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Archive for 15. August 2017


Seit Anfang des Jahres treten in den Ställen und Wäldern um Wladimir immer wieder Fälle der afrikanischen Schweinepest auf. Über den Sommer breitete sich die für den Menschen ungefährliche und in Deutschland noch nicht aufgetretene Variante der europäischen Schweinepest über immer mehr Landkreise des Gouvernements aus, und ein Ende der Infektionen, gegen die es bisher nirgendwo auf der Welt eine Impfung gibt, ist noch längst nicht in Sicht. Eine biblische Plage als göttliche Strafmaßnahme und Vergeltung für die Versündigung gegenüber der Schöpfung könnten das religiöse Fundamentalisten nennen; säkularisiert betrachtet, handelt es sich wohl um einen weiteren Störfall der Massentierhaltung, bei der wir alle längst wissen, was wir tun – und es trotzdem tun. Und so wird denn – wie man das im Frankenland auch täte – gekeult, um darauf neu aufstallen zu können, werden die Kadaver in eigens errichteten Öfen verbrannt, auf daß sie ihre letzte Ruhe in steriler Asche finden und wir dann bald wieder weitermachen können nach dem Lebensmotto „unser täglich Fleisch gib uns heute“.

Da man nicht weiß, welche Wege der Erreger nimmt, findet, um Ansteckungen zu verhindern, auch in den Wäldern um Wladimir das große Schlachten statt. Selbst wenn bisher nur Einzelinfektionen bei Wildschweinen nachgewiesen wurden, setzen die Behörden auf Abschuß: Von den geschätzt 7.500 Exemplaren Schwarzwild haben bereits 90% alle viere von sich gestreckt.

Schweinepest

150 Rubel pro Kilo, in etwa dem aktuellen Marktpreis entsprechend, sollen die Erzeuger für den Verlust als Ausgleich erhalten

Dazu reicht der Blog Hintersinniges vom großen Meister des Absurden, Daniil Charms, in der Übersetzung aus dem Russischen von Peter Urban:

Vier Deutsche aßen Schweinefleisch und tranken grünes Bier. Dem einen Deutschen mit Namen Klaus blieb ein Stück Schweinefleisch im Halse stecken, da stand er vom Tisch auf. Da pfiffen die anderen drei Deutschen lauf auf den Fingern und spotteten ob des Mißgeschicks. Aber der Deutsche Klaus hatte den Bissen Schweinefleisch schnell heruntergeschluckt, grünes Bier nachgetrunken und war bereit zu antworten. Die anderen drei Deutschen, die ausgiebig über den Hals des Deutschen Klaus gespottet hatten, verlegten sich jetzt auf dessen Beine und riefen, Klaus habe ziemlich krumme Beine. Besonders der eine Deutsche mit Namen Michel machte sich lustig über die krummen Beine des Deutschen Klaus. Da zeigte der Deutsche Klaus mit dem Finger auf den Deutschen Michel und sagte, er habe noch nie einen Menschen gesehen, der Wörter „krumme Beine“ so dämlich ausgesprochen hätte wie der Deutsche Michel. Der Deutsche Michel war einen fragenden Blick in die Runde, dem Deutschen Klaus hingegen warf er einen Blick zu, der äußerste Mißbilligung ausdrückte. Da nahm der Deutsche Klaus einen Schluck grünes Bier, mit diesem Gedanken im Kopf: „Zwischen mir und dem Deutschen Michel gibt es jetzt gleich Streit.“ Die beiden übrigen Deutschen aßen schweigend Schweinefleisch. Der Deutsche Klaus aber sah, nach einem weiteren Schluck grünen Bieres, die anderen mit einem Gesichtsausdruck an, der folgendes sagte: „Ich weiß, was ihr von mir wollt, aber ich bin für euch eine verschlossene Schatulle.“

Hörenswert zum Thema schließlich noch „Little Piggies“ von den Beatles: https://is.gd/NJKiCc

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