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Archive for 2. März 2018


Seit dem ersten Vademecum von Wolfram Howein https://is.gd/qhLBsZ sind fast acht Jahre vergangen, hat sich vieles verändert. Grund genug für Frederick Marthol, sich an eine Neuauflage zu machen:

Da der projektierte Großflughafen in Wladimir leider noch keine nennenswerte Planungsfortschritte zu verzeichnen hat, sind Reisende in die Partnerstadt vorerst noch auf die Flughäfen der russischen Hauptstadt angewiesen. Es gilt also, eine sinnvolle und günstige Verbindung zu buchen und anschließend die ca. 180 Kilometer von Moskau nach Wladimir auf schnellstem Wege zurückzulegen.

Das Auto ist für uns hierbei keine Option, da die Verkehrslage und somit auch die Reisedauer absolut unberechenbar und langwierig sein können. Mehr als 200 Ampeln liegen auf der Strecke vom Flughafen in die Partnerstadt.

Ungewohnt für die meisten sind aber sicherlich auch die vielen Sicherheitskontrollen auf den Wegen, die ich jetzt vorschlage: Von der Landung in Moskau bis Wladimir müssen wir drei (!) flughafenähnliche Checks passieren. Gerade mit viel Gepäck kann das, genauso wie die vielen Treppen, nerven. Das sollte uns klar sein, bevor wir uns auf die Reise machen.

Diese Handreichung soll also eine kleine Unterstützung bei dem (zugegebenermaßen etwas komplexen) Reiseverlauf sein. Speziell Reisende ohne Russischkenntnisse, die auch die kyrillische Schrift nicht lesen können, werden die Fahrt hiermit problemlos bewerkstelligen können.

Flug nach Moskau

Ab Nürnberg gibt es keine Direktverbindung nach Moskau, weshalb entweder ein Zubringerflug oder ein anderer Flughafen genutzt werden muß. Welche der beiden Optionen die günstigere oder schnellere ist, läßt sich pauschal nicht sagen. Umweltfreundlicher ist aber sicherlich die letztere.

In Moskau gibt es drei gängige Flughäfen: Domodjedowo, Scheremetjewo und Wnukowo.

Flüge ab Nürnberg

Ab Nürnberg gibt es zahlreiche Umsteigeverbindungen nach Moskau: Eine Variante mit den Gesellschaften der StarAlliance über Frankfurt/München/Zürich/Brüssel nach Domodjedowo bietet eine komfortable Möglichkeit, die gerne und oft von vielen Partnerschaftsreisenden genutzt wird.

Eine Alternative stellt ein Flug nach Scheremetjewo via Paris oder Amsterdam dar. Diese Verbindungen sind oft günstiger und haben den Vorteil erschwinglicher Preise auch bei kurzfristiger Buchung. Zudem sind die Gepäckgebühren im Ticketpreis bereits enthalten, und Jugendliche erhalten flexible Tickets kostenfrei.

Flüge ab München / Frankfurt

Ab München und Frankfurt gibt es mehrmals täglich Direktverbindungen von Lufthansa, S7 sowie Aeroflot. Diese fliegen die Flughäfen Domodjedowo oder Scheremetjewo an. Vom Erlanger Bahnhof zum Flughafen kommt man bequem mit dem Fernbus, welcher sich auch direkt über die Lufthansa-Webseite buchen läßt. Ein Vorteil hierbei: Steht der Bus im Stau, und der Flug wird verpaßt, bucht die Gesellschaft kostenfrei um. Eine Anreise mit der Bahn ist ebenfalls möglich, birgt aber aufgrund der möglichen Verspätungen auch immer ein gewisses Risiko. Selbst mit dem eigenen Auto zum Airport zu fahren wäre in der Theorie möglich. Hier sind aber die teuren Parkgebühren meist das Ausschlußkriterium.

Flüge ab Memmingen

Pobeda Airlines fliegt ab dem Allgäu-Airport zu Dumpingpreisen (ab 12 € für eine Richtung) nach Moskau/Wnukowo. Das Tochterunternehmen von Aeroflot bietet sich also für Reisegruppen, die nach Memmingen gefahren werden, oder für Sparfüchse an, die mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Zu beachten sind bei dieser Gesellschaft jedoch die strengen Gepäckrichtlinien sowie die seltenen Abflugzeiten.

Nach Moskau mit dem Aeroexpress

Alle Flughäfen sind mit den modernen Aeroexpress-Zügen bestens an die Moskauer Innenstadt angebunden. Der Aeroexpress-Terminal ist in allen Ankunftshallen bestens ausgeschildert. Die Taktung dieser Züge ist sehr eng. Tagsüber sollte man also nicht länger als eine halbe Stunde auf einen entsprechenden Zug warten müssen. Die etwa eine dreiviertel Stunde dauernde Fahrt kostet 500 Rubel, ein Ticketkauf ist an einem der vielen mehrsprachigen Automaten unkompliziert möglich. Für Reisende mit einer kontaktlosen Kreditkarte ist ein Fahrkartenkauf nicht erforderlich, hier kann am Drehkreuz einfach die Kreditkarte auf den Scanner aufgelegt werden. Bitte die Fahrscheine ggf. bis zum Ziel aufbewahren, da nur mit ihnen das Verlassen des Bahnhofs möglich ist.

Praktisch ist auch die im Aeroexpress vorhandene kostenlose Internetverbindung. Eine kurze Nachricht an Bekannte über die Ankunft in Moskau ist hier also ohne teure Roaming-Gebühren möglich.

Flughafen Ankunftsbahnhof Weitere Infos
Domodjedowo Pawelezkaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/domodedovo.html
Scheremetjewo Belorusskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/sheremetyevo.html
Wnukowo Kiewskaja https://aeroexpress.ru/en/aero/route/vnukovo.html

Wie aus der Tabelle ersichtlich, kommen die Zubringer der verschiedenen Flughäfen auch alle an unterschiedlichen Bahnhöfen in Moskau an. Die Züge nach Wladimir fahren aber alle ab dem Fernbahnhof Kurskaja, bei dem keine der drei Linien hält. Um diesen Bahnhof zu erreichen, kommt nun die Moskauer Metro zum Einsatz.

Metro: Ringbahn Nummer 5

Wir suchen gleich nach dem Verlassen des Zuges nach dem großen „M“; die Ausschilderung ist an allen Bahnhöfen gut. Notfalls kann man auch ohne Sprachkenntnisse nach dem Weg fragen, das Wort „Metro“ (mit Betonung auf dem „o“) wird wohl jeder verstehen.

Das große „M“

Nachdem wir das Metrogebäude betreten haben, ist ein Fahrschein zu lösen. Wir bevorzugen auch hier aus genannten Gründen wieder den Automaten. Ein Einzelticket kostet 55 Rubel, eine Kartenzahlung ist immer möglich und die Automaten besitzen auch ein englisches Interface. Auch hier die Fahrkarte bitte nicht nach dem Drehkreuz wegschmeißen, denn es gibt Kontrollen im Zug.

Wir müssen nun, egal von welchem Flughafen wir kommen, in die Linie 5.

Das Praktische an einer Ringbahn ist deren Kurs im Kreis. Es gibt bezüglich der Richtung also kein richtig oder falsch, sondern nur schnell und langsam, und dieser Zeitunterschied ist für uns vernachläßigbar. Wir steigen in die nächste U-Bahn, egal auf welcher Seite der Plattform.

Im Inneren des Zuges gibt es über den Türen eine Anzeige aller Haltestellen. Der Vorteil für uns hier: Die Namen der Haltestellen sind auch in lateinischer Schrift aufgelistet. Der jeweils nächste Halt wird gut sichtbar angeleuchtet. Wir verlassen den Zug bei der Station Kurskaja.

Die Bahnhöfe Belorusskaja, Kurskaja, Pawlezkaja und Kiewskaja liegen auf der Ringbahn 5 („Kolzewaja“)

Ticketkauf

Angekommen an der Haltestelle Kurskaja, ist der schwierigste Teil bereits geschafft. Wir fahren hoch ins Bahnhofsgebäude. Nun brauchen wir nur noch einen Zug nach Wladimir und, wenn nicht schon vorher gebucht, auch noch ein Ticket.

Zugverbindungen im Internet buchen

Um vor Ort Hektik zu vermeiden, suchen wir uns bereits in Erlangen mögliche Zugverbindungen heraus. Die russische Eisenbahngesellschaft RZD hat eine eigene Buchungsseite, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Dort lassen sich, ähnlich wie bei der Deutschen Bahn, Fahrkarten kaufen und direkt ausdrucken. Die Buchung ist ausschließlich mit Kreditkarte möglich und erfordert eine vorherige Registrierung bei der Internetseite: http://pass.rzd.ru

Ticketkauf am Schalter

Es gibt sehr viele Ticketschalter am Kursker Bahnhof, wir nutzen aber nur diejenigen für Fernverkehrszüge („ticket offices for long-distance trains“). Dort gibt es nämlich ein „Ticket office for disabled persons“. Diesen Schalter nutzen auch wir, denn Reisende mit einer „Sprachbehinderung“ werden ohnehin dorthin verwiesen.

Der Ticketkauf am Schalter gestaltet sich ohne Russischkenntnisse aber auch hier als kompliziert. Sehr hilfreich ist es daher, eine Übersicht mit den verschiedenen Zügen vorher auszudrucken und die gewünschte Reiseverbindung zu markieren. Gegen Vorlage des Reisepasses bucht das Bahnpersonal uns dann auf den gewünschten Zug und kassiert das Geld, zwischen 600 und 800 Rubel.

Welcher Zug ist der Richtige?

Die Züge „Swift“ und „Strizh“ (jeweils gut eineinhalb Stunden bis Wladimir) sind aus Bequemlichkeitsgründen der „Lastoschka“ (sie braucht eine Viertelstunde länger) vorzuziehen. Denn diese Hochgeschwindigkeitszüge sind mit dem deutschen ICE ähnlich, während die „Lastoschka“ eher mit einer Regionalbahn zu vergleichen ist. Nach einem langen Reisetag kein sonderlich angenehmes Fortbewegungsmittel, da die Beinfreiheit zugunsten zusätzlicher Sitzplätze minimiert wurde.

Zeitlich beträgt der Unterschied aber nur fünf Minuten, da die „Lastoschka“ noch einen Zwischenhalt einlegt, beide Züge jedoch gleich schnell fahren. In den meisten Fällen werden wir also den Zug nehmen, der sich zeitlich besser anbietet.

Vom Kursker Bahnhof nach Wladimir mit dem Zug

Praktisch ist für uns: Mittlerweile sind fast alle Schilder und Lautsprecheransagen auf auf Englisch zu lesen und zu hören. Die Anzeigetafeln, auf denen das Gleis ersichtlich wird, sind leider nach wie vor nur in kyrillischer Schrift. Wir orientieren uns daher am einfachsten an Abfahrtsuhrzeit + Nummer des Zuges, denn die Zahlen sind ja dieselben wie bei uns.

Auf der Anzeigetafel steht dann die Nummer einer „platform“, die aber nicht mit dem deutschen Begriff „Gleis“ gleichzusetzen ist: Jede Plattform hat mehrere (meist zwei) „tracks“.

Die Strizh-Züge nach Wladimir / Nischnij-Nowgorod fahren alle ab „platform 1 / track 1“ und sind gesondert ausgeschildert. Sie sind zudem auch direkt aus der Bahnhofshalle (direkt neben unserem Fahrtkartenschalter) erreichbar (ähnlich dem Erlanger Gleis 1).

Bei den Lastoschka-Zügen kann das Gleis variieren, häufig ist es aber zum Beispiel „platform 3 / track 7“.

Um zu diesen Gleisen zu gelangen, fahren wir die Rolltreppe hinunter und folgen der Beschilderung „Long-Distance-Trains“ (z.B. Tunnel 2).

Anders als in Deutschland hat jedes Zugticket einen zugehörigen Sitzplatz. Der Einstieg in den Zug ist nur gegen Vorlage der Bordkarte und des Reisepasses möglich. Außerdem darf der Zug nur in dem Wagon bestiegen werden, in dem sich auch der persönliche Sitzplatz befindet. Es ist zudem auch unbedingt der eigene Sitzplatz einzunehmen, da häufig noch eine Kontrolle im Zug stattfindet. Die Schaffner werden sonst schnell unfreundlich.

Bahnangestellte gehen während der Fahrt durch den Zug und verkaufen Kopfhörer, Speisen und Lotteriescheine. Hier kann es öfters vorkommen, gefragt zu werden, ob wir auch etwas wollen. Ein freundlich-bestimmtes „Njet, spasibo“ sollte uns aber in jedem Fall zukünftig Ruhe bescheren.

Strizh auf dem Kursker Bahnhof

Taxi in Wladimir

In Wladimir angekommen, müssen wir noch eine letzte Treppe überwinden, um über die Brücke in das Bahnhofsgebäude zu gelangen. Vor diesem stehen dann Taxen bereit, wenn man sich nicht – etwa vom Erlangen-Haus – abholen lassen will. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, die Zieladresse in kyrillischer Schrift vorab auszudrucken, um Komplikationen zu vermeiden. Für eine Fahrt in die Innenstadt (z.B. zum Erlangen-Haus) sind Preise um die 150 Rubel der Regelfall.

Noch ein wichtiger Hinweis: Vor allem für die Rückreise – Anleitung einfach „umdrehen“ – empfiehlt sich die Bahnvariante, die sich viel genauer als der Transfer auf der Straße an die jeweilige Abflugzeit abstimmen läßt. Außerdem hat man dann schon ein wenig Akklimatisierung hinter sich. Bevor man sich aber für diese Variante entscheidet, bitte unbedingt beachten: Es sind in der Metro einige Treppen zu Fuß zu bewältigen, was anstrengend sein kann, wenn man schweres Gepäck zu schleppen hat.

Eine allzeit gute Reise wünscht jedenfalls

Frederick Marthol

P.S.: Seit gestern verkehrt nach zweijähriger Pause wieder einmal täglich der Saspan, der russische ICE, zwischen Nischnij Nowgorod und Sankt Petersburg mit Halt in Wladimir und Moskau. Um 7.02 Uhr geht es in der Partnerstadt los, und schon sechs Stunden später, um 13.20 Uhr landet man auf des Wanderfalken – so die deutsche Übersetzung von „Sapsan“ – Fittichen im Venedig des Nordens. Retour pfeift der Schaffner um 17.00 Uhr an der Newa, und um 23.04 Uhr steigt man an den Gestaden der Kljasma aus seinem Abteil. Wer wollte da noch fliegen und vom Airport Wladimir träumen…

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