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Archive for 8. Dezember 2017


Mein Name ist Frederick, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Erlangen. Diesen Sommer habe ich die Schule abgeschlossen und mich anschließend über das Erasmus+ – Programm auf die Stelle in Wladimir beworben. Mein erster Aufenthalt in Wladimir war 2015, als ich dort mit einer Erlanger Pfadfindergruppe einen Niedrigseilgarten für den Blauen Himmel errichtete.

Als mich Peter Steger im Sommer fragte, ob ich mir das Projekt in Wladimir vorstellen könnte, war die Entscheidung für mich eigentlich schon gefallen, da ich bereits ein klares Bild von Wladimir hatte und somit die Vorzüge aber auch die Einschränkungen eines Aufenthalts in der Partnerstadt kannte. Die Tätigkeiten dort klangen sehr vielversprechend, und auch nach etwa dem, was ich bisher für die Erlanger Pfadfinder getan habe. Angst hatte ich nur vor den eisigen Temperaturen, die mir bisher aber noch nicht zu schaffen machen.

Hier in Wladimir werde ich einen russischen Sprachkurs besuchen und für den „Euroklub“, eine Jugendorganisation, die Freizeitangebote für Schüler und Studenten macht, verschiedene Projekte für Kinder und Jugendliche organisieren und durchführen. Der „Euroklub“ hat zum Ziel, jungen Menschen verschiedene landeskundlich-kulturelle Inhalte spielerisch zu vermitteln.

An der Universität werde ich Studenten, die die deutsche Sprache lernen, durch Dialoge und Kurzpräsentationen bei ihren Lernfortschritten unterstützen, aber auch Hintergrundwissen über kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede der beiden Länder vermitteln. Auch Hausarbeiten oder Aufsätze werde ich gegenlesen und mit den Verfassern überarbeiten. Die Studenten sagten mir, ihr Unterricht laufe sehr theoretisch ab und es mangele ihnen deswegen an Praxisgebrauch der Fremdsprachen – die Nachfrage seitens der Studenten an Konversationsstunden ist auf jeden Fall sehr groß.

 

Frederick Marthol im Eispalast von Wladimir

Nach der Landung in Moskau begann ich erst zu begreifen: Dieses Land wird für die nächsten Monate meine Heimat sein. Ärgerlich nur, wenn man die Menschen hier nicht versteht. Weder Zoll- noch Einreisebeamte am Flughafen beherrschen die englische Sprache, geschweige denn Eisenbahnangestellte. Daher stellte sich insbesondere der Fahrkartenkauf für ein Zugticket nach Wladimir als äußerst kompliziert heraus. Leider funktioniert mein deutscher Handyvertrag hier nicht, weshalb ich meine Abholerinnen nicht erreichen konnte, um ihnen zu sagen, daß ich aufgrund einer Verspätung meinen ursprünglichen Zug nach Wladimir nicht erreicht habe und deswegen später komme. Nachdem diese also über zwei Stunden am Bahnhof auf mich gewartet hatten, sind sie wieder heimgefahren, bevor ich kurze Zeit später mit dem 23-Uhr-Zug ankam. Mit meinem gesamten Gepäck verließ ich das Bahnhofsgebäude, um mich in der verschneiten Nacht auf die Suche nach einem WLAN-Netzwerk zu machen, von dem aus ich die Adresse meiner Unterkunft in Erfahrung bringen konnte (da ich abgeholt werden sollte, hatte ich diese ja nicht!). Ein paar Anrufe später saß ich dann endlich im Taxi zu meiner Unterkunft. Da ich noch kein russisches Geld hatte, gab ich dem Fahrer für die zwanzigminütige Fahrt einen Fünf-Euro-Schein, er freute sich unglaublich darüber, denn er hatte umgerechnet nur 1,20 € verlangt.

Die Studentenwohnheime sind triste, plattenbauähnliche Gebäude, ich würde sagen aus den Siebzigerjahren und seitdem ohne größere Sanierungen. Es gibt ein eigenes Wohnheim für die ausländischen Studenten, in welchem auch ich mein Zimmer habe. Dieses an sich ist aber sehr schön, und vor allem größer, als ich es mir vorgestellt habe. Die Küche ist aber nur sehr spärlich ausgestattet, und die Duschen sind, wie selbst die Leiterin der Wohnanlage sagt, schrecklich.

Insgesamt ist die Wohnsituation aber absolut in Ordnung, und ich freue mich auf nette Bekanntschaften an der Wohnanlage.

Am Samstag wurde ich von Jelena Guskowa, der Leiterin des Euroklubs besucht. Sie erklärte mir alles und gab mir freundlicherweise ein paar nützliche Dinge für den Alltag im Studentenwohnheim mit. Anschließend war ich Einkaufen und habe einen mobilen Internetvertrag abgeschlossen, damit ich wieder kommunizieren kann. Hierbei half mir Timofej, ein russischer Student, der Deutsch als Lehramt studiert und sogar ein schöneres Deutsch spricht, als die meisten meiner Freunde in Erlangen. Die Redewendung „Das finde ich ja allerhand“ gehört für ihn genauso zum Stammwortschatz wie diverse Fachbegriffe: „Stagnieren“ ist sein Lieblingswort. Fasziniert von dem Gespräch mit ihm, endet mein erster richtiger Abend in der Stadt.

Den Sonntag habe ich mit anderen Stundentinnen, die ebenfalls Deutsch und Englisch lernen, verbracht. Wir waren im Stadtzentrum, im Park und einer kleinen Cafeteria. Das Highlight des Tages war aber auf jeden Fall das Schlittschuhlaufen in einer Eissporthalle nahe des Zentralnyj Park.

Mein zweiter „erster Eindruck“ ist also sehr gut, ich bin gespannt, was mich in den nächsten Tagen hier erwarten wird. Es lohnt sich also, diesen informativen Blog regelmäßig zu lesen.

Frederick Marthol vor der Universität Wladimir

Frederick Marthol

Und hier geht es zum allerersten Blick von Frederick Marthol auf Wladimir: https://is.gd/RSfPxD

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