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Archive for 27. August 2017


Ende August in Erlangen, Zeit der Poeten. Grund und Anlaß, einmal wieder zu lesen, was man in der Partnerschaft so schreibt, etwa Wladimir Krakowskij, 1930 in der Nähe von Odessa geboren und nach mehreren Stationen von Riga aus 1958 nach Wladimir gekommen, wo er dann auch als Journalist und Autor von Prosa und Lyrik, aber auch philosophischen Schriften hängenblieb.

August. O, August,
man schreibt nicht im Stehen,
wenn der Duft einen schaudern läßt,
dieses Laub, Ende des Sommers,
Pasternak auf dem Schoß,
und sie ist weg,
nicht mehr da.

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Die Schlinge der Zeit

Die Schlinge der Zeit schnürt die Kehle zu, der Tod im Bad entsteigt dem beschlagenen Spiegel. Deine Feinde sind jene, die dir wohlgesonnen, Stufe um Stufe nennt sich das – Aufstieg zur Selbsterkenntnis. Es sind ihrer drei, der eine schmal und dürr wie ein Zweig im Herbst, der andere beleibt wie ein Händler vom Markt und der dritte, den weder du noch sonst jemand zu sehen bekommt, ein wilder Grantler. Da gehen sie einher, nicht deine Laster sind sie, sondern deine Tage sind sie, aufgezehrt von der Zeit, deine unerreichbaren Möglichkeiten sind sie und deine im Lauf des Lebens nicht zu verwirklichenden Pläne sind sie. Schwarz sind sie gewandet, spiegeln wider sich in allem, was dein Dasein so umgibt, das so kleinlich ist, so ohne Anmut oder Reiz, bist du einer doch für sie, den sie nicht fürchten, während sie für dich sind jene, die dich alle Tage peinigen, wenn sie an den Türspalt deines Kopfes klopfen, deiner unbewußten Hirnregionen, du versuchst erst gar nicht mehr, davonzulaufen, humpelst vielmehr unter deiner übergroßen Bürde.

„Wer seid ihr denn?“ fragst du unerbittlich. Wie aus einem Munde kommt die Antwort: „Wir sind du.“ – „Ich bin ich, warum nur hör ich euch?“ – „Du kannst uns nicht hören, weil du nämlich wir bist.“ – „O, mein Gott! Wann habe ich nur so gesündiget in meinem Leben, daß ich diese Stimmen hören muß?“ – „Du hast nicht gesündigt, schüttle diese seltsam religiösen Dogmen und Gebote ab, du bist wie du bist, nur du kannst selbst empfangen dich, niemand kann das für dich übernehmen.“ – „Aber wie? Wie nur kann ich solches tun? Sag’s mir doch, du, meine Stimme der Vernunft!“ – „Am Abend vor dem Vollmond mußt du reinigen den Leib von den dich tadelnden Wehen des Alltags und selbst im Scheine einer Kerze widerspiegelnd dich empfangen.“ – „Aber, hol’s der Teufel, Vollmond haben wir doch heute schon!“

Lauf! O, Schmutziger! Dein berauschtes Auge hängt an den Lippen der Erde, vergeben wird dem, der sich verspätet, und nicht verborgen bleibt ihm der Keller seines Bewußtseins.

aus dem Russischen von Peter Steger

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