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Archive for 9. Oktober 2017


Liebe Leser des erlangenwladimir-Blogs, ich bin Mathilda Wenzel, 18 Jahre als und komme aus Saalfeld, in der Nähe von Jena. Vielleicht fragt sich der ein oder andere wie ich dazu komme, über mich etwas auf Peter Stegers Blog zu schreiben. Der Grund ist, seit August profitiere ich selbst in ganz besonderer Weise von der (hier immer so anschaulich beschriebenen) Verbindung zwischen Wladimir und den Städten Erlangen und Jena. Ich mache seit Mitte August einen Europäischen Freiwilligendienst in Wladimir. Dieses Programm wird nicht nur von der EU ermöglicht, sondern auch von der Eurowerksatt Jena und seiner Schwesterorganisation, dem Euroklub Wladimir, die das alles organisieren. Beide Einrichtungen haben sich auch auf dieser Website einen Namen gemacht, und ich möchte nun die Chance nutzen und an dieser Stelle etwas von den ersten Eindrücken mitteilen, die ich von diesem so  anderen und zugleich so schönen Land habe.

Mathilda Wenzel

Eigentlich wollte ich schon immer einmal nach Rußland. Nach den Gründen dafür gefragt, konnte ich nie eine richtige Antwort geben, zumal ich noch nicht einmal Russisch spreche. Deshalb haben meine Familie und Freunde mich auch eher für verrückt erklärt, als ich beschlossen habe, im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes, ein Jahr in Wladimir zu verbringen. Nach fast einer Woche hier würde ich sagen: Es ist vielleicht verrückt, aber vor allem interessant. Die Autofahrt von Moskau nach Wladimir bestätigte erst mal die gängigen Vorstellungen vom Land: auf der einen Seite Reichtum und Prunk in Moskaus Zentrum und den vielen goldkuppeligen Kirchen. Auf der anderen Seite Plattenbausiedlungen, bei denen manche Etagen aussehen, als würden sie bald zusammenbrechen. Oft hat man den Eindruck, als wäre das Geld, das bei der Instandhaltung der Wohnsiedlungen gespart wurde, für Blattgold und Kristallkreuze ausgegeben worden. Man muß allerdings zugeben, daß sich das für den Anblick der wunderschönen Kathedralen vielleicht gelohnt hat. Dank einigen netten Euroklub-Mitgliedern habe ich auch in Wladimir schon ein paar der architektonischen Meisterwerke besichtigt. Natürlich gibt es hier noch viel mehr, das ganz anders ist. Das Klischee der russischen Gastfreundschaft beispielsweise erweist sich als sehr wahr. Man wird zum Essen eingeladen, und alle helfen einem, den Weg zurück zum Wohnheim oder ins Zentrum zu finden. Das Studentenwohnheim ist zwar (natürlich) nicht wie in Deutschland, aber doch besser als erwartet. Nach ein paar Tagen weiß ich jetzt aber, daß der Satz „Es gibt keinen Plan“ hier wirklich wahr ist. Das meiste wird „später“ geregelt. Das ist zwar manchmal frustrierend, aber auch lustig. Von allen Stereotypen über das Land trifft der der russischen Gastfreundschaft am meisten zu. Auch wenn das Eingewöhnen natürlich schwer und alles sehr fremd ist, gibt es viele nette Menschen, die mir dabei helfen und Zeit investieren, damit ich mich wohlfühle.

Die obenstehenden Zeilen habe ich direkt fünf Tage nach meiner Ankunft geschrieben, sie spiegeln meinen allerersten Eindruck wieder. Nach über drei Wochen in Wladimir (die ziemlich schnell vergangen sind), bleibt derzeit vor allem ein sehr positives Gefühl. Ich freue mich auf die Arbeit im Euroklub, und auch der Alltag läßt sich etwas einfacher meistern, jetzt wo ich in der Stadt ein bißchen Orientierung gefunden habe. Wladimirs Zentrum ist wunderschön, und eigentlich ist allein der Anblick der Mariä-Entschlafens-Kathedrale ein Grund, hier zu sein. Inzwischen habe ich mich auch an den vielen Schwarztee gewöhnt und freue mich darauf, in den nächsten Wochen hoffentlich mit dem Russischlernen zu beginnen.

Mathilda Wenzel

Vom 17. bis 23. August fand in Wladimir das 16. internationale Treffen von jungen Künstlern, „Pleinair“ genannt, statt. Die diesjährige Zusammenkunft war dem Jahr des Umweltschutzes gewidmet. Hierzu fanden sich rund 400 Jugendliche aus dem ganzen Land und sieben weiteren Staaten zusammen. Die russischen Teilnehmer und die Jugendlichen aus Deutschland, Spanien, Slowenien, der Ukraine, aus Weißrußland, Usbekistan und Kasachstan trafen sich, um eine Woche lang zu zeichnen, die Umgebung zu erkunden und sich über Kunst auszutauschen. Hauptorganisator der Veranstaltung war die Organisation „Dom mira“ (auf deutsch „Haus des Friedens). Unterstützt wurde diese vom Euroklub Wladimir, der mit seinen Mitgliedern Jugendgruppen betreute, für einen reibungslosen Ablauf des Programms sorgte und übersetzte, kurz: mithalf um das Plenum auch in diesem Jahr wieder zu einem vollen Erfolg zu machen. Die internationalen, jungen und älteren Gäste besichtigten während ihres Aufenthaltes verschiedene Städte der Region und hatten reichlich Gelegenheit, ihren Impressionen auch künstlerisch Ausdruck zu verleihen. Ehrengast des Treffens 2017 war der Pädagoge, Künstler und Professor Boris Nemenskij. Das Großereignis zur Förderung von jungen Künstlern und internationaler Zusammenarbeit im Bereich Jugend, fand am letzten Abend mit einem kulturellen Programm im Haus der Kultur seinen Abschluß. Es gab eine Vorstellung von traditionellen Tänzen und Gesängen, die sehr beeindruckend war. Anschließend wurden Urkunden an die Kinder und Jugendlichen verliehen (geordnet nach Altersklassen und Kategorie des jeweiligen Werks), die stolz in Empfang genommen wurden. Im Rückblick kann man sagen, daß auch das Plenum 2017 wieder großen Anklang bei den Jugendlichen aus verschiedenen Ländern fand und erneut bewies, wie einfach Völkerverständigung sein kann, wenn die junge Generation durch ein gemeinsames Interesse verbunden ist.

Jelena Guskowa und Mathilda Wenzel

Erster Schultag

Am 1. September waren wir in der Schule Nr. 2 zu Gast. Wir wollten den Schülern etwas über die Partnerschaft zwischen den Städten Jena und  Wladimir vermitteln und zugleich die Sache des Euroklubs an der Schule noch bekannter machen. Im kommenden Schuljahr wird, in Zusammenarbeit mit dem Euroklub, möglicherweise ein Austausch zwischen einer deutschen Schule und der Schule Nr. 2 organisiert. Nebenbei hatte ich die Möglichkeit, zu erleben, wie der erste Schultag hierzulande zelebriert wird. Während das nämlich in Deutschland, außer für die Erstklässler, einfach ein normaler Schultag ist, wird der Schulbeginn hier mit einigen Feierlichkeiten begangen. Es gab ein Programm mit verschiedenen Liedern und Tänzen, und einige Leute wurden ausgezeichnet. Am Ende sind alle Schüler klassenweise in die Schule gegangen. Im Unterricht haben wir schließlich in zwei neunten Klassen eine kurze Präsentation über Jena und den Jugendaustausch mit Wladimir gehalten. Meine Worte auf Deutsch wurden abwechselnd von Jelena und den Schülern (beziehungsweise jeweils von dem, der am Meisten verstanden hatte) ins Russische übersetzt. Auch wenn der Schultag in vielen Punkten so anders als in Deutschland verläuft, ist doch das Verhalten der Schüler im Unterricht überall dasselbe. Und so gab es natürlich auch hier die Klassenkasper und diejenigen, die echtes Interesse an Jena und den Aktivitäten des Euroklubs zeigten. Insgesamt war es ein sehr interessanter und schöner Vormittag, an dem wir sowohl den Euroklub etwas bekannter machen, als auch einen Einblick in den russischen Schulalltag gewinnen konnten.

Mathilda Wenzel

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