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Archive for 4. August 2017


Das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt zu Fragen des Religionsunterrichts an Schulen der Russischen Föderation, betrieben vom Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität und dem Lehrstuhl für Philosophie und Religionswissenschaft an der Staatlichen Universität Wladimir geht dem Ende entgegen. Dieser Tage trifft sich in Erlangen, koordiniert von Wadim Schdanow als Gastgeber und Jewgenij Arinin als Verbindungsmann für die russische Seite, eine Gruppe von weiteren russischen Hochschulen, die an der Untersuchung beteiligt sind: Tatarstan, Burjatien, Moskau, Orjol und Archangelsk. An den beiden letzteren ist Jewgenij Arinin selbst Gastprofessor, und das Gewicht der Partnerstadt an der deutsch-russischen Wissenschaftskooperation beweist zusätzlich die Teilnahme des in Wladimir angesehenen Soziologen Dmitrij Petrosjan, der zum ersten Mal nach Erlangen gekommen ist.

Jelena Woronzowa, Julia Matuschanskaja, Ojuna Dorschiguschajewa, Jewgenij Arinin, Dmitrij Petrosjan und Wadim Schdanow

Bis zum Wochenende tagt man nun noch im Jordanweg am Fuße des Burgbergs, legt fest, welche Artikel zu welchen Themen wer zu der geplanten Monographie beisteuert, und es gibt neben den methodischen Fragen auch Raum für anekdotische Anmerkungen zu Geschichte und Gegenwart des Religionsunterrichts, von seinem Verbot zu Sowjetzeiten und der atheistischen Erziehung – Chemielehrer widerlegten da beispielsweise zum Ergötzen der Schüler den Glauben an die Transsubstantiation und andere Wunder, oder man zeigte maßlos überzeichnete Karikaturen und Hetzfilme von Vertretern der Konfessionen und Religionen – bis hin zum heutigen Versuch, den „heiligen Stoff“ wertneutral und mit Äquidistanz zu vermitteln. Was in einem orthodoxen Umfeld bei aller in Wladimir geübten Toleranz nicht immer gelinge, wie Jewgenij Arinin zu berichten weiß. So gab es erste Beschwerden muslimischer Studenten, weil in einer Vorlesung der Islam mit Terror gleichgesetzt worden sein soll. Oder da ist jenes muslimische Mädchen, das sich ausgegrenzt fühlt in einer christlich orthodox geprägten Klasse. Auch die grundsätzlichen Unterschiede des Religionsverständnisses zwischen dem in Glaubensfragen eher offensiv auftretenden Kaukasus und durchaus gemäßigten Auslegung des Korans in Tatarstan sollen noch analysiert werden. Schließlich bleibt noch eine Darstellung des Judentums im Religionsunterricht. Es wird dem Gast bei der Konferenz jedenfalls rasch klar: Da ist mit dem Ende des Projekts erst ein Etappenziel erreicht, der wissenschaftlichen Desiderate gibt es noch viele, und diese einzigartige Zusammenarbeit zwischen Erlangen und Wladimir hat noch viele Ziele.

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