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Archive for Dezember 2017


So schön kann Weihnachten sein, wenn man es im Erlangen-Haus feiert und die russischen Bräuche mit den deutschen Landessitten so zu verbinden weiß, wie das die Sprachassistentin des Goethe-Instituts, Lara Heinen, tut. Da wird gebacken und gebastelt, geschmückt und gesungen, gespielt und beschenkt.

Die „Jolka“, der Neujahrsbaum, im Erlangen-Haus

Ein Höhepunkt dann gestern mit der Premiere des Stücks „Die zwölf Monate“, von den Kindern in Auszügen auf Deutsch aufgeführt. Geschrieben hat diesen sowjetischen Klassiker in den Kriegsjahren Samuel Marschak, und in den 50er Jahren entstand dazu ein gleichnamiger Zeichentrickfilm, der den Vergleich mit den besten Produktionen von Walt Disney beileibe nicht zu scheuen braucht. Wer dieses liebenswürdige Zauberwerk noch nicht gesehen hat, genieße diese immer wieder hinreißende Einstimmung auf den Jahreswechsel nun – auf Deutsch – unter:  https://is.gd/Yk3EwK

Kindertheater „Die zwölf Monate“

Bleiben wir bei der Stimmung. Die ist zwar leider nach wie vor auf politischer Ebene nicht gerade wohltemperiert, schlägt aber der Städtepartnerschaft nicht merklich auf den Magen. Wieder gab es im ablaufenden Jahr zwischen Erlangen und Wladimir um die einhundert Begegnungen und Austauschmaßnahmen, wieder darf man sich über neue Höhepunkte freuen wie die Zusammenarbeit der Lehrstühle für Geschichte beider Universitäten oder die Gründung des Gesprächsforums „Prisma“, das übrigens Ende Januar in Erlangen seine Fortsetzung findet.

Aufführung des Stücks „Die zwölf Monate“ mit Deutsch-Dozentin Natalia Dumnowa im Hintergrund

Und bleiben wir beim Jahreswechsel: Da steht nämlich ab morgen ein Jubiläum an, 35 Jahre Städtepartnerschaft – mit einem Festprogramm über alle zwölf Monate hinweg. Aber davon dieser Tage dann mehr.

Weihnachtsbackkurs mit Lara Heinen, 5. v.l.

Janusköpfig wie diese Zeit zwischen den Jahren ist, blicken wir nach vorne wie zurück. Und im Rückblick gilt es vor allem all den vielen Ehrenamtlichen und gastgebenden Familien in beiden Städten zu danken, ohne die das so kunstvoll und eng gewobene Netz der Partnerschaft nicht gelingen würde. Dank an die Politik in Erlangen und Wladimir, die diesen Bürgerkontakten Rahmen, Struktur und Finanzen gewährleistet. Dank aber besonders an das Erlangen-Haus, das aus eigenen Mitteln und mit immer neuen Ideen nun schon seit 1995 als Kraftzentrum der Bürgerpartnerschaft fungiert.

Backen für die Zwergelklasse mit Lara Heinen

Danken möchte die Redaktion des Blogs nicht zuletzt den vielen interessierten Lesern für all die Sternchen, Zuschriften, Anregungen und vor allem für die eigenen Beiträge, die diese Internetplattform erst zu einem Medium des Austausches machen.

Schließlich bleibt noch, heute dem Mann zum Geburtstag zu gratulieren, ohne den es dieses Gesamtkunstwerk der Völkerverständigung gar nicht gäbe. Hätte nicht Dietmar Hahlweg vor 35 Jahren als Oberbürgermeister sich und seinem Erlangen ebenso beherzt wie vorausschauend gesagt: „Kommt, laßt es uns wagen, die Aussöhnung mit den Russen zu suchen und mit Wladimir eine Partnerschaft einzugehen!“ – nichts von all dem Schönen, das wir heute gemeinsam gestalten, wäre je möglich geworden. Dafür DANKE und noch viele, gesunde Jahre für den Jubilar.

Lara Heinen mit drei Weihnachtsengeln

Schnitt: Vorgestern suchte der Erste Kanal des Russischen Staatsfernsehens die „Stimme des Jahres“. Timofej Kopylow aus Wladimir hatte sich mit immer wieder neuen Titeln im Sturm durch alle Vorentscheidungen bis hinauf ins Finale gesungen und landete nun mit seiner Interpretation des Rock-Klassikers „Highway to Hell“, nein, nicht wieder ganz unten im Hades, sondern weit oben im Pop-Olymp auf dem zweiten Platz. Klar, die Wladimirer hätten ihren Kandidaten gern auf dem Thron gesehen, aber auch so ist und bleibt er bisher der einzige aus der Partnerstadt, der es bei dem landesweiten Wettbewerb so weit gebracht hat. Gratulation! Und hier geht es auf dem Umweg über die Hölle mit den besten Wünschen ins Neue Jahr: https://is.gd/lp37UR

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Da sage noch jemand, zwischen den Jahren und Festen ereigne sich kaum etwas, der Berichterstattung wert. Für die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir gilt das jedenfalls nicht. Ein HURRA erscholl da nämlich gestern in der Redaktion des Blogs, als folgende Eilmeldung vom Leiter des Lehrstuhls für Philosophie und Religionswissenschaft, Jewgenij Arinin, einging:

Die Universität Wladimir erhält seitens der „Russischen Stiftung für Grundlagenforschung“ auf den Zeitraum von drei Jahren (2018 bis 2020) die Förderungszusage zum Thema „Philosophische Religionswissenschaft als globales Projekt: deutsche und russische Jugendliche im Dialog über Religion“.

Jelena Woronzowa, Julia Matuschanskaja, Ojuna Dorschiguschajewa, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Wadim Schdanow

Doppelt erfreulich: Als Forschungsgegenstand der Studie dienen die Begegnungen der Katholischen Jugend Erlangens mit Gleichaltrigen aus Wladimir – unter Einbeziehung der Universität, der Rosenkranzgemeinde und der orthodoxen Erzdiözese, begleitet und koordiniert auf deutscher Seite von Jutta Schnabel und Sabrina Pfau mit ihrem Team aus Ehrenamtlichen. Bei aller Freude sollte nicht vergessen werden, daß die entscheidenden Weichen für diesen in der Art bundesweit einzigartigen interkonfessionellen Austausch jemand gestellt hat, dessen ersten Todestag wird bald begehen müssen: Rolf Bernard. Sein gutes Werk erfährt nun die Weihen der Wissenschaft; den Segen von ganz oben genießt sein Wirken mit all den angenehmen Nachwirkungen ja schon von Beginn an. Ein neuer Anfang ist nun gemacht, frisch also, mutig ans Werk!

Siehe auch: https://is.gd/A1rrtg

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Gedichte sind wie Wein. Sie wollen reifen. Deshalb auch erst heute im Blog die Verse von Andrej Filinow, Intendant des Staatlichen TV-Senders Wladimir, die nach einer Deutschlandreise Ende September entstanden und im Oktober nach Erlangen gelangten.

Andrej Filinow

Köln

Der Himmel ist auch hier gerade, / nur was in Köln so schlimm erscheint: / Der Häuserhaufen unter Schwaden, / durchsticht mit Nadeln ihn vereint.

Blick höher drum als Türme bieten: / Gleich wachsen, dort hinaufgeträumt, / empor die Gotikstalagmiten -, / Gewitterwasser strömt und schäumt.

Der Himmel wird nicht grundlos blaß, / der Rhein fließt weiter ohne Eile, / auf Hohenzollern ist Verlaß, / behelmter Brückenschutz mit Weile.

Doch unsre Zeit, wie stets, vergeht, / verläßt uns, ohne umzukehren, / und nur des Wassers Duft besteht / und kann in Köln sich siegreich wehren.

 

Rüdesheim

Gleich, wie viel von dieser Luft wir atmen, / unsren Lungen ist es nie genug. / Zu den Traubenhängen eingeladen, / schippern wir den Rhein entlang im Zug.

Weite Wege braucht man hier nicht gehen, / wenn man auf den Wellen sich bewegt. / Pfefferkuchenhäuschen gibt’s zu sehen, / hier im Rheingau sich das Leben regt.

Auf den Hügeln Spielzeugtürme ranken, / für das Auge eine Schwelgerei, / Burgen, wo die Fürsten gerne tranken / zum Gewisperspuk der Loreley.

Jeder Atemzug läßt dich verstehen, / was der Rausch der Trauben mit uns macht. / Nicht umsonst ließ Goethe sich hier sehen, / hat den goldnen Herbst hier zugebracht.

Und im Schäumen all der Menschenstimmen / öffnet sich dir plötzlich hier ein Land, / frei von tönernem Koloßgeklingel, / nur mit einem Weinglas in der Hand.

 

Cochem

Oh, ging’s durch die Gruppe raunend, / einfach hin und weg, / zogen wir durch Cochem staunend, / welch ein schöner Fleck.

Ob nun Rosen, ob Mimosen, / alles war erblüht: / Unterwegs entlang der Mosel / wirkte nichts bemüht.

Wie in Cochem ist das Leben, / dafür gibt’s kein Wort! / Ewig schon scheint hier der Reben / und der Gnade Ort.

Hinter Fensterchen und Türen / hört man keinen Krach. / Wege durch das Fachwerk führen / unterm Schindeldach.

All die Türmchen, all die Spitzen / sehen wir so gern. / Gerne blieben wir hier sitzen, / wo die Hast so fern.

Blieben in der Burg hier wohnen, / Hand am Schwert und Beil. / So kann sich das Leben lohnen, / so wär’s richtig geil!

aus dem Russischen von Peter Steger

Um noch kurz zu postludieren: Nichts gegen Rhein und Mosel, aber Andrej Filinow, dessen Sender schon viel über die Partnerschaft berichtet hat, sollte demnächst einmal nach Franken kommen und einen Zyklus über seine lyrischen Eindrücke von der Partnerstadt Erlangen an der Regnitz verfassen.

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Am 21. Dezember organisierten wir in den Räumen des „Informationszentrums für Atomenergie Wladimir“ ein Neujahrsfest für die Kinder und Jugendlichen des Zentrums „Insel der Pflege“. Dort feierten wir gemeinsam mit den Aktivisten vom Euroklub und den Mitarbeitern des Informationszentrums, die unsere Jugendorganisation auch in diesem Jahr wieder bei der Vorbereitung unterstützt haben.

Mathilda Wenzel

Als Ehrengäste waren Väterchen Frost und das Schneemädchen, sowie ihr deutscher Kollege, der Weihnachtsmann, geladen. Diesen spielte unser neuer Freiwilliger, Frederick Marthol aus der Partnerstadt Erlangen, der über die Neujahrsfeier folgendes sagt:

Frederick Marthol als Weihnachtsmann

Diese Art und Weise, Neujahr zu feiern, hat mir sehr gut gefallen, ich könnte mir vorstellen davon etwas auch zu Hause in Deutschland anzubringen. Das Schönste waren aber die glücklichen Kinder, ich denke die Spiele und das Programm haben ihnen wirklich Spaß gemacht.

Frederick arbeitet zusammen mit mir, Mathilda Wenzel aus Saalfeld. Ich bin hier schon seit August als Freiwillige im Einsatz.


Zu Beginn moderierten die Mitarbeiter des Zentrums für die Kinder und Jugendlichen ein Spiel, bei welchem sie im Team möglichst schnell verschiedenen Fragen zu Silvestertraditionen zu beantworten hatten. Danach luden uns die Weihnachtsmänner und ihre Helfer zu Spiel und Tanz in den großen Raum ein. Neben dem Schneeflockentanz und Neujahrsgedichten wurde auch das deutsche Spiel „Wurstschnappen“ in einer abgewandelten Variante – mit Keksen – gespielt, bei dem die Kinder in zwei Teams Kekse, die auf einer Schnur aufgefädelt sind, möglichst schnell abessen müssen.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Hände nicht zur Hilfe nehmen zu dürfen. Am Ende, wie es sich für eine Neujahrs- oder Weihnachtsfeier gehört, verteilten Väterchen Frost und der Weihnachtsmann gemeinsam die Geschenke. Die hatten sich die Kinder nach dem Aufsagen von Gedichten und dem Nachweis ihres umfangreichen Wissens über Silvestertraditionen, auch redlich verdient.

Die Geschenke waren vorab im Rahmen der Aktion „Ein Geschenk für Kinder“ gesammelt worden, wobei sich Schüler der Wladimirer Schulen und Gymnasien als besonders aktiv hervortaten. Dafür an dieser Stelle noch einmal Danke. Alles in allem blicken wir auf ein schönes Fest zurück, das sich in den nächsten Jahren hoffentlich wiederholen lassen wird.

Mathilda Wenzel

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Verbrechern sagt man nach, sie suchten früher oder später ihren Tatort wieder auf, ihnen gleich tun es offenbar auch bisweilen Gefängnisinsassen, besonders dann, wenn sie aus politischen Gründen inhaftiert waren, wie Nathan Schtscharanskij, der wegen antisowjetischer Umtriebe und Spionage 1978 seinen achtjährigen Marsch durch die Strafanstalten der UdSSR in Wladimir begann. Nun kam der einstige Dissident der Sowjetunion und spätere Politiker des Staates Israel als Privatmann zurück, um mit einem israelischen TV-Team eine Dokumentation über seine Vergangenheit in einem untergegangenen Staat zu drehen. Der Regimegegner zählte zu den Gründern der Menschenrechtsbewegung und der Helsinki-Gruppe, wofür er als „Vaterlandsverräter“ 1978 zu dreizehn Jahren Haft verurteilt wurde, von denen er das erste halbe Jahr im Wladimirer Zentralgefängnis absaß. Internationaler Druck erst bewirkte 1986 die Freilassung und Ausweisung, der darauf in Israel eine Partei der ehemaligen Sowjetbürger gründete und später verschiedene Ministerämter in der Regierung bekleidete.

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In seinem politischen Ruhestand ist Nathan Schtscharanskij heute ehrenamtlich als Vorsitzender der Agentur „Sochnut“ tätig, die gewissermaßen als bürgerschaftliches Außenministerium Kontakte zwischen Israel und jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt unterhält.

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Der hohe Gast bekam den Trakt Nr. 2 mit dem Hof, dem Karzer und der Zelle zu sehen, wo er eingesperrt war, aber man zeigte ihm auch den renovierten Teil, wo mittlerweile europäische Standards für die Inhaftierten gelten.

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Besonders gefiel es dem Besucher aber im Museum, wo auch seine eigene Akte einzusehen ist. Wie sehr Nathan Schtscharanskij beeindruckt war, kann man herauslesen aus dem, was er im Gästebuch zum Abschied schrieb:
Ich bin all jenen dankbar, die das Gedenken an diesen einzigartigen Ort bewahren. Die ganze Geschichte des Landes ist hier versammelt, aber auch die Hoffnung auf die Zukunft findet sich hier. Es war für mich hochinteressant und bewegend, meine Vergangenheit zu besuchen. Ich habe hier viel gelernt: Wie man Verbindung zu anderen Häftlingen hält, wie man einander den Rücken stärkt und sich gegenseitig ermuntert, wie man standfest bleibt und die Hoffnung nicht aufgibt. Nochmals danke!

Quelle: https://zebra-tv.ru/novosti/jizn/izrailityanin-v-tsentrale/

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Es war einmal in Schwabach, wo sich Iwan Sfortunatow, unser notorisch erfolgloser Anzeigenwerber des Blogs, kurz vor Weihnachten auf der desolaten Suche nach zahlungskräftiger Kundschaft in einen Geflügelmastbetrieb verirrte und sich dort – statt einen Auftrag mitzubringen – eine vorgeblich goldgefiederte Gans aufschwatzen ließ – gegen den gesamten Inhalt seiner Handkasse. Ganz aufgekratzt kam er mit dem schnatternden Federvieh auf dem Arm und meinte voll aufrichtiger Zuversicht, wir bräuchten nun nur noch auf die Mauser zu warten, um endlich unser Glück zu machen und in ein großzügig ausgestattetes Studio auf dem Burgberg ziehen und den Korrespondenten anständige Honorare zahlen zu können. „Alles schön und gut“, gurrte da unser Ornithologe, Platon Papagenow, „aber als amphib lebender Vogel braucht das Tier erst einmal ein Bad. Und daß mir nur ja niemand auf die Idee kommt, den anseris aequabis bei lebendigem Leib zu rupfen!“ Und so setzten wir denn die güldene Gans über Nacht in die Wanne und träumten in freudiger Erwartung den Dingen entgegen, die da kommen sollten. Wie groß war da die Enttäuschung, als wir Konrad – so hatten wir den Gast auf Vorschlag von Dementij Duschegub, unseres Fachmanns für Verhaltenspsychologie, genannt – am anderen Morgen friedlich schlummernd im Wäschekorb fanden, das Federkleid weiß wie unberührter Schnee, das Wasser ockerfarben getrübt… Zur schmerzlichen Betrübnis von Iwan Sfortunatow, sehr zum Verdruß von uns allen. Am schnellsten fing sich unser Chefredakteur, der beleibte Stanislaw Schirkin, der ausrief: „Dann wandert Konrad eben als Weihnachtsgans in die Röhre“, und die ehrenamtliche Küchenhilfe, Matrjona Powaricha, anwies, alle dafür notwendigen Vorkehrungen zu treffen, ohne auf das Lamentieren der lammfrommen Vegetarier und Peta-Mitglieder zu hören. Bis dahin sollten wir uns alle wieder an unsere Arbeit machen. Als wir aber gerade den ersten Schub der Inspiration in uns aufsteigen fühlten, erfüllte ein durchdringender Schrei die Redaktionsstuben: „Konrad ist weg!“ – „Wie weg?! Tür und Fenster des Badezimmers waren doch zu“, wunderten wir uns unisono. Auch spätere Recherchen unserer Investigativ-Blogger vermochten die Umstände nicht lückenlos zu klären. Nur eines scheint klar: Konrad gelangte im Wäschekorb auf den Balkon. Ob zufällig durch die halb erblindete Marfa Tschistoljubowa, unsere Haushälterin, zum Aufhängen nach draußen geschafft, oder als Kontrabanda unter dem Kaftan eines Fleischkostverächters in die Freiheit entlassen, bleibt wohl für immer offen. Nicht einmal das Eichhörnchen Belkin oder der Eichelhäher Sojka, denen im Garten nichts entging, vermochten Auskunft zu geben, und ein Bekennerschreiben ging bis dato bei der Redaktion nicht ein.

Nach der pekuniären Pleite wäre Weihnachten also auch kulinarisch zu einem Fiasko geworden, hätte da nicht unser Kreativ-Chef und Hobbykoch, Polikarp Appetitow, mit einer köstlichen Idee aufgewartet, der sie den Namen „Entfleuchte Gans“ gab. Die Feinschmecker der Redaktion raten denn auch, nicht lange zu warten, sondern dem Verlegenheitsrezept zu folgen:

Traditionell verwendet man ja in der russischen Küche gern Geflügel, gefüllt mit gekochtem Buchweizen und Bratäpfeln. Sind Gans oder Huhn aber – auf welchem Wege auch immer – abhandengekommen, geht man vor, wie folgt: Man koche 200 g Buchweizen, teile zwei Fenchelknollen in sechs Stücke mit einem Rest vom Strunk, erhitze in einer tiefen Pfanne Olivenöl und brate die Fenchelteile von beiden Seiten goldfarben an, gebe sie dann in eine Backform und schneide zwei Äpfel – ohne Kernhaus, aber mit Schale – in etwa zehn, zwei Zentimeter dünne Schnitze, die zusammen mit einer Handvoll Moosbeeren und einem „Schluck“ Wasser zum Fenchel kommen, der nun bei einer Temperatur von 180° C auf dem mittleren Fach für zwölf Minuten in den Ofen wandert. In der Zwischenzeit bereitet man die Sauce aus dem Saft – mit Fruchtfleisch! – von zwei frischgepreßten Orangen zu, denen ein Esslöffel flüssigen Honigs, eineinhalb Esslöffel Senf, zwei Esslöffel Olivenöl sowie etwas Salz und Pfeffer zugesetzt werden. Umrühren – fertig und die Fenchelstücke und Apfelschnitze mit der Sauce übergießen, bevor die „entfleuchte Gans“ weitere sieben bis zehn Minuten bei 180° C im Backrohr gart und dann mit dem Buchweizen serviert wird. Empfohlen von den Leckermäulern des Blogs nicht nur zur Weihnachtszeit!

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Wer in Wladimirs bester Lage mit Blick auf die weiten Kljasma-Auen und die schier unendlich hingebreiteten Wälder nächtigen will, kennt das Hotel, wer die russische Küche, meisterhaft zubereitet, in apart-geschmackvoller Atmosphäre genießen möchte, schätzt das Restaurant in der „Wosnesenkaja Sloboda“ – https://vsloboda.ru -, das führende Haus am Platz, gegründet und geführt von Anna Schukowa. Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann, war hier vor viereinhalb Jahren zu Gast, zuvor schon hatte Professor Heinz Gerhäuser hier Quartier bezogen, erst im November gaben sich Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg, und Erlangens Wirtschaftsreferent, Konrad Beugel, hier die Ehre, und kaum eine offizielle Delegation aus Wladimirs Partnerstadt, die nicht hier bewirtet würde. So viel sie schon in ganz Europa und natürlich auch Deutschland auf der Suche nach guten Weinen oder kulinarischen Anregungen unterwegs war, nach Erlangen hatte es die Mutter von vier Söhnen noch nie geschafft.

Willkommen, Anna Schukowa!

Nun also endlich von Donnerstag bis zum Heiligen Abend die Premiere, die – das darf man jetzt schon sagen, ohne zu viel zu verraten – bei aller Kürze der Zeit den vielversprechenden Auftakt zu einer „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft macht. Anna Schukowa firmiert nicht nur als Besitzerin und Geschäftsführerin der „Wosnesenskaja Sloboda“, sie leitet auch ein weiteres Feinschmecker-Restaurant in Susdal und sitzt dem Hotel- und Gaststättenverband der Region Wladimir vor. Gerade erst ist aus ihrer Feder das Buch „Ein Fest nach Rezept – Ihre Lieblingsspeisen von Köchen des Goldenen Rings“ in einer Auflage von 4.000 Exemplaren im Moskauer Verlag „Э“, ISBN 978-5-699-97473-3, erschienen.

Klaus Kobjoll mit Tochter Nicole und Anna Schukowa

Viel zu besprechen gab es da denn auch im „Schindlerhof“ zu Boxdorf, dessen Gründer, Klaus Kobjoll, dank seinen zahlreichen Publikationen auf Russisch und all den von ihm abgehaltenen Seminaren von Moskau über Nischnij Nowgorod bis Irkutsk natürlich schon lange auch Anna Schukowa als Leitstern gilt. Noch gibt es nur handschriftliche Notizen zu den Gesprächen, der Entwurf einer Rezeptur der Zusammenarbeit bleibt noch unter Verschluß, aber das Päckchen unter dem Christbaum der Partnerschaft verspricht allen Gourmets der deutsch-russischen Küche für das kommende Jahr viele köstliche Überraschungen. Es ist angerichtet!

Roadhouse Blues aus der Jukebox von Klaus Kobjoll

Anna Schukowa, gelernte Köchin mit einem Studienabschluß der Betriebswirtschaft in Moskau und einem Diplom der „Akademie für Tourismus“ in Wladimir, genießt übrigens bei aller Liebe zur Raffinesse und ihrem „kulinarischen Gen“ die bodenständige Küche, tradiert von Mutter und Großmutter noch aus der Kinderzeit in Orenburg, südlich des Urals, wo es keine Fertiggerichte gab, die bei der Hausfrau aus Passion übrigens bis heute nicht in den Topf kommen.

Guten Appetit, Anna Schukowa!

Ein weiteres Prinzip der Besucherin: Alles essen, gern auch Butter, Sahne, Fett, alles, was schmeckt. Nur eben in Maßen. „Vom Guten nur wenig“, wie das russische Sprichwort sagt. Das gilt auch für die Bratwurst, von der eine im Weckla zum genußvollen Mittagessen vollauf genügt. Bei der Diät versagt man sich keine Freude, ohne die Figur aus der Form geraten zu lassen.

Anna Schukowa und Benjamin Förtsch

Viel Wert legt Anna Schukowa, die mit ihrem Team schon den Titel „Chef a la Russe“ gewonnen hat, auf Nachhaltigkeit bei den Lebensmitteln, ihre Lieferanten kennt sie persönlich; weniger hatte sie bisher dieses Thema beim Betrieb ihres 22-Zimmer-Hotels im Auge. Doch da will sie nun vom Kreativ-Hotel „Luise“ lernen, dem Flaggschiff für ökologisches Wirtschaften in Erlangen: Einsparen von Müll und Energie, Einbeziehung von Natur in das Gastgewerbe, Verwendung von biologisch unbedenklichen und wiederverwertbaren Materialien, aber auch ein sozialer Umgang mit dem Personal, von der persönlichen Betreuung der Kunden ganz zu schweigen.

Frohe Weihnachten: Oberbürgermeister Florian Janik und Anna Schukowa

Erst zum Ausklang der Waldweihnacht dann findet Anna Schukowa Zeit, die Partnerstadt zu erkunden, die ihr ältester Sohn bereits mit der Schwimmschule und ihr Mann auf Geschäftsreise besucht haben, und trifft prompt auf einen verblüfften Oberbürgermeister, der zwar weiß, wie intensiv die Kontakte sind, sich dann aber doch wundert: „Sogar über die Feiertage noch Besuch aus Wladimir hier?“

Erlanger Waldweihnacht: Innenminister Joachim Herrmann, Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, Anna Schukowa und Peter Steger

Und Anna Schukowa, wie schafft sie das alles? Im Vorwort zu ihrem Buch versucht sie eine ehrliche Antwort:

Wie ich das alles schaffe, weiß ich selbst nicht. Ich lebe einfach, arbeite, beschäftige mich mit den Kindern und im Haushalt, kümmere mich um meinen Mann, tue, was ich gerne tue und was mir besonderes Vergnügen bereitet – kochen.

Anna Schukowa 8

Weihnachtsbaum „Jolka“, gebastelt von Anna Schukowa

Aber das ist natürlich längst nicht alles: Die Frau des guten Geschmacks bastelt auch noch gern für Freunde, besonders zu Weihnachten. Sie selbst ist gestern wieder nach Wladimir abgereist, aber ihr süßer Gruß bleibt zurück – und das Versprechen, bald, im Frühling, wiederzukommen mit dem deutsch-russischen Rezept für die „Nouvelle Cuisine“ der Partnerschaft.

Bis dahin tröste uns der Roadhouse Blues von den Doors aus der Jukebox von Klaus Kobjoll: https://is.gd/Ff4LiC

 

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