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Archive for September 2017


Im nächsten Jahr beginnen die Arbeiten an der 770 km langen Bahnstrecke von Moskau nach Kasan mit Halt in Wladimir, auf der nach Fertigstellung ab 2023 Hochgeschwindigkeitszüge – mit großer Wahrscheinlichkeit aus chinesisch-russischer Gemeinschaftsproduktion – mit einer Fahrzeit von nur noch dreieinhalb Stunden zwischen der Hauptstadt und der Metropole in Tatarstan verkehren. Die Vorarbeiten für das erste Teilstück, Moskau – Wladimir, sind bereits im Gange, und, wie das bei derartigen Infrastrukturprojekten nicht ausbleiben kann, man trifft auf Widerstände, muß einen Ausgleich zwischen Verkehr und Umwelt finden. Eine Herausforderung, die von den Planern offenbar ernstgenommen wird.

Russischer Desman oder Wassermaulwurf

So will man etwa 20 Wassermaulwürfe – der Blog berichtete schon öfter von diesen fast ausgestorbenen Kleinsäugern – aus einer Zone im Becken der Kljasma umsiedeln, weil man befürchtet, die in der Nähe verlaufende Trasse könnte den russischen Desman stören. Aber auch für Grau- und Silberreiher oder Schnepfen überlegt man Schutzmaßnahmen, und in der Brutzeit will man besonders Rücksicht auf das wilde Federvieh nehmen. Mehr noch: Im Grenzgebiet zwischen den Regionen Wladimir und Nischnij Nowgorod verlegt man die Schienen über eine Strecke von neun Kilometern auf Stelzen, um die Natur weitgehend sich selbst zu überlassen. Insgesamt verlaufen sogar 20% der Trasse als „Hochbahn“, um die Natur zu schonen und den Wildwechsel  nicht zu beeinträchtigen, für den zusätzlich insgesamt 89 Brücken vorgesehen sind. Sogar an Unterführungen für Amphibien denken die Projekteure. Wer hätte das gedacht! Gut so. Dann müssen die Kröten nur noch an die richtigen Stellen wandern.

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Wenn heute abend Julia Gerassimowa und Andrej Artamonow die Heimreise antreten, tun sie das mit einem „ganzen Schatz an Erfahrungen und Einblicken“, wie die Neurologin und der Chirurg unisono versichern. Doch viel mehr als Worte sagen ihre Taten: Beim Treffen mit den Rotariern verabschieden sich die beiden Mediziner aus Wladimir gleich nach ihrer kurzen Dankesrede an die Mitglieder des Serviceklubs, der die zweiwöchige Hospitation am Klinikum ermöglichte, schlagen sogar die Einladung zum Mittagessen aus, nur um rasch zurück auf ihre Stationen zu eilen. Und Andrej Artamonow verspätet sich beim gestrigen Abendessen gar um mehr als drei Stunden, weil ihn einfach die Operation an der Seite von Professor Robert Grützmann und das anschließende Fachgespräch nicht losließen. Aber so soll es ja auch sein.

Professor Werner Hohenberger, Sergej Artamonow, Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, Julia Gerassimowa und Stadtrat Jürgen Zeus

So unterschiedlich ihre Fachgebiete, so einig sind sich die Gäste im Urteil über das Niveau der Medizin an der hiesigen Universität: Spitzenklasse vom Qualitätsmanagement bis zur technischen Ausstattung, ärztlichen Kunst sowie Pflege und Nachsorge, aber auch bei einem Personalschlüssel, von dem die beiden zu Hause nicht einmal zu träumen wagen. Es genüge der Hinweis auf die von Julia Gerassimowa geleitete Schlaganfallstation mit 50 Betten, betreut von einem zwölfköpfigen Team, während die zwölf Patienten in der Erlanger Stroke Unit von etwa 60 Fachkräften betreut werden. Besonders begeistert zeigen sich die Wladimirer aber von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, die nach dem Urteil von Julia Gerassimowa alles hat, was eine Krankenschwester auszeichnet: „Überblick, praktisches Geschick und ein umgängliches Wesen. Eigenschaften“, wie die Ärztin hinzufügt, „die sicher gerade in einer Medizinstadt nur von Vorteil sein können, wenn man Politik macht. Auch in dieser Hinsicht ist Erlangen beneidenswert.“ Das darf nun einfach so stehenbleiben.

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Die elfköpfige Schülergruppe aus Wladimir, am Dienstagabend angekommen und gestern am frühen Nachmittag schon zum Empfang im Rathaus mit Bürgermeisterin Elisabeth Preuß erschienen, zeigt wieder einmal, wie wichtig diese Begegnungen sind, vor allem, wenn sie dem Konzept folgen, möglichst viel gemeinsam zu unternehmen, vom Unterrichtsbesuch bis hin zu Ausflügen oder Kochen. Einen besonderen Schwerpunkt im Programm setzt Michaela Spörl vom Emmy-Noether-Noether-Gymnasium mit ihrer russischen Kollegin, Olga Wolkowa, Deutschlehrerin an der Schule Nr. 23, auf die Zeit in den Familien. Das Wochenende sowie der Tag der Einheit sind dafür reserviert und geben, bevor es am 5. Oktober wieder nach Hause geht, Gelegenheit, einander im Miteinander so richtig kennenzulernen und die beglückende Erfahrung zu machen, wie Olga Wolkowa hervorhebt, wie großartig die deutsche Gastfreundschaft sei, jedenfalls nicht minder ausgeprägt als in Wladimir. Ist mehr Lob möglich?

Elisabeth Preuß, hockend ganz rechts, schräg hinter ihr stehend Olga Wolkowa und Michaela Spörl, 2. v.l. in der 3. Reihe

Sie wird es aus Erfahrung wissen, betreut sie doch den Austausch seit 1997 und hat in der Gruppe „Wiederholungstäter“, die Erlangen schon von früheren Besuchen her kennen. Den besten Nachweis für Nutzen und Qualität der Begegnungen liefert freilich die Schülerin, deren Vater bereits am ersten Austausch teilgenommen hatte und der nun seine Tochter auf den eigenen Spuren in die deutsche Partnerstadt schickte. Da weiß man, wofür all die Mühe gut ist, die sich Lehrkräfte wie Gasteltern jedes Jahr wieder machen.

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In der diesjährigen Jugendbegegnung zwischen der Universität Wladimir, der Rosenkranzgemeinde Wladimir und der Nadjeschda-Jugend (früher BDKJ) ist die Hälfte der Zeit vorbei, die russische Gruppe ist wieder nach Wladimir zurückgekehrt, am Wochenende brechen die Erlanger Jugendlichen zum Gegenbesuch auf. Hier ein kurzer Bericht, was bisher geschah.

Es ist mal wieder September und somit Halbzeit unserer jährlichen Jugendbegegnung. Nächste Woche geht es für uns nach Wladimir, und im Gegenzug war die russische Gruppe Mitte August bei uns zu Besuch. Allerdings wohnten wir in einem Jugendhaus in Haag bei Geiselwind, das uns ausreichend Möglichkeiten vor Ort bot, um zusammen zu kochen, abends am Lagerfeuer zu sitzen oder spielerisch die Sprachbarriere zu überwinden. „Allerdings“, weil uns so eine Begegnungsstätte in Erlangen leider noch fehlt. Bevor es also los ging mit den Städtetrips, Museumsbesuchen oder dem Souvenirshoppen stand in den ersten zwei Tagen zuerst das gegenseitige Kennenlernen, Einrichten in der neuen Umgebung und eine Einführung in die bayrischen Sitten und Eßgewohnheiten auf dem Plan.

Auch für die nächsten Tage hatten wir in unserem Planungsteam, welches aus Jugendleitern verschiedener Erlanger Gemeinden besteht, ein abwechslungsreiches Programm für unsere Gäste zusammengestellt. Am Mittwoch ging es nach Nürnberg, wo wir das Dokuzentrum und den Gerichtsaal 600 besuchten und ein Stadtspiel durch das Zentrum veranstalteten.

Den folgenden Vormittag widmeten wir der Aufarbeitung der im Museum gewonnen Eindrücke und sprachen in kleinen Diskussionsgruppen über das Gesehene und die Wirkung, die die Geschehnisse auch viele Jahrzehnte später noch auf uns haben. Selbst wenn verständlicherweise bei dem ein oder anderen mal Tränen flossen und nicht jeder etwas dazu sagen wollte, sind solche Diskussionen für uns immer sehr wertvolle Momente, die uns menschlich näher bringen und als Gruppe zusammenschweißen.

Einem ähnlichen Aufbau folgten auch die kommenden Tage. So ging es später am Donnerstag nach Würzburg, wo wir zuerst die Innenstadt erkundeten und uns dann mit einem Mönch des Augustinerklosters trafen. Er erklärte uns nicht nur den umgestalteten Kirchenraum der Klosterkirche, in dem die Gemeinde im Mittelpunkt steht, er gab uns auch einen interessanten Einblick in die moderne karitative Arbeit des Klosters. Da unsere Austauschgruppe zu einem großen Teil aus Studenten der Philosophie und Religionswissenschaften besteht und moderne Kirchenkonzepte auch für unsere russischen katholischen Partner eher die Ausnahme darstellen, stieß diese Führung auf große Resonanz. Abends veranstalteten wir noch ein kleines Open-Air Kino auf der Terrasse und schauten gemeinsam einen deutschen Klassiker, „Knocking on Heavens Door“, den sich unsere Gäste gewünscht hatten, wobei wir die große Vorliebe russischer Mädels für Til Schweiger entdeckten.

Unterbrochen wurde die Zeit in Haag am Freitag traditionsgemäß durch unser Äktschen- & Relaxwochenende in der Fränkischen Schweiz, zu dem alle Wladimirfahrer, Ehemalige und Freunde des Austauschs dazukommen können, um ein wenig russische Luft zu schnuppern.

Wir luden also unsere Busse voll, um in Weidmannsgeseeß ein Lager für 40 Personen aufzubauen und das Freizeitangebot der Gegend auszuschöpfen. Los ging es mit einer Wanderung auf das Walberla und zur Vexierkapelle. Später wurden wir dann leider vom Regen überrascht, der uns zwang, den ersten Abend etwas zu improvisieren, was die erste erlebnispädagogische Einheit – „gemeinsam ein Lager wetterfest machen“ – nach sich zog. Am nächsten Morgen ging es für die unterschiedlichen Gruppen entweder Bogenschießen, Kajakfahren, in den Klettergarten oder Wandern. Wer danach noch nicht genug hatte, konnte in Pottenstein die Sommerrodelbahn runterdüsen. Kaputt aber glücklich trafen sich alle zum Abendessen wieder, und da das gute Wetter anhielt, konnten wir, wie geplant, grillen und den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen lassen. Am nächsten Tag wurden die Zelte wieder eingeschmissen, und nach einem kurzen Abstecher nach Gößweinstein, ging es zurück nach Haag.

Montags machten wir uns dann endlich auf nach Erlangen. Vormittags empfing uns Bürgermeisterin Elisabeth Preuß und hieß unsere Gäste herzlich in der Partnerstadt willkommen. Nach einer Tour durch die Innenstadt gab es Mittagessen auf dem Entlaskeller, zu dem auch die „Altmitglieder“ von Nadjeschda eingeladen waren, um die Gruppe kennenzulernen.

Danach stand „Rent-a-Russian“ auf dem Plan. Darunter kann man sich erstmal wenig vorstellen und es war ursprünglich nur als Arbeitstitel angedacht, der sich aber recht schnell eingebürgert hat. Eingeführt haben wir diesen Programmpunkt als Ersatz für das Leben in Gastfamilien, und er ermöglicht ein Reinschnuppern in den ganz normalen Alltag, in Freizeitgestaltung, Studentenleben, Arbeit und Familienleben unserer Deutschen.

Die Gastgeber haben sich auch dieses Jahr wieder tolle Aktionen einfallen lassen und spannende Erlebnisse möglich gemacht – während die einen mit ihren Leuten zum Bouldern und Picknicken gingen, machten andere einen Ausflug nach Regensburg in ihre Studenten-WG, wieder andere führten ihre Gäste in die Arbeit im Walderlebniszentrum oder ihr Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr ein. Respekt und Dank für diese kreativen und gastfreundlichen Einladungen!

Am nächsten Morgen war dann auch unsere Zeit in Haag vorüber, und es ging ab in die Hauptstadt – diesmal nicht die bayrische, sondern die deutsche. Unterwegs machten wir noch zwei Zwischenstops in Bamberg und Coburg, wo wir uns die Landesaustellung zur Reformation auf der Veste anschauten. Den restlichen Tag verbrachten wir dann on the road und kamen nachts in unserem Hostel in Berlin an.

Da wir inzwischen versuchen, standardisierte Stadtführungen zu vermeiden, wurde am Mittwochmorgen die Zeit zurückgedreht, und unsere Teilnehmer verfolgten in einem an „Mr. X“ angelehnten Stadtspiel Spione des Westens oder Ostens durch die Stadt . Danach ging es in Kleingruppen je nach Wahl entweder in eine Ausstellung zur Geschichte Berlins, ins Spionagemuseum oder Aquarium. Die Krönung des Tages war ein Besuch des Fernsehturms, von wo aus man die Stadt nochmal aus einer ganz anderen Perspektive erkunden konnte.

Nachdem wir uns am ersten Tag eher scherzhaft mit der deutsch-deutschen Teilung auseinandergesetzt hatten, wurde es am letzten Tag nochmal ernst, und wir besuchten die Gedenkstätte Berliner Mauer. Auch wenn man heute nur noch ein paar wenige Überreste der Mauer besichtigen konnte, schuf die Ausstellung und Führung einen eindrucksvollen Überblick.

Leider war damit aber auch das offizielle Programm unseres Austauschs zu Ende, und es blieben uns nur noch ein paar Stunden für ein letztes gemeinsames Abendessen, um die Woche Revue passieren zu lassen. Die Zeit ging mal wieder viel zu schnell vorbei, doch zum Glück fällt einem der Abschied immer nur halb so schwer, wenn man sich noch auf Teil zwei des Austausches freuen kann. So warten wir gespannt, was unsere russischen Freunde für uns planen!

Sabrina Pfau

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Immer wieder erstaunlich, was die Archäologen von der Russischen Akademie der Wissenschaften in der Region Wladimir so alles aus der Zeit vom 9. bis 11. Jahrhundert ans Tageslicht bringen. Vor allem Belege dafür, welch engen Austausch die Wladimirer Rus mit Byzanz, dem Nahen Osten und dem damals noch weitgehend von finno-ugrischen Stämmen besiedelten Wolgaraum pflegte. Bei den jüngsten Grabungen etwa fanden sich bei einer regelrecht „kosmopolitischen“ Frau, die im Alter zwischen 20 und 29 Jahren verstorben war, insgesamt 140 Objekte, Schmuck und Bestandteile ihrer Kleidung: Ringe aus Silber, Bronze und Glas, Halsketten aus Glasperlen, Anhänger aus Münzen, Armreife, Kopfgeschmeide. Im Kniebereich entdeckte man zwei bogenförmige Anhänger mit Voluten, an den Fersen mutmaßliche Accessoires der Schuhe in Form von rechteckigen Platten mit Anhängern – und im Leichenkleid ornamentale Fragmente aus dem slawischen wie finno-ugrischen Kulturkreis.

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Die weiten Hügellandschaft um Susdal und Wladimir bildete im Mittelalter den „Kern“ der Kern der Rus, bevor das Machtzentrum sich nach Moskau verlagerte. Deshalb nahm man hier unter Leitung von Graf Alexej Uwarow bereits im 19. Jahrhundert Grabungen vor, und seit 2011 untersuchen Wissenschaftler des Instituts für Archäologie diese Stätten, vor allem solche, die seinerzeit noch unberührt geblieben waren. Erschwert werden die Arbeiten dadurch, daß 1852 noch 244 Kurgane gezählt wurden, während heute wegen der intensiven Landwirtschaft keine Grabhügel mehr auf den Feldern zu erkennen sind. Man muß diese unsichtbaren Nekropolen also mit Hilfe moderner Technik, mit elektrotomographischen Aufnahmen, suchen. So fand man tatsächlich in diesem Sommer fünf bis dato unbekannte Kurgane mit einem Ausmaß von bis zu 600 qm mit insgesamt vier Begräbnisstätten.

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Bemerkenswert die Grabbeigaben der jungen Frau in Form von drei Münzen in der Halskette: zwei aus dem Nahen Osten, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts in Umlauf waren, und eine aus Byzanz, geprägt unter Kaiser Konstantin VII und seinem Sohn und Mitregenten, Roman II. Ein seltener Fund, wie die Forscher vermerken, denn gerade aus dem einstigen Konstantinopel hatte man bisher nur vier dieser Miliarensia zu Tage gefördert.

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In einem anderen Grab dann wieder eine Münze, ein arabischer Dirham aus dem späten 10. Jahrhundert, die man einem Mann in seinen Zwanzigern offenbar als Obolus mitgegeben hatte, gewissermaßen als Passierschein für den Übertritt ins Jenseits. Ein Zeugnis für die fruchtbare gegenseitige Durchdringung der Kulturen, lange bevor die krude Phobie vor „Mischvölkern“ entstand…

Material bearbeitet nach Zebra-TV

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Nach zwei Tagen Aufenthalt und Besichtigungstour in Pljos geht es spontan weiter. Ich bin ganz froh, dem Fisch, der hier überall aufgebahrt liegt, zu entkommen.

Halt, da hätte ich vor lauter Fisch  bald eine wichtige Persönlichkeit von Pljos vergessen. Es handelt sich um Isaak Lewitan, ein Wandermaler, dessen ehemaliges Wohnhaus heute als Museum mit seinen Bildern dient.

Auf Wiedersehen, Pljos

Es geht weiter. Nach Kostroma. Wie erwähnt, eine spontane Entscheidung, da wir ohnehin in der Nähe sind und Kostroma sehenswert sein soll. Ich verlasse mich einfach darauf.

Himmelfahrtskirche in Krasnoje na Wolge

Auf dem Weg kommen wir zunächst nach Krasnoje na Wolge (Schöne an der Wolga). Dieser kleine Ort, man glaubt es kaum, ist seit Jahrhunderten ein bedeutendes Zentrum des Juwelierhandwerkes. Überall entlang der Straße gibt es Schmuckgeschäfte. Da könnte man selbst als Mann schwach werden, wenn man diese Vielfalt an Gold- und Silbergeschmeide sieht. Und noch etwas Interessantes gibt es dort zu bewundern. Was denken Sie, wird das wohl sein? Natürlich eine wunderschöne Kirche. Der Beschreibung zufolge der älteste Steinbau des Ortes, 1592 errichtet. Von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Na, das hat sie auch verdient. Sehen sie selbst.

Himmelfahrtskirche in Krasnoje na Wolge

Jetzt geht’s aber weiter, runter zur Wolga. Hier gibt es eine Fähre und gleich ein weiteres Erlebnis. Auch wenn da am Steg was von einer maximalen Belastung von acht Tonnen steht, wartet hier ein großer LKW auf die Überfahrt, und der hat sicher mehr als acht Tonnen. Ich schätze ihn auf mindestens zwölf Tonnen. Egal, die Statiker bauen ja immer eine Sicherheit mit ein.

Fähre mit Tiefgang

Leider kann man die Dimensionen der Wolga auf dem Bild nur erahnen. Sie ist einfach nur schön, breit und lang. Der Tanker macht sich so breit, daß er auf unserer Donau Fahrverbot hat.

Vorsicht, Tanker kreuzt!

Jetzt aber flott weiter nach Kostroma. Die Zeit verrinnt wie im Flug, und wir brauchen auch noch eine Übernachtungsmöglichkeit. Bei Einbruch der Abenddämmerung erreichen mein Wladimirer Freund und ich die Stadt und folgen einfach der Beschilderung eines Hotels. Das war einfach. Aber! Haben die noch Zimmer frei? Wir fragen, und siehe da, alles kein Problem. Das Hotel steht gerade leer, und man freut sich über uns. Übrigens ein sehr schönes und modernes Haus, sehr zentral gelegen. Soll ich Ihnen den Namen verraten? Wenn Sie mal in Kostroma sind, ist das wirklich ein guter Tip, den Sie im Reiseführer nicht finden. Der Name lautet „Troja“. Und soll ich Ihnen noch was verraten? Die Zimmer sind sehr günstig, und es gibt Frühstück. Ich gerate gerade ins Schwärmen, wenn ich an das Frühstück in diesem Hotel denke. Das war kein Frühstück, sondern ein warmes und kaltes Büffet. Einfach super.

Übrigens ist Kostroma die nördlichste Stadt des Goldenen Rings und liegt, ich denke, rund 500 km von Moskau entfernt. Kostroma ist auch ein eigenes Gouvernement, und in der Stadt leben so etwa 280.000 Menschen.

Handelsreihen

Am nächsten Tag geht es sofort in die Stadt. Wir fahren mit dem Taxi oder was immer das war. Ein alter Lada, klapprig wie ein alter Gaul mit Motorproblemen. Egal, es ging irgendwie bis zum Zentrum für 100 Rubel. Da kannst dann auch nix sagen.

Hier im Zentrum stehen dann auch bedeutende Bauten. Die Hauptwache an der Susaninskaja Ploschtschad, dem Herzen der Stadt, zählt zu den schönsten Beispielen des russischen Klassizismus. Sie (auf Russisch, die „Gauptwachta“) wurde um 1894 erbaut. Woher ich das weiß, fragen Sie? Na ich hab das nachgelesen, sonst könnte ich diese bedeutende Information nicht weitergeben.

Hauptwache von Kostroma, heute Literaturmuseum

Gleich gegenüber stehen die berühmten Handelsreihen Kostromas. Sie sind wohl die größten und schönsten ihrer Art im ganzen Land. Hier wurde und wir alles feilgeboten, was der Mensch so braucht: Mehl, Kleidung, Rauchwaren, Obst und Gemüse und was sonst? Natürlich Fisch. Schon wieder. Was soll ich bloß tun.

Erster Schultag am Milchberg von Kostroma auf direktem Weg zur Wolga

Diese Handelsreihen ziehen sich bis zur Wolga hinunter und liegen auf dem sogenannten Milchberg. Und wer kommt uns denn da entgegen, als wir Richtung Promenade gehen? Na klar, es ist Schulanfang, der wie ein Feiertag begangen wird. Alle sind hübsch herausgeputzt und freuen sich.

Danke für’s Stillsitzen

Liebe ungeduldige Leser des Blogs, eigentlich wollte ich mit dem Reisebericht abschließen. Aber es gibt doch noch ein oder zwei Bilder, vielleicht auch mehr, die gezeigt werden wollen. Und da gibt es auch noch ein oder zwei Gedanken und Geschichten, die ebenfalls an’s Licht wollen. Also gibt es irgendwann noch einen dritten, aber wirklich letzten Teil,

kündigt zur Freude der Redaktion Günther Allinger an.

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Erst im August hatte Dmitrij Makejew seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert, nun ist er gestern verstorben. Einen sanften Mann verliert Wladimir, einen klugen Mittler des Ausgleichs, einen bedachten Historiker, der aus der Geschichte gelernt hatte, wie wichtig Versöhnung und Austausch zwischen den Völkern sind. In der Region Moskau geboren, kam der Wissenschaftler 1977 nach Wladimir, um zunächst als Dozent am Pädagogischen Institut zu lehren, wo er sich rasch zum Prorektor emporarbeitete, bevor er 1988 die Leitung der Hochschule – 1993 zur Staatlichen Pädagogischen Universität erhoben und 2011 mit der Polytechnischen Universität zur Wladimirer Staatlichen Universität verschmolzen – bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007 übernahm.

Altrektor Dmitrij Makejew, Florian Janik und Ansor Saralidze, Rektor der Universität Wladimir, Herbst 2014

In all diesen Jahren spielte Dmitrij Makejew eine herausragende Rolle in der Geschichte der Städtepartnerschaft: Als regionaler Vorsitzender des Verbands der Völkerverständigung handelte er in einer Nachtsitzung im Hotel Kljasma mit Rudolf Schwarzenbach, dem großen Mentor dieser Kontakte, die Formulierungen für die Charta der Städtepartnerschaft aus, 1985 begann unter seiner Ägide der Austausch mit dem Institut für Fremdsprachen und Auslandskunde, und ebenfalls in diese Zeit fiel der Anfang seiner Freundschaft mit Klaus Wrobel, dem Direktor der Erlanger Volkshochschule, die er auch selbst immer wieder zu Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen besuchte. Überhaupt war er der große Kommunikator, erklärte hier wie dort auf Podien und in Seminaren die gesellschaftlichen wie politischen Unterschiede und scheute auch vor der Herausforderung nicht zurück, 1997 mit dem Erlanger Kollegen, Michael Stürmer, russische Sorgen und Befürchtungen angesichts der Nato-Osterweiterung zu diskutieren. Dabei behielt er stets die Verdienste von Mitstreitern in der Sache der Verständigung im Blick und verlieh dem Begründer der Städtepartnerschaft und damaligen Oberbürgermeister Erlangens, Dietmar Hahlweg, 1995 die Ehrendoktorwürde; zwei Jahre später ging die Auszeichnung an Klaus Wrobel.

Wir trauern um Dmitrij Makejew

Es ist still in den letzten Jahren um den ohnehin eher in sich gekehrten Gelehrten geworden, Alter und Gesundheit forderten ihren Tribut. Aber seine besonnene Stimme bleibt hörbar als jene, die ganz zu Anfang des wissenschaftlichen Austausches zwischen Wladimir und Erlangen so vornehm-vernehmlich erklang und bis heute alle Begegnungen durchdringt, in ihnen allen schwingt. So schwer der Verlust, so traurig die Melodie der Threnodie, so beglückend das Vermächtnis: Wenn am Dienstag der Patriarch der Partnerschaft zu Grabe getragen wird, steht – welch eine Fügung des Schicksals! – in der Trauergemeinde auch eine vierköpfige Studentengruppe des Instituts für Fremdsprachen und Auslandskunde am Sarg. Ein Abschied, der verpflichtet.

Mehr zu den Leistungen des Verstorbenen hier: https://is.gd/v3BEku

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