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Archive for 9. März 2018


Der Romantik des gestrigen Tages setzte das Wladimirer Amt für Statistik am 8. März das Bild der Durchschnittsfrau aus dem Gouvernement in nackten Zahlen entgegen. Das Ergebnis klingt nicht in allen Kennziffern erfreulich. Erwartungsgemäß stellt das weibliche Geschlecht auch Anfang 2017 die Mehrheit der Bevölkerung: 760.000 Frauen versus 630.000 Männern. Auch bei der Lebenserwartung liegen die Frauen mit 76 Jahren vorne, während Männer im Schnitt fast zwölf Jahre früher sterben. Dieses Verhältnis setzt sich auch im hohen Alter fort: Zur Gruppe 85+ gehörten vor Jahresfrist 19.000 Frauen, von denen 75 sogar den hundertsten Geburtstag feiern konnten, bei den Männern sind das nur 4.400 bzw. 34.

Das Durchschnittsalter der Frau liegt bei fast 45 Jahren. Mehr als 47% von ihnen stehen in der Blüte ihres Lebens, sprich, sie sind im erwerbsfähigen Alter, das nach russischem Arbeitsrecht zwischen 16 und 54 Jahren liegt. Jünger sind gut 15% und älter die verbleibenden 38%. Auch zu den Nationalitäten liegen Angaben vor: 90% sind Russinnen, 0,9% Ukrainerinnen, 0,5% und 0,3% Armenierinnen und Weißrussinnen, 0,2% Mordwinerinnen.

Die durchschnittliche Einwohnerin der Region Wladimir lebt in einer Stadt, ist verheiratet und im Dienstleistungssektor, Gesundheitswesen oder öffentlichen Dienst berufstätig, hat eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie ein Kind und wohnt zur Miete.

So weit, so gut. Aber beim Geld hört der Spaß auf. Auch die russische Frau wird bei der Bezahlung ungleich, um nicht zu sagen ungerecht behandelt: Als Frau in der Region Wladimir verdient man ein Viertel weniger als der männliche Kollege, wobei diese Tendenz sich sogar noch verstärkt. Das Durchschnittseinkommen einer Frau lag 2017 bei 25.400 Rbl., was 72% dessen beträgt, was die Männer an Lohn und Gehalt nach Hause brachten. Der Abstand ist am größten im Baubereich. Die einzigen Bereiche, wo eine Frau die Chance hat, mehr als ein Mann zu verdienen sind Bildung, Werbeindustrie und Wissenschaft.

Erstaunlich, wie rasch sich der natürliche männliche Geburtenüberschuß verliert. Die Statistiker raten denn auch den jungen Frauen, nicht zu lange auf den Traumprinzen zu warten, ab 34 werde es schwieriger, einen Partner zu finden. In der Altersgruppe von 18 bis 19 kommen auf 1.000 Jungs nur 817 junge Frauen; von 20 bis 24 Jahren liegt das Verhältnis bei 1.000 zu 883. Und dann geht es schon rapide bergab mit der Relation in der Gruppe 30 bis 34 Jahre – 1.000 zu 943 und in der Gruppe 35 bis 39 Jahre ist der Vorsprung so gut wie dahin: 1.000 Männer zu 999 Frauen.

Mit den Geburten sind die Statistiker weiterhin unzufrieden, wie im ganzen Land übrigens. Ins gebärfähige Alter kommen jetzt die 90er Jahrgänge, die um das Eineinhalbfache schwächer ausfallen als die 80er Generation. Von 2008 bis 2015 war die Geburtenstatistik positiv und stieg von 10,6 auf 11,6. Doch nun fallen die Zahlen wieder: 2016 waren es nur noch 11,2 Geburten auf eintausend Frauen, 2017 gar bloß 9,7, es kamen also im Vorjahr 13.400 Kinder zur Welt, 2.300 weniger als 2016. Damit einher geht die Tendenz zu späten Geburten. Bis 1994 war eine Mutter bei ihrer ersten Geburt im Schnitt 18,6 Jahre jung, derzeit liegt das Alter der Erstgebärenden bereits bei 26,1 Jahren. Allerdings entscheiden sich mehr Mütter – etwa 60% – für ein zweites und drittes Kind. 8.055 Neugeborene hatten 2017 schon ein Geschwisterchen. 80% davon wurden in eine Ehe hineingeboren, bei 10% anerkannte ein Mann die Vaterschaft, 10% wachsen bei der alleinstehenden Mutter auf. Positiv auch die Dynamik bei Zwillingsgeburten: 2014 waren es 161 Pärchen, 2015 schon 203, 2016 gar 207, und 2017 zählte man 161 Zwillinge. Sogar drei Drillingsgeburten gab es im Vorjahr.

So weit der Ausflug in die Welt der Zahlen und Figuren, den Novalis ja so zu Ende bringt: „… Und man in Märchen und Gedichten / erkennt die wahren Weltgeschichten, / dann fliegt vor einem geheimen Wort / das ganze verkehrte Wesen fort.“

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