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Archive for November 2017


Vom 15. bis 19. November fand in Pskow ein Symposium zum Thema  „Ambulante Pflegedienste für Menschen mit geistigen Behinderungen in der Kommune“ statt, veranstaltet unter Federführung von Bernd Schleberger in Zusammenarbeit mit der gastgebenden, überregional tätigen karitativen Organisation „Gleiche Chancen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit geistigen und körperlichen Behinderungen“ und dem „Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften“, Berlin.

Festung Pskow

Das Treffen verstand sich als Fortsetzung der Begegnungen vor fünf Jahren – der Blog berichtete seinerzeit (s.  https://is.gd/GTmhuw) darüber – und diente dem Erfahrungsaustausch sowie der weiteren Planung der Zusammenarbeit zwischen deutsch-russischen Partnerstädten bei der Schaffung von Betreuungsdiensten und ambulanten Pflege-Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen auf kommunaler Ebene in der Trägerschaft von Nicht-Regierungs-Organisationen.

Festung Pskow

Erlangen war mit Fachleuten aus den Bereichen Ambulant Betreutes Wohnen und Pflege für Menschen mit geistigen, körperlichen und psychischen Einschränkungen vertreten durch Jürgen Ganzmann und Arina Alstrud (WAB Kosbach) und Thomas Neumann (Lebenshilfe ), aus Wladimir war Jurij Katz gekommen, Gründer der Selbsthilfegruppe „Swet“.

In großer Runde mit Bernd Schleberger und Jürgen Ganzmann

In Pskow trafen nicht nur sehr unterschiedliche Teilnehmer aus weit entfernten Regionen zusammen. Auch zwischen staatlicher Administration und Nicht-Regierungs-Organisationen wurden zu Beginn unterschiedliche Positionen deutlich.

Jürgen Ganzmann in den Werkstätten

Das ließen schon allein die räumlichen Entfernungen vermuten, war doch die Delegation aus Irkutsk über mehr als 7.000 km angereist, 2.000 km waren aus dem Süden des Landes, von Machatschkala im Kaukasus aus, zurückzulegen. Die deutschen Städtepartner hatten ihrerseits gute 2.000 km hinter sich: Neben den Paaren Neuss – Pskow und Erlangen – Wladimir waren auch Pforzheim, Essen, Kiel, Oldenburg und Berlin vertreten, um mit ihrem Gegenüber aus Irkutsk, Nischnij Nowgorod, Kaliningrad, Machatschkala und Moskau zusammenzutreffen.

In kleiner Runde: Jürgen Ganzmann, Arina Alstrud, Thomas Neumann und Jurij Katz

In den drei Tagen entstand nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine gemeinsame Fachsprache zu finden, ein reger Austausch. Wie kann den Herausforderungen der Behindertenhilfe unter regional sehr unterschiedlichen Bedingungen begegnet werden. Dazu waren unterschiedliche Blickwinkel nötig.  Zum Beispiel versorgt die Region Irkutsk ca. zwei Millionen Einwohner auf der doppelten Fläche Deutschlands. Aber auch Moskau hat ganz andere Voraussetzungen als Berlin. Eines verbindet freilich alle: Beide Länder stehen vor einem Paradigmenwechsel in der Behindertenhilfe.

Arina Alstrud

In den Berichten der Teilnehmer wurde deutlich, wie sich die Initiativen der Eltern behinderter Kinder, seit rund zwanzig Jahren regional im Aufbau, nach dem deutschem Vorbild der 60er und 70er Jahre nun überregional vernetzen. Die Kaliningrader Organisation „Maria“ berichtete von dem Verzicht auf staatliche Mittel, da nach der Erfüllung der damit verbundenen staatlichen Auflagen nichts mehr für die Unterstützung behinderter Menschen übrig bleibe. Demgegenüber ist die Irkutsker Delegation hervorzuheben, die exemplarisch eine gelungene und zielorientierte Zusammenarbeit von Administration und Nicht-Regierungs-Organisation zur Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen referierte.

Thomas Neumann

Den Wunsch nach mehr Unterstützung für soziales und partnerschaftliches Engagement durch die Behörden formulierte Jurij Katz aus Wladimir mit dem Satz: „Die Behörden brauchen uns nicht, aber die Gesellschaft braucht uns sehr wohl.“ Der Besuch des Heilpädagogischen Zentrums Pskow, ein mit deutscher Unterstützung entstandenes russisches Pilotprojekt mit Schule, Tagesstätte und Werkstatt, das Bildung und Beschäftigung für Menschen mit Behinderung bietet und so die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft vorbildlich ermöglicht, war auch für die deutschen Teilnehmer sehr beeindruckend – ebenso wie der Besuch einer Wohngruppe der Elterninitiative „Ich und Du“.

Jürgen Ganzmann

Erlangen und Wladimir nutzen die Gelegenheit, ihren Austausch von Erfahrung und Fachkompetenz bezüglich der Teilhabe für Menschen mit Behinderungen weiter zu vertiefen und neue Schritte der Zusammenarbeit zu planen. Da diese Verbindungen nicht nur auf eine sehr lange Historie zurückblicken und unterschiedliche soziale Partner erfolgreich einbeziehen, lag es nahe, daß die Vertreter von Irkutsk sowie Nischnij Nowgorod den Wunsch äußerten, in Zukunft mit den Erlanger Einrichtungen zusammenarbeiten zu können.

Die Engel von Pskow bewegen ihr Flügel

Die wechselseitigen Erfahrungen auszutauschen, war sehr fruchtbar, weshalb eine Fortsetzung unbedingt angestrebt werden sollte. Die ausgesprochen intensive und aus Sicht der Erlanger Teilnehmer erfolgreiche Tagung soll,  so der Wunsch der Organisatoren und Städtepartner, bereits 2018 in Berlin ihre vierte Fortsetzung finden.

Jürgen Ganzmann und Thomas Neumann

Eine Partnerschaft kann nur erfolgreich sein, wenn der Respekt im Miteinander auf Augenhöhe gegeben ist und man die unterschiedlichen Bedingungen in den Ländern versteht.

Jürgen Ganzmann

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Das Jahr ist noch nicht zu Ende, aber ein erstes Fazit darf man schon ziehen und dabei auf einen besonderen Glücksfall der Zusammenarbeit im Rahmen der Städtepartnerschaft hinweisen: den Austausch des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU mit der Staatlichen Universität Wladimir. Im Ergebnis der Exkursion einer neunzehnköpfigen Gruppe aus Erlangen mit der Lehrstuhlleiterin Julia Obertreis nach Sankt Petersburg und Wladimir Ende Mai bildete sich nicht nur die Studenteninitiative „Kommunalka“, sondern die russische Seite schlägt nun auch zum Thema „Die Russische Revolution. Russische und deutsche Perspektiven.“ eine Videokonferenz vor, die am Freitag, den 8. Dezember, um 9.00 Uhr im Regionalen Rechenzentrum der FAU, Martensstraße 1 starten und bis 12.00 Uhr dauern soll. Geplant ist die Diskussion – übrigens auf Englisch und Russisch, wobei ggf. für Übersetzung gesorgt wird – als Synopsis von Publikationen und Interpretationen in beiden Ländern zum „Roten Oktober“.

Alle Macht den Räten! 1917 Beginn einer neuen Ära.

In kurzen Vorträgen, nicht länger als fünf Minuten, wollen die Studenten der Partnerstädte ein aktuelles Buch, einen Zeitungsartikel oder Film, eine Ausstellung, Konferenz oder Dokumentation zum Thema vorstellen. Einige Beiträge stehen schon fest. So wird Moritz Florin, Koordinator der Veranstaltung und Akademischer Rat am Lehrstuhl, zu der Plakatausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“ sprechen, die in ganz Deutschland in Schulen und an anderen öffentlichen Orten gezeigt wurde, siehe: https://is.gd/7d5BEN. Klaus Dyroff hat eine Reihe von Zeitungsartikeln zum Thema zusammengestellt, die er allen Teilnehmern in Form eines Readers zur Verfügung stellt.

Es lebe die große sozialistische Oktoberrevolution!

Thematisiert werden können aber auch die aktuellen Fernsehdokumentationen zu dem epochalen Ereignis, etwa „Der letzte Zar“ – siehe https://is.gd/i5neff, wo unter anderem Matthias Stadelmann, Professor am Lehrstuhl von Julia Obertreis, zu sehen ist. Als Stoff bieten sich aber auch neue Bücher deutscher Historiker an, darunter Martin Aust, Gerd Koenen und Karl Schlögel. Zur Lektüre und Vorbereitung empfohlen auch „Rußland 1917“ aus der Feder des Erlanger Emeritus, Helmut Altrichter. Darüber hinaus befassen sich mit dem Jahrestag die Publikationen „100 Jahre Roter Oktober. Zur Weltgeschichte der Russischen Revolution, Berlin 2017“, die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Osteuropa“ sowie das kürzlich erschienene Heft aus der Reihe „Geo-Epoche“. Angesprochen werden können jedoch auch durchaus heikle Themen wie der Film „Mathilde“, zu dessen Resonanz in der russischen und insbesondere der Wladimirer Öffentlichkeit auch der Blog berichtete: https://is.gd/t6UFpQ

Das Land den Bauern, die Betriebe den Arbeitern! – Demonstration der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation am 7. November 2017 in Wladimir.

So frei die Wissenschaft, so offen die Teilnahme – auch ohne Immatrikulation. Wer also an der Videokonferenz – gleich ob aktiv mit einem eigenen Beitrag oder als Gasthörer – teilnehmen möchte, melde sich bei moritz.florin@fau.de an, auch um zu erfahren, in welchem Raum die Veranstaltung stattfinden wird.

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Einen besonders großen Dank richtete Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim gestrigen Empfang im Rathaus für die fünfundzwanzigköpfige Gruppe der Schwimmschule Wladimir an die Gastgeber – und gab damit Ilja Iljin, dem Delegationsleiter, das Stichwort: „Wir sind in Erlangen längst mehr als nur Freunde. Für viele von der Sportgemeinschaft Siemens Erlangen sind unsere Kinder längst zu Familienmitgliedern geworden.“

Susanne Lender-Cassens und die Schwimmgruppe aus Wladimir

In der Tat kommen einige der Mädchen und Jungen im Alter von acht bis fünfzehn Jahren schon zum wiederholten Mal zum Internationalen Schwimmen um den Röthelheim-Cup, am Wochenende zum 23. Mal in der Hannah-Stockbauer-Halle ausgetragen. Von den Mitgliedern des Betreuungsteams ganz zu schweigen, das bei jedem Besuch fest gesetzt ist.

Wladimir auf Bahn 6 in der Hannah-Stockbauer-Halle

Seit 1998 besteht der Austausch nun schon und erweist sich als beständig wie sonst kein Sportkontakt zwischen den Partnerstädten. Geht es nach dem Ehepaar Sigrid und Wolf-Dieter Thiel von der SGS solle das auch so bleiben, anders als mit den Verbindungen zu Rennes und Eskilstuna, die zu beider Bedauern schon seit längerer Zeit abgerissen seien.

Gruppenbild in der Hannah-Stockbauer-Halle mit Sigrid Thiel (rechts im Bild) und Ilja Iljin (links im Bild)

Seit Mittwoch übrigens ist die Gruppe schon in Erlangen, ein Ausflug nach Rothenburg stand neben dem Training und dem zweitägigen Wettbewerb auf dem Programm, gestern dann Freizeit und die Eröffnung des Weihnachtsmarkts, heute noch ein Abschiedsschwimmen im „Atlantis“, und dann, gegen Abend, geht es wieder nach Hause. Übrigens mit acht Platzierungen auf den Siegertreppchen über die unterschiedlichen Distanzen im Gepäck, was ja auch einer anerkennenden Erwähnung wert sein sollte.

Das russisch-deutsche Betreuungs- und Orgateam

Ob 2018, wenn der Austausch in sein zwanzigstes Jahr geht, Wladimir wieder nach Erlangen kommt oder die Franken die Einladung in die russische Partnerstadt annehmen, werden wir wohl bald erfahren. Wie auch immer: Solange sie miteinander schwimmen, geht die Partnerschaft nicht baden.

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Ein Schneesturm fegte durch die Welt,
kein Ende kannte,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Wie sommers die Stechmückenschar
die Flammen locken,
umkreist der Fensterrahmen war
von weißen Flocken.

Das Schneegestöber deckte schnell
das Glas so samten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Und an der Decke ließ das Licht
die Schatten schweben,
die Schatten überkreuzten sich
wie auch die Leben.

Und zwei Schnürschuhe klappten leicht
auf die Holzdielen,
aufs Kleid Wachstropfen, tränengleich,
herunter fielen.

Im Schneedunst versank die Welt,
im silberblanken,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Die Kerze flackerte im Hauch,
Lust am Entflammen,
wie Engel schwang die Flügel auch
zum Kreuz zusammen.

Schnee wehte treibend durch die Welt,
die Tage rannten,
doch meine Kerze brannte hell,
die Kerze brannte.

Boris Pasternak

Bilder aus Wladimir: Max Firgau

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Beginnen wir beim Ende – oder besser kurz vor dem Ende – des langen gestrigen Abends im E-Werk, als das Publikum zum donnernden Ausklang des vierzigsten Newcomer Festivals die Band „Metamorphis“ aus Wladimir einfach nicht von der Club-Bühne lassen wollte. „One more song! One more song!“ skandierte der tobend volle Saal.

Metamorphis on stage

Aber auch ein Konzert cum tempore hat einmal ein Ende, zumal dann, wenn noch ein wichtiger Programmpunkt ansteht, die Verleihung der Auszeichnungen und vor allem des Publikumspreises durch Oberbürgermeister Florian Janik.

Metamorphis: Schamil Chabibullin, Ilja Jerochow, Alexej Romanow und Alexander Wojnilowitsch

Die Kulturförderung im Amt für Soziokultur der Stadt Erlangen vergibt nämlich seit 2003 den „Publikumsförderpreis“ im Bereich Rockmusik im Rahmen des Erlanger Newcomer Festivals, das jährlich im November im Kulturzentrum E-Werk stattfindet.

Alexander Wojnilowitsch

Der Publikumsförderpreis der Stadt Erlangen soll…

  • eine junge Nachwuchsband in ihrer Entwicklung fördern,
  • signalisieren, daß die Stadt Erlangen die Leistungen von im Bereich Rockmusik engagierten jungen Menschen anerkennt,
  • durch die Entscheidung des Publikums über die Preisvergabe, den Anreiz erhöhen, das Newcomer Festival zu besuchen und damit die Veranstaltung aufwerten.

Ilja Jerochow

Das Publikum entscheidet über den Gewinner. Dadurch nimmt der Preis eine Sonderstellung ein gegenüber den durch eine Jury vergebenen Auszeichnungen, die über Sponsoren finanziert werden. Der Publikumsförderpreis wird nicht in Form von Bargeld ausgezahlt, sondern trägt dem Förderaspekt Rechnung.

Zwischen 2004 und 2008 bestand der Preis aus einer mehrtägigen Reise in die schwedische Partnerstadt Eskilstuna; seit 2009 geht die Reise nach Wladimir. Die Tour ist immer mit Konzertauftritten in der Partnerstadt verbunden. Die bisherigen Gewinner des Publikumsförderpreises:

Schamil Chabibullin und Tom Weinhold von „Meloco“

„Mobile Funk Navigators“ (2004) – „Mister Squirrel and the crunchy nuts“ (2005) – „Pilot Mash“ (2006) – „Booze Bombers“ (2007) – „Notorious Beat Plank“ (2008) – „Fact & Fiction“ (2009) – „Whispering Eyez“ (2010) – „First Second“ (2011) – „Wasted” (2012) – „Meloco” (2013) – „Actin Myosin” (2014) – „The Variety Show” (2015) – “#zweiraumsilke” (2016).

Im Gegenzug kamen seit 2005 Bands aus Eskilstuna bzw. seit 2008 aus Wladimir zum Newcomer Festival nach Erlangen.

Seit Mittwoch nun sind die vier Musiker von “Metamorphis” aus Wladimir zu Gast in Erlangen und gaben  zwei Konzerte im Kulturzentrum E-Werk: am Donnerstag bei “Umsonst und Drinnen” auf der kleinen Kellerbühne und – außerhalb des Wettbewerbs – vor der Preisverleihung im Rahmen des Newcomer Festivals gestern auf der Club-Bühne mit großem Saal.

Ilja Jerochin

“Metamorphis” war bereits 2014 im Rahmen des Bandaustausches in Erlangen und arbeitet gerade an einem neuen Album, aus dem nun viel zu hören war. Einer der Musiker, der Rhythmus-Gitarrist Schamil Chabibullin, ist übrigens Mitglied des Stadtrats in Wladimir.

Ilja Jerochin und Schamil Chabibullin

Seit 2015 wird das Newcomer Festival mit neuem Konzept durchgeführt: Die Einführung von Vorentscheiden, die Einbindung von Jugendklubs (Dezibel, Scheune und New Force) und die Konzentration der Bands, die sich bei den Vorentscheiden qualifiziert haben, auf einen Abend beim Finale im E-Werk hat sich bewährt. Die Veranstaltung lockt zahlreiche Musikinteressierte in die verschiedenen Veranstaltungsorte.

Aus den vielen Bewerbungen hat die Jury die interessantesten Bands für die Vorentscheide ausgewählt. Wie in den Vorjahren ist wieder ein gelungener Mix aus ganz unterschiedlichen Musikstilen zusammengekommen. Bei den Vorentscheiden zählen sowohl die Stimmen der Jury als auch die des Publikums. Je zwei Bands aus den Vorentscheiden traten nun gestern beim großen Finale im E-Werk ab 19.30 Uhr auf.

So sehen Sieger aus: „Repellent“

„Repellent“ erspielte sich dabei den Sieg, sogar einen doppelten: Sowohl das Publikum als auch die Jury kürten das Quintett zur besten Band des 40. Newcomer Festivals. Da kann man nur gratulieren, vor allem natürlich zur Reise nach Wladimir 2018, im 35. Jahr der Städtepartnerschaft.

Ilja Jerochin, Susanne Lender-Cassens, Karin Lippert, Sergej Potapow, Schamil Chabibullin, Alexej Romanow, Pawel Porizkij und Alexander Wojnilowitsch

Auch wenn die Band, dieses Mal begleitet von Sergej Potapow und Alexej Romanow, zuständig für Technik und Management, Erlangen bereits kennt, gibt es doch wieder viel zu entdecken, vor allem natürlich im E-Werk, dessen Bedeutung für das Kulturleben Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens beim Empfang im Rathaus gern erläutert, zum Staunen der Gäste, die nur bedauern können, in Wladimir im Schatten von Klassik- und Folklore-Ensembles zu stehen, während Erlangen Rock und Pop nach Kräften fördert, um, wie Karin Lippert, die Kuratorin des Bandaustausches, erläutert, auch diesem Bereich der Jugendkultur zu seinem Recht zu verhelfen.

Gruppenbild mit Dame: „Metamorphis“ und Astghik Mantashyan am Hugenottenbrunnen gegen Ende der Stadtführung

Da ist es nur umso erstaunlicher, wie vielfältig sich die Szene in Wladimir allgemein darstellt, wie stilsicher und professionell dann eine Band wie „Metamorphis“ ihre überzeugende Interpretation von Post-Grunge auf die Bühne bringt, wie rasch das Quartett das gemeinhin doch eher verhaltene Erlanger Publikum zu fesseln versteht… One more song!

Club-Bühne im E-Werk: „One more song, Metamorphis!“

Abseits der Bühne freuten sich die Vier besonders, die Freunde von „Meloco“ wiederzusehen, die in Nürnberg ein Interview bei Radio Z / AFK-Max organisierten, die Gäste ins Lochgefängnis entführten und sie mit Glühwein bewirteten. Eben ganz so, wie es in der Partnerschaft sein soll – und wie es nun bald „Repellent“ erleben wird und dann eine neue Formation aus Wladimir und dann wieder die Siegerband des 41. Newcomer Festivals. Ad infinitum. Denn, wie schon Neil Young wußte: „Rock and Roll will never die!“

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Für Dagmar Paliwal war es ein gerader Weg von Willy Brandts Ostpolitik der Aussöhnung mit den einstigen Feinden zur Partnerschaft mit Wladimir. 1980 übernahm die polyglotte Ethnologin mit einem an der berliner Schnauze geschliffenen schwäbischen Zungenschlag den Partnerschaftsbereich im Rathaus Erlangen und kümmerte sich zunächst natürlich und vornehmlich um Eskilstuna in Schweden und Rennes in Frankreich. Als dann aber Oberbürgermeister Dietmar Hahlweg die Hand in Richtung Sowjetunion ausstreckte, machte sich Dagmar Paliwal gemeinsam mit Herbert Lerche, dem späteren und mittlerweile aus dem Dienst ausgeschiedenen Leiter des Bürgermeister- und Presseamts, und unterstützt von der Schubkraft des damaligen Chefs der „Erlanger Staatskanzlei“, Helmut Schmitt, mit heißem Herzen und kühlem Verstand an die Fortsetzung des Werks der Völkerverständigung. Von Beginn an war ihr klar, daß für den Austausch mit einer Stadt in der UdSSR ganz andere Voraussetzungen bestanden als im Kontakt etwa mit den französischen Freunden. Deshalb versuchte sie auch früh, in die Austauschprogramme die Politik ebenso wie Vereine und Fachkontakte einzubeziehen, eine gute Verbindung und Mischung zu schaffen, die versprach, das zu ermöglichen, an dessen Zustandekommen in der Anfangsphase wohl auf beiden Seiten noch viele zweifelten. Doch bald sollte sich zeigen: Das wird etwas. Erlangen und Wladimir passen zusammen.

dagmar-paliwal

Selbst war die Anglistin und Romanistin allerdings nur ein einziges Mal in Wladimir, 1986, als man dort mit gut einhundert Teilnehmern aus Erlangen die Kultur- und Sporttage feierte. Immer an der Seite von Dietmar Hahlweg und Ludmila Holub, die als Dolmetscherin so charmant-gewandt dafür sorgte, daß sich Deutsche und Russen verstanden. Hier nun spürte Dagmar Paliwal hautnah die Aufbruchsstimmung, ausgehend von Perestrojka und Glasnost, erlebte Glauben und Mut der Menschen und deren Hoffnung auf eine bessere und gemeinsame Zukunft. Überwältigt war sie von den fremden Eindrücken einer Kultur, die sie bisher nicht kannte, und die ihr, wie die Völkerkundlerin bedauert, bis heute fremd geblieben sei: „Aber ich habe alles dankbar aufgesaugt, konnte nur leider nichts zurückgeben. Ich habe viel bekommen in Wladimir, und dafür bin ich sehr dankbar.“

Ein Suchbild: Dagmar Paliwal zwischen Dietmar Hahlweg, Genrich Oserow und Rudolf Schwarzenbach in einer Wladimirer Klinik. Die Losung über den Häuptern der Gruppe lautet: „Unter den sozialen Aufgaben gibt es keine wichtigere, als die Sorge um die Gesundheit der Sowjetmenschen.“

Einige Anekdoten bleiben unvergessen. Etwa wie Stadtrat Erwin Wolff, Weltkriegsveteran und in sowjetischer Gefangenschaft, der nach der Rückkehr aus Wladimir seiner CSU-Fraktion anriet, die Partnerschaft zu unterstützen, bei einer Stadtrundfahrt darauf bestand, aussteigen zu dürfen, um allein durch die Straßen zu gehen. „Man kann sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie groß die Sorge war, er könne verlorengehen“, erinnert sich Dagmar Paliwal. „Aber er war zur vereinbarten Zeit wieder am vereinbarten Ort und wirkte später als Eisbrecher in seiner Partei.“ Oder die Erinnerung an das kleine Mädchen, das neben der Besucherin aus Erlangen stand, als das Feuertheater Mechelwind seine Schau vorführte, und rief: „Mehr blaue Sterne, rote haben wir genug!“ Auch an das Mittagessen am Abflugtag in Moskau mit Michail Swonarjow, dem Vorsitzenden des Rates der Volksdeputierten, denkt sie zurück. Auf Dagmar Paliwals Frage nach den Ingredienzien einer wunderbaren Erbsensuppe antwortete der nach einigem Zögern: „Kann ich nicht sagen, das ist eine europäische, keine russische Suppe.“ Noch heute muß die vor zehn Jahren in den Ruhestand getretene Partnerschaftsbeauftragte und Feinschmeckerin da schlucken. Und noch heute gibt es bei den Russen – leider – diese geographisch-mentale Grenzziehung – bei aller Nähe, bei all dem vielen, was uns schon immer und immer mehr eint. Dementsprechend ihre Reaktion: „Ihr seid doch auch Europäer!“ Eine Antwort, die heute mehr denn je gilt.

Dagmar Paliwal 2

Nach dieser Reise sah Dagmar Paliwal ihre Wladimir-Mission als erfüllt an, organisierte 1987 noch die „Wladimirer Kultur- und Sporttage“ in Erlangen, erstmals mit dem Verfasser dieser Zeilen als Dolmetscher an ihrer Seite, und übergab dann die Kontakte an Herbert Lerche, um sich wieder „ihren“ Städten zuzuwenden. Bald sollten ja auch Jena, Stoke-on-Trent und San Carlos hinzukommen. Sie konnte aber sicher sein, daß die Verbindung zu den Russen Bestand haben würde, auch wenn niemand voraussehen konnte, wie bald die Sowjetunion zerfallen würde und welch ungeahnte Möglichkeiten der Zusammenarbeit sich in den 90er Jahren eröffneten.

Dagmar Paliwal feiert heute einen runden Geburtstag. Anlaß zur Freude und zur Danksagung an eine Bereiterin und Begleiterin eines heute weit verzweigten Wegs der Verständigung. Danke an eine Kollegin, die allen, die mit ihr im internationalen Austausch arbeiten konnten, im Rathaus und weit darüber hinaus in aller Welt – wo die Kosmopolitin ja zu Hause ist –, sehr fehlt. Glückwunsch, liebe Dagmar, und danke für alles in allen dir geläufigen Zungen des weiten Erdenrunds!

Leicht geänderte Fassung eines Artikels der im Blog bereits vor fünf Jahren erschien.

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Vom 10. bis 29. September war wieder eine vierköpfige Gruppe des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde zum Studentenaustausch an der Universität Wladimir zu Gast. Hier nun der Reisebericht.

Das Studentenleben in Wladimir war für uns alle eine der besten Erfahrungen im Leben. Es waren so viele neue Eindrücke und Ansichten, daß wir in der ersten Woche gar nicht aus dem Staunen herauskamen. Übrigens hatten wir in den ersten zwei Wochen großes Glück mit dem Wetter – Altweibersommer.

Am ersten Tag an der Universität in Wladimir, ВлГУ, wurden wir sehr herzlich in der Mensa von den für uns verantwortlichen und anderen Studenten begrüßt. Es gab Tee und Kuchen in der Kennenlernrunde. Anschließend erhielten wir einen Plan für die nächsten drei Wochen, welcher ein volles Programm bot. Jeden Tag nach den Doppelstunden fand ein Ausflug statt. Wir waren in Kunst- und Geschichtsmuseen, in der Philharmonie, im Kino, im Planetarium und im botanischen Garten von Wladimir. Unsere Dozentin für Russisch war eine so liebreizende und positive Person, wir haben sie direkt ins Herz geschlossen.

Die gemischte Studentengruppe mit Marina Gajlit im Goldenen Tor

Die Sitten und Mentalität der russischen Bevölkerung unterscheiden sich sehr von der deutschen. Die typischen Klischees sind nicht wirklich zutreffend. Alkohol ist strikt verboten und kann auch nicht überall zu jeder Zeit gekauft werden. Zigaretten sind für uns umgerechnet natürlich sehr günstig, aber sie sind in allen Geschäften unter Verschluß und nicht öffentlich sichtbar, wie wir es in Deutschland kennen. Die Öffnungszeiten sind ungewohnt aber auf jeden Fall sehr bequem und praktisch. Auf echte Bären sind wir auch nicht getroffen.

Wladimir ist eine süße kleine Stadt – ähnlich wie Nürnberg. Ehrlich gesagt kam es mir persönlich so vor, als hätten wir eine Zeitreise in die Sowjetunion gemacht, denn außerhalb der Großstädte ist alles beim alten geblieben.

Gemischte Studentengruppe vor der Demetrius-Kathedrale

Wir waren auch in Susdal und Bogoljubowo, beide sehr gläubige Städtchen. Am zweiten Wochenende ging es nach Moskau, in die Stadt, die niemals schläft. Es war traumhaft ebenso wie das Wetter. In der letzten Woche wurde es dann deutlich kälter und herbstlicher. Die Stimmung war auch etwas bedrückt denn wir begriffen, daß die Zeit einfach zu schnell vergangen war. Dennoch haben wir das Beste daraus gemacht und waren nochmals in einigen Restaurants, Bars und im Klub.

Im großen und ganzen war der Aufenthalt bei den Gastfamilien und an der Uni wirklich interessant. Wir haben viel dazugelernt und wollen so bald als möglich wieder nach Rußland!

Tatjana Maier

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