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Archive for 14. November 2017


Der Besucher aus Wladimir, der unlängst meinte, es gebe eine Reihe von Wörtern, die man nicht in Fremdsprachen übersetzen könne, hat wohl recht. Zum Beweis seiner These führte er den Begriff „подстаканник“ an, der sich etwas umständlich mit „Glasuntersetzer“ verdeutschen ließe. Aber versteht man so, was der Gegenstand darstellt? Wohl kaum. „Wikipedia“ transliteriert denn auch einfach aus dem kyrillischen ins lateinische Alphabet und schafft in der Not mit „Podstakannik“ einen Terminus technicus, vergleichbar mit „Perestrojka“.

Gleichviel, wer schon einmal mit der russischen Eisenbahn durchs weite Land gefahren ist, kennt diese Glashalter aus einer Nickel-Kupfer-Zink-Legierung, in der Erste-Klasse-Ausführung auch versilbert oder vergoldet, die nicht nur ein sicheres Abstellen des obligatorisch gereichten Tees ermöglichen, sondern auch die Finger vor Verbrennungen der unterschiedlichsten Grade bewahren. Hergestellt werden diese ornamental-praktischen Utensilien in der Region Wladimir, in Koltschugino, etwa 80 km nordwestlich von der Partnerstadt gelegen und in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts vom Moskauer Kaufmann, Alexander Koltschugin, als Siedlung für die Arbeiter seiner Haushaltswarenwerke gegründet.

An diese Tradition knüpft nun etwa die Firma „Koltschugmelchior“ an, die ein breites Angebot dieser nützlichen Kunstwerke im Sortiment führt. Freilich hat auch hier längst die Hochtechnologie Einzug gehalten, die Verzierungen graviert heute der Laser, nicht Menschenhand. Und zum Einkaufen braucht man nicht unbedingt über Land zu fahren, es genügen ein paar Klicks hier auf dieser Seite:  http://kolchugino-melhior.ru/podstakanniki, der freilich noch ein englisches Menu fehlt, ebenso wie ein eigenes Wort, denn auch in der Weltsprache gibt „Wikipedia“ den „подстаканник“ mit „Podstakannik“ wieder. Wie gesagt, der Besucher aus Wladimir hat wohl recht.

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