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Archive for 28. August 2016


Ein ganz entscheidender Wirtschaftszweig der Region Wladimir ist die Rüstungsindustrie. Der größte Betrieb aus diesem Sektor, das Degtjarjow-Werk in Kowrow, die seinerzeit mit dänischem Kapital und westlicher Technik gegründete erste private russische Aktiengesellschaft zur Waffenproduktion, von den Kommunisten später verstaatlicht, feiert in diesen Tagen sein hundertjähriges Bestehen. Aus wirtschaftlichen Gründen besteht auch aller Grund zum Feiern, denn, wie Wladimirer Medien berichten, gelang es, im ersten Halbjahr 2016 Waffen im Wert von 16 Milliarden Rubel zu verkaufen, das Dreifache gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahrs – und das, obwohl sich die Produktion um fast ein Drittel verringert hat, zu erklären dadurch, daß das Absatzplus durch den nachträglichen Verkauf von bereits 2015 hergestellten Rüstungsgütern entstand. Größter Abnehmer der Raketensysteme ist das Ausland, besonders Indien, wohin 40% der Exporte gehen.

Rüstungswerk in Kowrow

Rüstungswerk in Kowrow

Der Produktionsrückgang in diesem Jahr hat nichts mit nachlassender Nachfrage zu tun, vielmehr arbeitet man in der gut 60 km nordöstlich von Wladimir gelegenen Stadt an einer neuen Raketengeneration, die halbautomatisch funktionieren und mit neuester Elektronik ausgestattet sein soll. Wie schon zu Sowjetzeiten rollen hier auch zivile Güter vom Band, vom Motorrad bis zu Nutzfahrzeugen, deren Motoren allerdings chinesischer Herkunft sind. Freilich trägt dieser nichtmilitärische Sektor kaum etwas zum Gesamtergebnis bei, kann eher als „kollateral“ gesehen werden. Dabei geht es insgesamt um große Investitionen: Jahr für Jahr investiert man 400 Millionen Rubel in die Modernisierung der Produktion, kauft Anlagen aus Deutschland und Italien, hat aber erst 10% des Werks auf den neuesten Stand der Technik gebracht, wobei 50% nötig wären. Hinderlich dabei die Probleme mit der Stromversorgung. Immer wieder auftretende Ausfälle, sogenannte Brownouts, setzen den importierten Aggregaten zu und verkürzen deren Lebensdauer auf gerade einmal zehn Jahre.

Wassilij Degtjarjow

Wassilij Degtjarjow

Dennoch, das Werk in Kowrow, benannt nach Wassilij Degtjarjow, Pionier der russischen Entwicklung und Produktion von Schützenwaffen und Maschinengewehren, gehörte 2015 mit seinen fast 11.000 Mitarbeitern zu den 200 systemrelevanten Betrieben der Russischen Föderation und gilt mit 5,3% Anteil am öffentlichen Haushalt als der größte Steuerzahler der Region Wladimir.

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