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Archive for 5. August 2017


Gertrud Härer ist Wiederholungstäterin. Im Frühjahr 2013 brach sie mit Peter Smolka zu dessen Tour de Friends via Erlangens Partnerstädte um die Welt auf und begleitete ihn zusammen mit Walter Költsch und Jörg Gruner bis zur ersten Etappe – Wladimir. Als die Ausdauersportlerin Ende April vom Halbmarathon erfuhr, der am 10. September erstmals in der russischen Partnerstadt ausgetragen wird, beschloß sie, nicht nur an dem Laufwettbewerb teilzunehmen, sondern dafür schon mal im Sattel zu trainieren und wieder mit einer kleinen Gruppe gen Osten zu fahren.

Walter Költsch, Gertrud Härer, Max Smolka, Jörg Gruner und Peter Smolka

Ob es nun zu kurzfristig war und die meisten ihre Jahresplanung schon unter Dach und Fach hatten, oder ob der weite Weg und die Kombination mit dem Halbmarathon abschreckten, wissen wir nicht. Jedenfalls meldete sich niemand zu der Tour, für die auch der Blog Werbung machte. Für Gertrud Härer freilich gilt das Motto „selbst ist die Frau“, und so sagte sie sich: „Dann fahre ich eben allein.“

Gertrud Härer, gesehen von Jonas Eberlein

Immerhin fanden sich zwei Radfahrer, die zu Beginn und gegen Ende der Strecke mitstrampeln: Heiner Helfenbein, schon vor vier Jahren mit im größeren Begleittrupp dabei, der spätestens in Polen wieder umkehrte, bleibt bis Mittwoch bei der Stange und dreht dann wieder um; Jonas Eberlein wartet dann vor Moskau und bleibt die letzten 300 Kilometer bis Wladimir dabei, wo er dann auch am Laufwettbewerb teilnehmen will.

Gertrud Härer mit Tochter Julia

Gestern um 8.45 Uhr ging es dann los – mit der Verabschiedung auf dem Rathausplatz. Noch eine letzte Umarmung mit Tochter Julia, noch ein wenig Wegzehrung von Doris Höhle, die mit ihrem Mann Klaus – 2013 und 2014 – bereits zwei Radtouren nach Wladimir unternommen hat, noch beste Wünsche für eine gute Fahrt…

Gertrud Härer und Doris Höhle

„Schon verrückt“, zitierte Florian Janik bei der Verabschiedung Stimmen aus dem Blog von Gertrud Härer, freilich mit Respekt vor der sportlichen Leistung in der Stimme und ließ sich dann den Streckenverlauf erläutern.

Florian Janik und Gertrud Härer

Über Danzig nach Litauen und Lettland, über den Grenzübergang bei Zilupe rein in die Russische Föderation, dann quer rüber nach Osten. Moskau will Gertrud Härer nördlich umfahren und am 7. September nach 3.200 Kilometern in den Pedalen am Ziel ankommen,  wenn auch die anderen Erlanger, eine siebenköpfige Gruppe unter Leitung von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, eintreffen.

Florian Janik und Gertrud Härer

Bevor es losgehen kann, überprüft aber Erlangens Oberbürgermeister noch die Gültigkeit des Visums für die Russische Föderation und überreicht schließlich der Langstreckenradlerin ihr Dokument.

Florian Janik und Gertrud Härer

Bange ist ihr nicht vor der Strecke, auch nicht davor, kein Russisch zu sprechen. Sie weiß sich zu helfen, und „bei Radlern sieht eh jeder, was gebraucht wird.“ Damit hat Gertrud Härer buchstäblich Erfahrung.

Heiner Helfenbein, Florian Janik, Gertrud und Julia Härer

Behindern könnte sie nur der viele Regen, der in diesem Sommer in Zentralrußland fällt und der schon Klaus und Doris Höhle veranlaßte, ihre diesjährige Reise ab dem Ural um eine Woche zu verkürzen. Da tröstet vielleicht die Lektüre von „Masse und Macht“ des immer wieder erhellenden Elias Canetti als geistige Wegzehrung:

Der Regen fällt in vielen Tropfen. Man sieht sie und man sieht ganz besonders ihre Richtung. In allen Sprachen spricht man davon, daß er fällt. Man sieht den Regen in vielen parallelen Strichen, durch die Zahl der fallenden Tropfen wird die Einheit ihrer Richtung betont. Es gibt keine Richtung, die dem Menschen mehr Eindruck macht als die des Falles; alle anderen haben, damit verglichen, etwas Abgeleitetes, Sekundäres. Der Fall ist, was man von frühauf am meisten fürchtet und wogegen man im Leben zuerst gewappnet wird. Man lernt, sich davor zu hüten; ein Versagen hier ist von einem gewissen Alter ab lächerlich oder gefährlich. Der Regen ist, im Gegensatz zum Menschen, das, was fallen soll. Nichts fällt so häufig und vielfach wie der Regen.

Gertrud Härer und Heiner Helfenbein

Wir behaupten hingegen: Es ist genug des Regens gefallen in diesem Sommer, und günstige Winde mögen Gertrud Härer begleiten auf ihrem langen und einsamen Weg nach Wladimir, den sie uns miterleben läßt in ihrem Blog: http://gertrud.haerer.org

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