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Archive for 6. Januar 2018


Noch gibt es nur die russische Fassung des Kochbuches „Feiern nach Rezept“ von Anna Schukowa aus Wladimir, aber Lawrentij Wkusnikow, das für das Kulinarische zuständige Mitglied der Blog-Redaktion, begab sich selbst in seine Backstube und testete zum heutigen Heiligen Abend der russisch-orthodoxen Kirche den „Weihnachtskeks“, wie ihn die Köchin aus der Partnerstadt empfiehlt. Das – es sei vorweggenommen – geglückte Ergebnis seiner Bemühungen steht nun exklusiv für die feierlich gestimmte Leserschaft des Blogs zu Verfügung:

Für vier bis sechs Portionen werden benötigt: vier Eßlöffel Brandy, je zwei Eßlöffel Rosinen, Zitronat, Nüsse, ein Eßlöffel gemahlenen Ingwer, Saft einer Zitrone, 400 g Mehl, 200 g Rohrzucker, zwei Eßlöffel Honig, 200 g Butter und vier Eier.

Man beginnt die Zubereitung damit die Rosinen und Nüsse sowie das Zitronat ungefähr 30 Minuten im Brandy und Zitronensaft einzuweichen. Unterdessen mischt man Rohrzucker, Butter und Honig, gibt das Mehl und die Eier dazu und rührt alles zu einem Teig von homogener Konsistenz. In den fertigen Teig kommen die eingeweichten Zutaten und der gemahlene Ingwer, bevor man ihn in die mit Butter ausgefetteten Förmchen gibt, wobei vor allem die Nüsse und die Rosinen nicht an die Oberfläche treten sollten, weil sie sonst leicht verbrennen. Bevor es bei einer Temperatur von 180° C für – je nach Höhe der Förmchen – 40 bis 60 Minuten in die Röhre geht, versteckt man eine Mandel im Teig. Wer diese Nuß findet, bekommt seinen Herzenswunsch erfüllt. Aber nur an Weihnachten! Genießen läßt sich das Gebäck nämlich auch noch lange nach den Feiertagen.

Der Duft freilich ist unwiderstehlich, vor allem dann, wenn er sich mit dem von frisch gekochter Schokolade mischt, von der leitmotivisch im Roman „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili die geheimnisvolle Rede ist:

Sie war das Kind eines im ganzen Lande berühmten Konditors und an allerlei Köstlichkeiten gewöhnt, aber solch einen betörenden Duft hatte sie noch nie gerochen, geschweige denn geschmeckt. Wie hypnotisiert zählte sie die Zutaten eine nach der anderen auf, wiederholte die jeweilige Menge andächtig, spürte, wie ihr der Speichel im Mund zusammenlief. Daraufhin wurde sie vom Vater aufgefordert, alles, was sie vernommen hatte, genauestens aufzuschreiben, die Zutaten, die Zubereitungszeit und – ganz wichtig – die exakte Dosierung. Sie bekam einen Stift und einen Zettel auf den Tisch gelegt, notierte fein säuberlich in ihrer besten Schönschrift das Geheimnis ihres Vaters; sie mußte sich dabei schwer konzentrieren, wegen des berauschenden Duftes, der den Raum erfüllte. Dann bekam sie eine kleine, dünnwandige Tasse, leicht wie eine Feder, mit einer schweren schwarzen Flüssigkeit darin, die sie mit einem Silberlöffel zu schlemmen anfing. Ihr Gaumen: zu unglaublichen Freuden erwacht, ihr Kopf: berauscht von dem Geschmack, ihre Zunge: betäubt. Sie kostete, Löffel um Löffel, und vergaß für ein paar Minuten die Welt um sich herum. „Was um Gottes Willen, war das?“ fragte sie, nachdem sie wie eine hungrige Katze die Tasse leergeleckt und dann vorsichtig abgestellt hatte. „Und warum hast du uns das bisher nie gezeigt?“ – „Weil es ein Geheimrezept ist. Eine kleine Dosis meines Geheimnisses misch ich in all unsere Schokoladenwaren, aber das Rezept ist ursprünglich für diese Heiße Schokolade erfunden worden, die du nun kosten durftest. (…) Aber sie ist gefährlich. (…) Zu viel des Guten kann zu viel Schlechtes hervorbringen. Und ich habe noch keinen Menschen gesehen, der diese Schokolade gekostet und der danach nicht nach mehr verlangt und ja: nach mehr gegiert hätte. Aber Gier in Kombination mit Genuß kann zum Verhängnis werden. Merk dir das bitte!“

Was es mit dem süßen Fluch auf sich hat, der den fast 1.300 Seiten prallen Roman, dem freilich ein besseres Lektorat zugestanden hätte, lockend durchzieht, wird hier natürlich ebenso wenig verraten wie die Geheimrezeptur, aber in Zeiten der allgemeinen Teilhabe wollen wir nicht für uns behalten, welches Geschmackserlebnis sich bereiten kann, wer, am besten in schwelgerischer Gesellschaft, zu Anna Schukowas Weihnachtsgebäck eine Tasse Kakao trinkt, gekocht aus den erlesenen Zutaten der Heiligen Drei Könige: als da sind Gold in Gestalt von 400 ml Vollmilch, vorzugsweise von Demeter, Weihrauch in Form von vier gehäuften Teelöffeln Kakao (keinesfalls entölt!) und Myrrhe, eine Mischung aus je einer guten Prise Zimt, Nelke, Muskatnuß und Kardamon. Serviert im Geist von Glaube, Liebe und Hoffnung, gelingt nicht nur das Fest! Allerdings gilt auch hier die Warnung vor zu viel des Guten…

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