Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 9. Januar 2018


Während der ersten Amtsperiode von Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg studierte er an der Friedrich-Alexander-Universität Geschichte und Germanistik, als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau kennt und schätzt er Erlangen als die Partnerstadt von Wladimir, und gestern abend nun sprach Rüdiger Freiherr von Fritsch auf Einladung der Lions auf einer Gemeinschaftsveranstaltung mit den Rotariern, einen Steinwurf entfernt von seiner Alma Mater, mit der ihn bis heute viel verbindet und deren vielfältige wissenschaftliche Kontakte zu russischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen der Diplomat gleich zu Beginn seiner frei gehaltenen Rede ausdrücklich lobte. Ebenso wie den mittlerweile seit 35 Jahren bestehenden bürgerschaftlichen Austausch zwischen Erlangen und Wladimir, den der Gast „vorbildlich und sinnbildlich“ für die deutsch-russischen Beziehungen nannte und dabei exemplarisch den Jugendaustausch des BDKJ sowie die Solotour von Gertrud Härer auf dem Fahrrad im Sommer vergangenen Jahres hervorhob. Doch diese lokale Volksdiplomatie ist natürlich eingebettet in die lange gemeinsame Geschichte des Zusammenspiels von Berlin und Moskau, symbolisiert etwa in der von Dmitrij Bortnjanskij am Zarenhof komponierten Melodie zum Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“, das beim Großen Zapfenstreich erklingt, ebenso wie in den Abgründen des Zweiten Weltkriegs.

Erik von Fritsch, Rüdiger von Fritsch und Dietmar Hahlweg

Wenn man Rüdiger Freiherr von Fritsch zuhört, weiß man die deutsch-russischen Beziehungen in kundigen Händen und versteht, warum Deutschland auch in den schwierigen Zeiten seit der Krim-Annexion und den elftausend Kriegstoten in der Ostukraine auf allen Ebenen – fast möchte man sagen: jetzt erst recht – die Gespräche auf allen Ebenen weiterzuführen bestrebt ist. Jenseits aller zwischenstaatlicher Konflikte vor dem Hintergrund der „Erfolgsgeschichte“ der EU und NATO mit ihren neuen, einst zum Machtbereich Moskaus zählenden Mitgliedern einerseits und dem Empfinden einer „Rückabwicklung“ des Russischen Reichs und der Interessenssphäre der Sowjetunion während der letzten drei Jahrzehnte andererseits nämlich, jenseits all dieser Probleme, die der Chef des mehr als dreihundertköpfigen Teams in der deutschen Auslandsvertretung klar beim Namen nennt, könne nur ein „parallel zu führender Dauerdialog“ Vertrauen zurückgewinnen, für das auch das „große Mosaik der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir“ stehe.

Rüdiger Freiherr von Fritsch

So wichtig aber die zivilgesellschaftliche Basis, so unverzichtbar der Überbau einer zwischenstaatlichen Politik des Ausgleichs und der Definierung gemeinsamer Interessen in einer globalisierten Welt mit neuen Gewichtungen, wo selbst Staaten wie die Bundesrepublik oder die Russische Föderation nicht mehr ohne engen Verbund bestehen können. Denn, so die Botschaft des Diplomaten: „Es darf nicht das Recht des Stärkeren gelten, sondern wir brauchen eine Stärkung des Rechts.“ Auf dieser Grundlage Moskau neue Angebote zur Integration zu machen, ist der Weg, den Rüdiger Freiherr von Fritsch der deutschen Politik zu gehen anrät. Man tut gut daran, ihm zuzuhören und ihm darin zu folgen.

P.S.: Die Gelegenheit sollte nicht ungenutzt bleiben, um der Deutschen Botschaft in Moskau für die vielfache Unterstützung und Anerkennung der Städtepartnerschaft ebenso zu danken wie den beiden gestern gastgebenden Serviceklubs, die eine Vielzahl von Projekten im Austausch zwischen Erlangen und Wladimir unterstützen.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: