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Archive for 7. März 2017


Die Religionswissenschaftler der FAU und der Universität Wladimir untersuchen seit Jahren die Auswirkungen des Religionsunterrichts an russischen Schulen. Wie umstritten das Fach ist, zeigt folgende Denkschrift des Politologen Roman Jewstifejew, der an der Wladimirer Akademie für Verwaltung und Wirtschaft lehrt:

Als Atheist nicht militant zu sein, bedeutet keineswegs, ein Schwächling zu sein, der sich alles gefallen ließe. Nicht militant bedeutet, niemandem etwas Böses zu wünschen und der Entwicklung religiöser Kulte absolut friedfertig gegenüberzustehen, solange sie in dem vom Staat vorgegebenen Gesetzesrahmen verläuft. Nicht militant bedeutet, die Religion nicht auf ihrem Gebiet zu bekämpfen. Aber nicht militant bedeutet nicht, unsere Kinder und uns selbst religiösen Vorurteilen zu überlassen. Keinesfalls. Wenn jemand nicht dort bleiben will, wo es die Gesetze unseres Landes vorgeben, ist es unsere Pflicht als Bürger, als Patrioten, die Gesetzmäßigkeit wiederherzustellen, uns selbst und unsere Kinder vor gesetzeswidrigen Einwirkungen zu schützen. Wenn das aus bestimmten Gründen heute die Staatsorgane nicht übernehmen, ist das kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen und alles auf der Welt zu verfluchen. Man muß nur anfangen, sein Gebiet und das der eigenen Kinder zu schützen. Das sind Recht und Pflicht, uns übertragen von der ganzen russischen Geschichte, ausbedungen von unseren Vorfahren und erstritten in einem langen und schweren Kampf. Wir haben dieses Recht, und wir müssen es verteidigen.

An der Tafel: „Es gibt keinen Gott.“ Bildunterschrift: „Heute nehmen wir in der Religionsstunde durch, was abseits allen Errungenschaften der Zivilisation liegt.“

Zu bedenken gegeben sei, daß nicht ich es bin, der in eine Kirche eindringt und ruft: „Es gibt keinen Gott!!!“ Dergleichen würde ich mir nie erlauben. Nein. Sie sind es, die in die Schulen kommen und unseren Kindern ihre Dogmen eintrichtern, Kindern, die in säkularen Traditionen erzogen wurden und zu gegebener Zeit selbst für sich entscheiden, wer sie in dieser Welt sein wollen. Und so soll also ich beweisen, daß die Popen in der Schule nichts zu suchen haben. Gut, wenn das so sein sollte, beweise man mir, daß ich nicht auch in der Kirche einen Vortrag über den Atheismus halten darf. Eine Ringvorlesung. Jeden Sonntag in die Kirche kommen und vor der Messe mit lauter Stimme über die Nichtigkeit der religiösen Glaubensinhalte sprechen. Aber da gibt es ja nichts zu beweisen! Da stellt sich der Staat mit herausgedrückter Brust schützend vor die religiösen Gefühle. Genauso sollte er auch für den Schutz unserer Kinder vor jeglicher Religion in einer säkularen Einrichtung einstehen. Andernfalls gibt es – da sei Gott davor – Krieg.

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