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Archive for 7. Juni 2017


Seit Oktober vergangenen Jahres sitzt Dmitrij Chwostow wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft. Kurz zuvor hatte er sein Amt als Vizegouverneur der Region Wladimir, zuständig für Bauwesen, Architektur und Forstwirtschaft, verloren. Nun wurde über Pfingsten Vizegouverneurin Jelena Masanko, verantwortlich für Liegenschaften und Grundstücksverwaltung, wegen des Vorwurfs festgenommen, von Geschäftsleuten etwa drei Millionen Rubel als „Geschenk“ angenommen zu haben. Ihre mutmaßliche Gegenleistung: die Bevorzugung eines Unternehmens aus der Region Kemerowo, wo sie bis zu ihrer Berufung nach Wladimir vor vier Jahren selbst lebte und arbeitete, bei einem Auftrag aus dem Jahr 2014 zur Renovierung und Möblierung des „Weißen Hauses“, wie die „Staatskanzlei“ des Gouvernements Wladimir gern genannt wird. Gestern entschied ein Gericht in Moskau, wo die Beschuldigte ihren Erstwohnsitz hat, die Beamtin auf Antrag der Verteidigung bis Anfang August unter Hausarrest zu stellen – Verdunkelungsgefahr bestehe nicht, da man alle Unterlagen sichergestellt habe – und das Verfahren unter Ausschluß der Öffentlichkeit fortzusetzen. Grund hierfür: Jelena Masanko ist an Krebs erkrankt und hat ein Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre.

Jelena Masanko

Gleich wie der Fall ausgehen mag, bringt die Causa der Region Wladimir landesweit viel unerwünschte mediale Aufmerksamkeit. Der Kampf gegen die scheinbar unausrottbare Korruption gilt als „Staatsräson“,  der Oppositionspolitiker und Präsidentschaftskandidat in spe, Alexej Nawalnyj, hat sich das Thema wie kein anderes auf die Fahnen geschrieben, und die Strafverfolgungsbehörden schauen genauer hin, nehmen jeden Hinweis, jede Aussage sehr ernst. Regional diskutiert man nun, ob da noch mehr im Busch sei, wer noch auf der Fahndungsliste stehen und was dies am Ende für Gouverneurin Swetlana Orlowa bedeuten könnte. Den Ernst der Lage beschreiben ausgerechnet die „Wladimirskije Wedomosti“ besonders drastisch, wenn das „Amtsblatt“ der Regionalverwaltung befürchtet: „Die Sache bedeutet einen vernichtenden Schlag gegen das Ansehen des Gouvernements Wladimir und gegen das Ansehen der Gouverneurin, Swetlana Orlowa.“ Diese – gerade zurück vom Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg, wo sie für Investitionen in ihrer Region geworben hatte – nannte die Verhaftung ihrer Stellvertreterin gegenüber TASS eine „Provokation“ und versicherte, Jelena Masanko habe kein Schmiergeld angenommen.

Jelena Masanko

Bleibt zu hoffen, daß nicht passiere, was man häufig in derlei Dingen erlebt: Im Lauf der Ermittlungen tauchen weitere Verdachtsfälle auf, wenn der Revisor sich traut, auf den Tisch zu hauen, der mit Cognac vollgestellt ist, um den russischen Liedermacher und Erzähler Anatolij Ras zu paraphrasieren.

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