Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 18. März 2017


Gestern begleiteten Verwandte, Angehörige und Freunde eine großartig den Menschen zugewandte Frau auf ihrem letzten Weg, ganz im Geiste des Psalms „Befiehl dem Herrn deine Wege, er wird’s wohl machen“, den sie noch selbst für ihre Trauerfeier – ebenso wie die Lieder – ausgewählt hatte. Dabei machte Lieselotte Rossa, mit 92 Jahren im Kreis der Familie verstorben, sicher vieles wohl im Leben – eher im stillen und verborgenen, dafür mit ungeteilter Aufmerksamkeit und behutsamem Feingefühl, stets unterstützt vom Serviceklub „Inner Wheel“, an dessen Gründung sie 1993 mitgewirkt hatte. Vielen kam dieses Wohl zugute, in Erlangen vor allem alten Menschen, in Wladimir vornehmlich alleinerziehenden Müttern.

Lieselotte Rossa

Es war 1999, als Lieselotte Rossa, mit 20 Jahren aus der Kleinstadt Johannisburg im ermländischen Masuren vor der Roten Armee geflohen, einen Kreis von etwa einem Dutzend Familien ins Leben rief, die monatlich einer jungen Familie in der Partnerstadt einen individuell festgelegten Betrag zukommen ließen. Um gegenseitige Abhängigkeiten und Verpflichtungen zu vermeiden, vereinbarte man Anonymität, die Verteilung der Spenden übernahm der Wladimirer Kinderschutzbund je nach Bedürftigkeit. Bis heute gibt es aus diesem Kreis Überweisungen für Wladimirer Mütter in Not. Auch über ihren Tod hinaus also wirkt nach, was Lieselotte Rossa zu ihren Lebzeiten wohl gemacht. Dennoch: Der Weggang dieser Wohltäterin schmerzt – auch weil die Verstorbene jener Generation angehörte, die Krieg, Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebten und dennoch in sich die Kraft fanden, nicht im Zorn zurückzublicken, sondern die Verständigung mit dem einstigen Feind zu suchen, ihm die Hand zu reichen. Dieses Vorbild, Versöhnung zu leben, wird ebenso fehlen wie der Mensch Lieselotte Rossa. Wer sie kannte, wird ihr ein dankbares Gedächtnis bewahren.

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: