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Archive for 6. November 2017


Die Wladimirer Jugendorganisation „Euroklub“, eng im Austausch mit Erlangen sowie Jena verbunden, betätigt sich seit einigen Wochen nun auch mit Migrationsfragen – und zwar ganz konkret mit Beratungs- und Gesprächsangeboten. Ein Grund zur Freude für Jelena Guskowa, Leiterin des Verbands, die in einer Zuschrift die Leser des Blogs an ihrer Begeisterung teilhaben lassen will:

Endlich ist es gelungen, Freiwillige für diese Arbeit mit Arbeitsmigranten zu gewinnen! Endlich haben wir gelernt, den Nutzen des interkulturellen Dialogs zu sehen. Ich denke, wenn das Projekt so erfolgreich fortgesetzt wird, wie es begonnen hat, könnte es zu einem Durchbruch im Bewußtsein der Wladimirer Stadtgesellschaft führen, einen Beitrag zu Toleranz und Solidarität leisten. Eine große Leistung des „Euroklubs“!

Interviews mit Arbeitsmigranten

Nikolaj Kaplenko erklärt als Projektleiter in einer Zusammenfassung, es gehe den jungen Leuten um die Überwindung von Stereotypen und Vorurteilen auf beiden Seiten. Die einheimische Bevölkerung sehe in den Gastarbeitern oft nur ungebildete Menschen, die in Waggons hausen, nur niedrige Tätigkeiten verrichten und mit denen man sich nicht näher einlassen sollte. Die meist aus den zentralasiatischen Republiken stammenden Migranten stehen ihrerseits häufig den Russen mißtrauisch gegenüber, fürchten, man wolle sie übers Ohr hauen und ihnen die sauer verdienten Rubel wieder abnehmen, die sie an ihre daheim gebliebenen Familien schicken wollen. Sobald sie sich freilich von den guten Absichten der Jugendlichen überzeugten, die auch die Moschee besuchten und mit islamischen Geistlichen sprachen, gingen die Usbeken, Tadschiken, Kasachen und Turkmenen richtig aus sich heraus, erzählten gern von ihren Lebensumständen, – auch davon, wie es ihnen in der Region Wladimir gefalle. Arbeit finden sie – bei Vorlage der Erlaubnis, die an einen erfolgreichen Sprachtest gebunden ist – in allen möglichen Bereichen, von der Landwirtschaft über die Gastronomie bis hin zum Bausektor und verarbeitenden Gewerbe. Aber immer nur auf Zeit, denn ausnahmslos alle leiden an Heimweh, wollen so schnell wie möglich mit ihrem Lohn wieder zurück zu ihren Familien.

Nikolaj Kaplenko (links im Bild) mit seiner Jugendgruppe beim Empfang im Mai 2016 mit Stadtrat Christian Lehrmann

Abschließend meint Nikolaj Kaplenko:

Wir fürchten oft das, was wir nicht kennen. Doch sobald wir unbekannte Menschen näher kennenlernen, wird klar, daß sie und wir gar nicht so anders sind.

Eine Erkenntnis, die der junge Mann schon im Vorjahr bei seinem ersten Besuch in Erlangen hatte. Nun will er diese noch weiter vertiefen, wenn er demnächst in Jena als Freiwilliger bei der „Euro-Werkstatt“ mitarbeitet und sicher auch wieder einmal in Erlangen vorbeischaut.

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