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Archive for 10. November 2017


Da der Blog keinen Redaktionsschluß kennt, sind auch Beiträge stets willkommen, die erst einige Zeit der Lagerung und Reifung benötigen. Daher heute Betrachtungen über Möglichkeiten der Anreise nach Wladimir von Moskau aus, niedergeschrieben schon vor etlichen Monaten von Jonas Eberlein, also einem, der bereits als Schüler des Ohm-Gymnasiums auszog, um die Partnerstadt kennenzulernen und dort seit seiner Tätigkeit für den Deutschen Akademischen Austauschdienst immer wieder ein wohlgelittener Gast ist.

Obgleich es eine Fahrt ist, die nur so lange dauert, wie ein ausgedehntes Mittagessen mit einem guten Freund, nehme ich selten den Zug gen Osten nach Wladimir, in die weiße Stadt an der Kljasma. Oft schon habe ich die Partnerstadt Erlangens besucht, – aber niemals war ich mit dem Fahrrad dort gewesen.

Jonas Eberlein, Gertrud Härer, Manuel und Fredi Schmitt; nur das Tandem durfte nicht mit…

Den schaurigen Wettervorhersagen zum Trotz strahlt immer noch die Sonne, als ich bereits zum zweiten Mal heute mit meinem Köfferchen in die Trambahn steige, um zum Bahnhof zu fahren. Dieser leuchtende Apriltag wäre die Gelegenheit für eine ausgedehnte Radtour gewesen. Zwei Tage würde es dauern, wenn man nicht die M7 nähme, die wie alle „Automagistralen“ im weiten Land für Radfahrer verboten ist. Zwei Wege bietet ein Blick auf die Karte: südlicher durch das Torfgebiet von Sсhatura, oder über Kirschatsch und Koltschugino, nördlich der Magistrale.

Jonas Eberlein, Susanne Lender-Cassens und Gertrud Härer in Susdal – ohne Tandem

Rückenwind wäre heute gewesen, denke ich, als mich eine Stimme zurück in den Wartesaal reißt: „Wären Sie ein paar Minuten früher gekommen“, sagt der Administrator und liest mir die nächsten Abfahrtszeiten vor, die ich auf meinem Smartphone so oft gescannt hatte, als ich in der Schlange wartete, daß ich sie ihm beinahe auswendig aufsagen konnte. „Vor ein paar Minuten“, verkneife ich mir zu kommentieren, „ließ sich eine betagte Dame bezüglich ihrer Reise nach Minsk beraten.“ – „In drei Wochen, junger Mann“, hatte sie zu demselben Herrn gesagt, der nun vor mir steht. Durch eine riesige Glasscheibe ist er abgetrennt von der hektischen Welt. Und in den nächsten Feiertagen wollte ein Herr nach Jekaterinburg reisen, erkundigte sich daher höflich nach unteren Liegeplätzen im Nachtzug: „Aber in Waggon Nr. 3 vielleicht? Sehen Sie doch bitte noch einmal nach, ja?“ Der multilinguale Automat, der gegenüber den Kassenfenstern in der Wartehalle lauert und dessen rot gestrichener Blechkollege heute sowieso nicht arbeitete, wollte partout keine Tickets mehr für den frühen Zug verkaufen. Drei Mal hatte ich es in gründlicher Eile versucht.

Jonas Eberlein mit Peter Steger zum Aufwärmen auf dem Tandem in Wladimir vor dem Halbmarathon im September

„Für den Nachmittagszug also, junger Mann?“, fragt mich der Administrator. „Für den Nachmittagszug also“, gebe ich zu. „Kasse 16“, sagt der Administrator und nimmt meinen Reisepaß an sich, um mir ein Ticket ausstellen zu lassen. Ich hätte wirklich mit dem Fahrrad fahren sollen.

Jonas Eberlein – aus dem April 2017

Photos: Othmar Wiesenegger

Jonas Eberlein und Doris Härer vor dem Lauf

Regelmäßige Blogleser wissen es längst: Jonas Eberlein, Erlangens „Botschafter“ in Moskau, war mittlerweile mit dem Rad, sogar per Tandem, in Wladimir, zusammen mit Gertrud Härer, und wird hoffentlich noch die eine oder andere Anekdote dieser Reise nachliefern, zu der es den immer wieder lesenswerten Blog gibt: https://gertrud.haerer.org

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