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Archive for 7. April 2017


Was Sie noch über Wladimir wissen sollten:

Kirschendenkmal in Wladimir

16. Gespensterhaus nennt man ein Gebäude aus dem späten 18. Jahrhundert, in dem heute ein Ausstellungssaal untergebracht ist und das ursprünglich als Verwaltungstrakt geplant war, in das dann aber 1796 der Gouverneur einzog. Offenbar hatte man beim Bau gepfuscht, und so waren (sind?) „Stimmen“ aus einem Zwischenraum hinter den Wänden zu hören. Einer anderen, prosaischeren Version zufolge fühlten sich die Einheimischen von den Beamten in dem Gebäude an Gespenster erinnert, die sich wie hörbare Schatten hinter den Vorhängen der Fenster zuschaffen machten.

17. Der offiziellen Statistik zufolge ist kein einziger Fluchtversuch aus dem Wladimirer Zentralgefängnis gelungen. Allerdings gibt es eine Legende, wonach es in den 70er und 80er Jahren zwei Häftlingen gelungen sein soll, die mit Stacheldraht bewehrte Gefängnismauer zu überwinden. Doch damit waren sie statt in der Freiheit auf dem Exerzierplatz des nebenan gelegenen Juristischen Instituts gelandet und blieben von den Studenten und Dozenten nicht unbemerkt. Oft hört man auch, einer der Begründer der Roten Armee, Michail Frunse, sei aus dem Gefängnis geflohen. Die Flucht gab es tatsächlich, allerdings nicht aus dem Gefängnis, sondern aus dem Gerichtsgebäude in der Nähe des Kathedralenplatzes. Wegen der zu Zeiten der Sowjetunion hier einsitzenden Dissidenten wurden in Erlangen Überlegungen laut, die Partnerschaft gar nicht erst zu begründen. Es kam gottlob anders.

18. Als eines der Wunder von Wladimir gilt der Patriarchengarten. Dank seiner einmaligen Lage und seinem Mikroklima konnte hier eine reichhaltige Sammlung von Pflanzen gedeihen. Der Überlieferung nach wurde der Garten schon in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von Fürst Andrej Bogoljubskij angelegt, der oberhalb davon seine Residenz erbaute.

19. In Wladimir gibt es das wohl weltweit einzige Kirschendenkmal, errichtet 2014 am Eingang zum Patriarchengarten als Symbol der Stadt mit einer alten Obstbaukultur.

20. Fürst Wladimir Monomach hatte die Kirschen (Weichselkirschen), ohne die man sich heute Wladimir gar nicht mehr vorstellen mag, aus Kiew mitgebracht und mit ihnen die Tradition, am Fürstenhof und in Klöstern Kirschgärten anzulegen. Ein Nachklang davon ist in Anton Tschechows Stück „Der Kirschgarten“ zu hören.

21. In Wladimir wurde Michail Lasarew geboren, der 1820 an jener Expedition teilnahm, die den sechsten Kontinent, die Antarktis, entdeckte.

22. Aus Wladimir stammt der Komponist Sergej Tanejew, der eine ganze Plejade von berühmten Musikern ausbildete, darunter Sergej Prokofjew, Sergej Rachmaninow und Alexander Skrjabin.

23. Im Wladimirer Priesterseminar studierten Michail Speranskij, ein großer Reformator, Gesetzgeber und Begründer der russischen Rechtswissenschaften, sowie Iwan Zwetajew, Philologe, Kunstwissenschaftler und Gründer des Puschkin-Museums in Moskau für Schöne Künste – sowie Vater der Lyrikerin Marina Zwetajewa.

24. Wladimir ist die Heimatstadt von Nikolaj Andrianow (2011 verstorben), dem absoluten Rekordhalter im Turnen mit 15 Olympischen Medaillen, wofür er einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde erhielt.

25. Im Wladimirer Planetarium befindet sich landesweit das einzige Diorama, das zeigt, wie das sowjetische Raumschiff Energie-Buran aufstieg.

26. Am Steuer des ersten Autos in Wladimir – es war ein Ford – saß häufig eine Frau.

27. Die Stimme, mit der man bis heute in den Nachfolgestaaten der UdSSR die Nachrichten von der Front des Zweiten Weltkriegs verbindet, gehört Jurij Lewitan aus Wladimir. Wegen seiner einzigartigen Suggestivkraft betrachtete Adolf Hitler den Radiosprecher als größten Staatsfeind des Dritten Reiches, gefährlicher noch als Josef Stalin selbst.

28. Fast alle Gewässerbezeichnungen und viele Ortsnamen in der Region gehen auf finno-ugrische Wurzeln zurück, also auf eine Zeit vor der Besiedlung durch die Slawen.

Jurij Lewitan

 

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