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Archive for 31. August 2016


Erstmals erhält ein Junge in der Russischen Föderation den Vornamen Putin. Auf Anregung des Großvaters von Rassul Dschurajew, eines erklärten Verehrers des Staatspräsidenten, haben die aus Tadschikistan stammenden und nach fünf Jahren in Moskau nun seit eineinhalb Jahren in einem Dorf bei Alexandrow in der Region Wladimir wohnenden Eltern die Namensänderung beantragt. Die Behörden, so berichten lokale Medien, fanden nach anfänglicher Skepsis keinen formalen Grund, dem Ansinnen nicht nachzukommen, und so wird der Kleine wohl bald als erster auf den Nachnamen des ersten Mannes im Staate hören müssen.

Putin Dschurajew und seine Eltern

Putin Dschurajew und seine Eltern

Sicher zumindest kurios diese Namensgebung, zumal man gespannt sein darf, welche Koseformen für Putin verwendet werden. Ein russischer Vorname steht nämlich nur formal im Ausweis; im richtigen Leben – je nach Alter, Umgebung und Situation – hören die Menschen aber auf ganz andere Varianten mit jeweils ganz unterschiedlichen Abstufungen der menschlichen Nähe. Um nur Wladimir als wohlfeiles Beispiel zu wählen. Den ruft man im Kindesalter gern Wowa, Wolodjenka oder Wowotschka, später Wolodja oder Wowtschik. Man versuche das einmal mit Putin. Oder doch lieber nicht?

Präsidiale Devotionaliensammlung der Familie Dschurajew

Präsidiale Devotionaliensammlung der Familie Dschurajew

Kuriose Eigennamen gab es übrigens besonders in der frühen Sowjetzeit und in der Periode des Personenkults, die unter Genosse Josef Stalin Stilblüten trieb in der Art von Stalen (zusammengesetzt aus Stalin und Lenin), Ninel (Akronym von Lenin), Stalij oder Stal (maskulines oder feminines Adjektiv des Pseudonyms von Josef Dschungaschwili), Stalber (zusammengesetzt aus Stalin und Berija) oder Wladlen (gebildet aus den Anfangssilben von Wladimir und Lenin). Noch nicht bizarr genug? Dann sei mit Ikki gedient, der russischen Abkürzung für Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationalen. Überliefert ist auch noch Nisercha, zu dechiffrieren als Nikita Sergejewitsch Chruschtschow. Zur Ehrenrettung der sowjetischen Eltern sei gesagt, daß derartige Wortungetüme eher selten Eingang in die Geburtsurkunden fanden, und spätestens seit der Machtübernahme durch Leonid Breschnjew und der schleichenden Entzauberung der Sowjet-Ideologie verschwanden all diese Kunstnamen aus den Registern, und die Kinder wurden wieder nach christlichen Märtyrern, griechischen Heroen, slawischen Helden, skandinavischen Adeligen, alttestamentarischen Gottesknechten genannt, bevor zunehmend auch westliche Vorbilder in Mode kamen.

Sowjetische Vornamen

Sowjetische Vornamen: Widlen – Große Ideen Lenins

Übrigens auch in Deutschland gibt es in dem Bereich Kuriosa: Vor einem Jahr ging der Vorname Angela Merkel durch die Medien. Ophelya Adé, aus Ghana geflüchtet, hatte ihre Tochter nach der deutschen Kanzlerin genannt – als Zeichen der Dankbarkeit und Anerkennung. Motive, die man durchaus auch der Familie aus Tadschikistan gegenüber dem russischen Präsidenten unterstellen darf. Dennoch eher fraglich, daß sich die beiden Vornamen durchsetzen. Den Kindern wird das nur recht sein.

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