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Archive for 29. Dezember 2017


Gedichte sind wie Wein. Sie wollen reifen. Deshalb auch erst heute im Blog die Verse von Andrej Filinow, Intendant des Staatlichen TV-Senders Wladimir, die nach einer Deutschlandreise Ende September entstanden und im Oktober nach Erlangen gelangten.

Andrej Filinow

Köln

Der Himmel ist auch hier gerade, / nur was in Köln so schlimm erscheint: / Der Häuserhaufen unter Schwaden, / durchsticht mit Nadeln ihn vereint.

Blick höher drum als Türme bieten: / Gleich wachsen, dort hinaufgeträumt, / empor die Gotikstalagmiten -, / Gewitterwasser strömt und schäumt.

Der Himmel wird nicht grundlos blaß, / der Rhein fließt weiter ohne Eile, / auf Hohenzollern ist Verlaß, / behelmter Brückenschutz mit Weile.

Doch unsre Zeit, wie stets, vergeht, / verläßt uns, ohne umzukehren, / und nur des Wassers Duft besteht / und kann in Köln sich siegreich wehren.

 

Rüdesheim

Gleich, wie viel von dieser Luft wir atmen, / unsren Lungen ist es nie genug. / Zu den Traubenhängen eingeladen, / schippern wir den Rhein entlang im Zug.

Weite Wege braucht man hier nicht gehen, / wenn man auf den Wellen sich bewegt. / Pfefferkuchenhäuschen gibt’s zu sehen, / hier im Rheingau sich das Leben regt.

Auf den Hügeln Spielzeugtürme ranken, / für das Auge eine Schwelgerei, / Burgen, wo die Fürsten gerne tranken / zum Gewisperspuk der Loreley.

Jeder Atemzug läßt dich verstehen, / was der Rausch der Trauben mit uns macht. / Nicht umsonst ließ Goethe sich hier sehen, / hat den goldnen Herbst hier zugebracht.

Und im Schäumen all der Menschenstimmen / öffnet sich dir plötzlich hier ein Land, / frei von tönernem Koloßgeklingel, / nur mit einem Weinglas in der Hand.

 

Cochem

Oh, ging’s durch die Gruppe raunend, / einfach hin und weg, / zogen wir durch Cochem staunend, / welch ein schöner Fleck.

Ob nun Rosen, ob Mimosen, / alles war erblüht: / Unterwegs entlang der Mosel / wirkte nichts bemüht.

Wie in Cochem ist das Leben, / dafür gibt’s kein Wort! / Ewig schon scheint hier der Reben / und der Gnade Ort.

Hinter Fensterchen und Türen / hört man keinen Krach. / Wege durch das Fachwerk führen / unterm Schindeldach.

All die Türmchen, all die Spitzen / sehen wir so gern. / Gerne blieben wir hier sitzen, / wo die Hast so fern.

Blieben in der Burg hier wohnen, / Hand am Schwert und Beil. / So kann sich das Leben lohnen, / so wär’s richtig geil!

aus dem Russischen von Peter Steger

Um noch kurz zu postludieren: Nichts gegen Rhein und Mosel, aber Andrej Filinow, dessen Sender schon viel über die Partnerschaft berichtet hat, sollte demnächst einmal nach Franken kommen und einen Zyklus über seine lyrischen Eindrücke von der Partnerstadt Erlangen an der Regnitz verfassen.

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