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Archive for 4. November 2017


Klar, im Austausch zwischen den Partnerstädten, wird nahezu täglich Geschichte geschrieben, gerichtet auf Verständigung und Miteinander über alle Grenzen hinweg. Aber es gibt doch nur selten Momente wie diesen, als bei der gestrigen Gala zum sechzigjährigen Jubiläum des Tanz- und Folklore-Ensembles „Ihna“ die vier Choreographen der Freundschaft zusammentrafen, ohne die der festliche Abend nicht hätte stattfinden können, ohne deren unschätzbaren Beitrag es die Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir, wie wir sie kennen und pflegen, gar nicht gäbe.

Eike Haenel, Nina Peschkowskaja, Dietmar Hahlweg und Nikolaj Litwinow

Eike Haenel gehörte vor sechs Jahrzehnten zur ersten Besetzung der von seinen Eltern gegründeten Jugendgruppe, die sich den Tanztraditionen aus Pommern widmete, gründete schon vier Jahre später sein eigenes Ensemble „Ihna“ und reiste mit diesem 1977 als erster Botschafter der Kultur und Aussöhnung nach Polen, bevor der heutige Ehrenvorsitzende seiner Truppe 1984 als Mitglied der ersten Delegation des Stadtjugendrings nach Wladimir kam, wo er in Nina Peschkowskaja und ihrem Kollektiv „Wladimirez“ fand, wonach er immer gesucht hatte. Nach zahllosen künstlerischen Begegnungen, gemeinsamen Auftritten und Tourneen wurde Nina Peschkowskaja zu ihrem 80. Geburtstag am 20. April 2014 zum Ehrenmitglied der „Ihna“ ernannt, und nun gab sie ihren deutschen Freunden die Ehre.

Wladimirez auf der Bühne

Altoberbürgermeister Dietmar Hahlweg, Schirmherr und Laudator des Festakts in der Franconian International School, hatte damals Eike Haenel ausdrücklich ermuntert, seine kommunale Ostpolitik der Annäherung kulturell zu unterstützen. Er, der Begründer der Städtepartnerschaft, war es auch, der im Juni 1987 nach dem ersten Auftritt des Staatlichen Tanz- und Gesangsensembles „Rus“ den damaligen künstlerischen Direktor, Michail Firsow, und den Leiter des Orchesters, Nikolaj Litwinow, einlud, möglichst bald wiederzukommen. Möglich machte das wiederum Eike Haenel, indem er „Rus“ an die Konzertdirektion Schlote in Salzburg vermittelte und im Frühjahr 1989 die erste Deutschlandtournee für die Wladimirer organisierte. Was dieses Quartett noch zu Zeiten des Kalten Krieges an Bahnbrechendem zuwege gebracht hat, fordert heute nicht nur Dankbarkeit und Demut, sondern schenkt auch fortwährende Freude über die Früchte seiner Arbeit und verleiht zuversichtliche Kraft zur Überwindung gegenwärtiger und zukünftiger Fährnisse der Freundschaft. Und so durfte man denn das Geburtstagfest – großartig ausgerichtet unter der Regie von Eike Haenels Nachfolgerin, Silvia Jäger – ebenso als eine Verneigung vor den Choreographen der Freundschaft wie als Versprechen verstehen, auch die nächsten 60 Jahre in deren Geist zu gestalten.

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