Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 23. Juni 2017


Das russische Generalkonsulat in München hatte zum feierlichen Empfang geladen. Der Nationalfeiertag heißt „Tag Russlands“. Der 12. Juni erinnert an die staatliche Unabhängigkeit und wird seit 1994 begangen. In vielen Städten des Landes feiert man der Tag parallel zum Stadtfest, so auch in Nischnij Nowgorod, wo die neue Bürgermeisterin, Jelisaweta Solomon, mich zu den Feierlichkeiten einlud, als ich vor kurzem meinem Vater dort einen Besuch abstattete.

Elisabeth Preuß in Nischnij Nowgorod im Mai 2017

Vielerlei Vergnügungen wurden geplant, so auch ein Auftritt des Theaters der Gehörlosenschule „Piano“. Wir trafen die talentierten Protagonisten bei einer Probe auf der Bühne hoch über der sommerlichen, in der Sonne glitzernden Wolga. Leider konnte ich diese Einladung nicht annehmen, da ich zu dem Zeitpunkt schon wieder seit zwei Tage zuhause im Rathaus sein würde.

Pantomimentheater „Piano“

Die Bevölkerung allerdings begeht mit viel mehr Herzblut den 9. Mai, den Tag des Sieges, jedes Jahr ein großes Fest. Zurecht gedenkt man der mehr als 50 Millionen Toten, die der von den Nationalsozialisten über die Welt gebrachte Krieg allein in der Sowjetunion kostete.

Irina Chasowa und Elisabeth Preuß, die beiden Botschafterinnen der Partnerschaft im Dezember 2015, Bahnhof Wladimir

Am 13. Juni folgten die Vertreter vieler Nationen der Einladung von Generalkonsul Sergej Ganscha nach München in den „Bayrischen Hof“, und ich nutzte diese Gelegenheit, um dem Generalkonsul von dem beeindruckenden Unterfangen „Komm wieder, aber ohne Waffen!“ zu erzählen. Das Werk von Peter Steger liegt ja seit einigen Monaten auch in russischer Übersetzung vor, der Blog hat über die Präsentation in Wladimir berichtet. Die Erzählungen, Interviews und Bilder der Veteranen unserer beider Völker, die sich einst als Feinde gegenüber standen und sich jetzt im Rahmen der Städtepartnerschaft Erlangen – Wladimir treffen: Dieses Buch ist ein Jahrhundertwerk. Ich weiß nicht, ob mir als Laie in Sachen Literatur dieses Wort zusteht, für mein Gefühl aber greift jedes andere Wort zu kurz.

Elisabeth Preuß und Sergej Ganscha

Glücklicherweise (aber nicht zufälligerweise) hatte ich bei meiner Fahrt nach München sogar je ein Exemplar der deutschen und der russischen Ausgabe dabei und konnte dies dem Generalkonsul als Geschenk überreichen. Es ging ihm wie vielen, denen ich von diesem Werk erzähle: Zuerst Staunen, dann Freude steht in den Augen des Beschenkten. Wer dieses Buch liest und verinnerlicht, für den ist Krieg zur Unmöglichkeit geworden.

Elisabeth Preuß

Wjatscheslaw Gadalow

Erlangens Botschafterin in Wladimir, Irina Chasowa, vertrat unterdessen am gestrigen Tag der Erinnerung und Trauer die deutsche Seite, als einige wenige Zeitzeugen zusammen mit vielen Kindern des Überfalls der Hitlertruppen auf die Sowjetunion vor 76 Jahren gedachten.

Gedenkstein

Ort des Gedenkens: der Freundschaftsbaum, ganz in der Nähe vom Platz des Sieges am 22. Juni 2011 im Beisein von Elisabeth Preuß und Wolfgang Morell auf Initiative von Wjatscheslaw Gadalow gepflanzt, der sich bis heute um die kleine Eiche kümmert, dem Frieden zwischen Deutschen und Russen gewidmet. Siehe: https://is.gd/QTIWH5.

22. Juni 3

Gedenken an der Friedenseiche

Hier zumindest und mit diesen Menschen ist Krieg wirklich zur Unmöglichkeit geworden.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: