure Behandlung finanzieren könne.

Kunstaktion

Übrigens verwenden viele Künstler diese Deckel für ihre Projekte, und einige Menschen sammeln sie sogar. Die eingeschworensten Fans dieser Verschlüsse nennen sich „Philolidisten“.

 

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