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Archive for 28. Juni 2017


Ganz so schlimm ist es noch nicht, aber tatsächlich abonnieren in der Region Wladimir nur noch 64 Personen auf 1.000 Einwohner eine Zeitung oder Zeitschrift. In der Statistik liegt das Gouvernement damit auf Platz 65 aller 85 Subjekte der Russischen Föderation. Im Landesdurchschnitt werden die Blätter noch an 113 von eintausend Adressen zugestellt, am meisten in der Region Kursk, wo noch jeder dritte Einwohner ein Zeitungsabonnement hat. Ganz vorne dabei in der Statistik Nordossetien und Tschetschenien sowie die ebenfalls muslimisch geprägte Teilrepublik Tatarstan. Schlußlicht sind Moskau und Sankt Petersburg. In der Hauptstadt gibt es gerade einmal noch elf Abonnenten auf tausend Einwohner. Da auch der Straßenverkauf rückläufig ist, schließen immer mehr von den früher das Straßenbild prägenden Zeitungskiosken. Allein 2016 machten 5.100, etwa 17% von ihnen, dicht. In Wladimir findet man kaum mehr einen, obwohl immerhin noch neun Zeitungen erscheinen. Die Nische haben Kleinhändler eingenommen, die Getränke und billige Elektronik verkaufen oder einen Imbiß betreiben.


 

Ganz wie mittlerweile überall auf der Welt gilt als einer der Hauptgründe für das Phänomen das Abwandern der einstigen Werbekunden von Verlagen zum Fernsehen und Internet. So nahmen die Sender im Vorjahr gut 150 Mrd. Rubel, die Internetkonzerne 136 Mrd. Rubel (ein Plus von 21%) für Reklame ein, während der Etat der Presse bei knapp fünfeinhalb Mio. Rubeln lag, 16% weniger als 2015. Kein Wunder, wenn da immer mehr Zeitungen nur noch digital erscheinen oder ganz aufgeben. Verschwinden wird damit auch eine Lebenskultur, die besonders den russischen Alltag einst prägte.

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