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Archive for 1. August 2017


Es ist endlich warm, ja richtig heiß geworden in Wladimir. Badewetter also und damit leider auch die Zeit von Todesfällen im Wasser, allein an diesem Wochenende zehn in der Region, fünf davon im Zustand der Trunkenheit. Schlimm genug, aber ein Unglück erscheint besonders tragisch.

Alexej Solodilow

Im Kreis Kameschkowo machte der Künstler Alexej Solodilow am Freitag, ausgerüstet mit Booten und Zelten und begleitet von seinem zwölfjährigen Sohn und dessen ein Jahr älteren Freund sowie weiteren Jugendlichen und Erwachsenen, einen Ausflug ans Ufer der Kljasma. Der 43jährige, in Wladimir geborene Landschaftsmaler und Kunstdozent an der dortigen Universität setzte mit seinem Sohn und dessen Freund zum vis-à-vis liegenden Sandstrand über, wo laut Aussage des Sohnes sein Freund beim Aussteigen gleich im Wasser versank. Vater und Sohn sprangen dem Jungen nach, um ihn zu retten, doch auch sie gerieten in einen Strudel, der den Vater davonriß, während sich der Sohn am Boot festhalten konnte und um Hilfe rief. Doch die Retter vom anderen Ufer kamen zu spät. Sie tauchten zwar noch nach dem Mann und dem Jungen, konnten sie aber nicht mehr finden. Erst anderntags entdeckten das herbeigerufenen dreißigköpfige Einsatzteam stromabwärts die beiden Leichen.

Der Morgen. Alexej Solodilow

„Leonid Iwanowitsch Schigajew ist gestorben…“ So beginnt die Erzählung „Dem Andenken L. I. Schigajews“ von Wladimir Nabokow und fährt fort: „Die bei Nekrologen allgemein üblichen Gedankenpunkte stellen wahrscheinlich die Spuren der Wörter dar, die auf Zehenspitzen entschwunden sind – und auf dem Marmor Fußspuren hinterlassen haben – ehrfurchtsvoll, im Gänsemarsch… Ich möchte diese Grabesstille jedoch stören… Erlauben Sie mir also… Nur einige fragmentarische, wirre, eigentlich unerbetene… Aber immerhin.“

Frühjahr an der Kirche Mariä Schutz und Fürbitt. Alexej Solodilow

Anstelle eines Nachrufs auf den Künstler, der heute mit dem Freund seines Sohnes beigesetzt wird, zeigt der Blog immerhin Bilder des Verstorbenen, der am liebsten in Öl malte. Eines seiner Werke, das Goldene Tor vom Festungswall aus gesehen, schmückt nun im Gedenken an Alexej Solodilow auch die Kopfleiste – und möge auch an die übrigen Toten dieser Tage erinnern, die hier namenlos bleiben, aber auch trauernde Familien hinterlassen, während „auf mir die Welt lastet“, wie es am Ende der verstörend-düsteren Erzählung von Wladimir Nabokow, „Der neue Nachbar“, heißt: „mit ihrer bunten Leere.“

 

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