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Archive for 11. Januar 2018


Ich verbrachte den Jahreswechsel in Wladimir und erlebte erstmals den russischen Winter. Die Stadt hatte ich während meines Auslandssemesters sehr gut kennengelernt, allerdings nicht zur Weihnachtszeit. Folgend einige Eindrücke, die ich zwischen dem 27. Dezember 2017 und dem 8. Januar 2018 – abseits der Universität – sammeln konnte:

  • Entgegen meiner Erwartung, von klirrender Kälte empfangen zu werden, verhielt sich das Wetter – beinahe schon erschreckend – zahm. Nebel, Regen und Wind machten dem Ruf des russischen Winters bei Temperaturen um den Gefrierpunkt keine Ehre.
  • Das Neujahrsfest entspricht etwa dem Weihnachtsfest in Deutschland. Man trifft sich mit Familie oder Freunden, speist gemeinsam und tauscht Geschenke aus. Ich verbrachte den Abend in der Wohnung einer Freundin, die über die Feiertage verreist war. Zwar bot das Apartment einen tollen Ausblick auf die „Skyline“ Wladimirs, was aber besonders in der Silvesternacht aufgrund des Nebels keinen Mehrwert bot und auch jegliche Feuerwerks-Aktivitäten höchstens erahnen ließ.

  • Wie zu erwarten, gehen an diesem Feiertag die Preise für alles mögliche in die Höhe. Wie bereits erwähnt, konnten ich – zur Freude unserer Geldbeutel – in besagter Wohnung unterkommen, denn die Preise für Mietwohnungen über den Neujahrsabend wäre um ein Vielfaches teurer gewesen. Auch sah ich davon ab, mich mit Freunden in der Stadt zu treffen, da alleine der Eintrittspreis für ein Teehaus 1.500 Rubel (entspricht ca. 25 €) betragen hätte.
  • Wie auch in Deutschland empfiehlt es sich, Einkäufe für das Weihnachtsessen nach Möglichkeit früh zu tätigen. Nachdem ich dieser Devise aus logistischen Gründen nicht hatten nachkommen können, verloren ich am 30. Dezember im völlig überfüllten Supermarkt „Globus“ einiges an Nerven.

  • Die Wladimirer haben sich auch dieses Jahr viel Mühe gegeben, die Stadt in einem weihnachtlichen Glanz erstrahlen zu lassen. Auf dem Kathedralenplatz steht ein gigantischer Neujahrsbaum, daneben gibt es einen kleinen Weihnachtsmarkt, auf dem lokale Produkte wie Kerzen, Honigkuchen, Spielzeug, Schmuck, Schaschlik oder Glühwein verkauft werden. Zudem finden sich beispielsweise auch in Bussen Papierornamente, die auf die Feierlichkeiten hinweisen.

  • Nachdem mich meine Gastgeber in die Tradition von „Dinner for One“ als Pflichtprogramm des Silvesterabends eingeweiht hatten, wurde mir das russische Äquivalent nicht vorenthalten. Der Film „Ironie des Schicksals“ ist ein sowjetischer Drei-Stunden-Kracher aus den Siebzigern. In dieser Verwechslungsgeschichte steigt ein betrunkener Moskauer fälschlicher Weise in ein Flugzeug nach Leningrad, geht aber weiterhin davon aus, er sei in seiner Heimatstadt, was ihm aufgrund der sowjetischen Vereinheitlichungspolitik nicht auffällt. Er fährt zu seiner vermeintlichen Heimatadresse, die unter dem gleichen Namen in Petersburg existiert, wobei das Wohnhaus und sogar seine Wohnung genau wie in Moskau aussehen. Nach einer sehr theatralischen Auflösung des Irrtums mit der eigentlichen Mieterin der Wohnung verliebt sich der Held zum Ende der Handlung in die Gastgeberin.

Um zusammenzufassen: So groß, wie ich erwartet hatte, sind die Unterschiede zwischen dem deutschen Weihnachtsfest und dem russischen Jahreswechsel gar nicht. Zwar sind die Abläufe in den Feierlichkeiten etwas anders, aber letztendlich geht es auch hier um das Zusammensein mit Freunden und Familie. Einzig und allein das Wetter hat nicht so richtig mitgespielt, aber das kenne ich ja zur Genüge aus Deutschland.

Max Firgau

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