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Archive for 24. August 2016


Ein seltener Fund ist bei Grabungen in der Nähe von Susdal in der Region Wladimir gemacht worden. Archäologen stießen bei ihren Arbeiten auf eine heidnische Begräbnisstätte aus der Periode 9.-10. Jahrhundert mit einer Biberpfote aus Ton als rituelle Beigabe. Außerhalb der Grenzen der seinerzeitigen alten Rus, also des Verbands von Fürstentümern vor der Zarenzeit, sind derartige Gegenstände nur noch auf den Alandinseln und auf dem schwedischen Festland entdeckt worden.

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Seit bereits sechs Jahren graben russische Wissenschaftler an der Stätte mit Namen Schekschowo, einer Grabanlage, die erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erforscht wurde. Mittlerweile hat man in sieben Grabhügeln 25 Beisetzungen lokalisiert und ungefähr 2.000 mittelalterliche Artefakte zu Tage gefördert. Schmuck, Waffen, Münzen, Gebrauchsgegenstände.

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Die jetzt freigelegten Gräber datieren die Forscher auf das 11. Jahrhundert, die Arbeiten sind dabei aber noch längst nicht abgeschlossen. Ein weiterer Grabhügel wurde nun teilweise geöffnet und offenbarte die Überreste der Kremation eines Menschen und seines Pferdes sowie 80 Objekte aus Buntmetall, Eisen, Knochen und Ton, die ebenfalls verbrannt worden waren, darunter auch die Biberpfote und einen Tonring, traditionelle rituelle Grabbeigaben aus dem 9. bis 10 Jahrhundert für Edelleute des Wolga-Oka-Stromgebiets.

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Noch weiß man nicht, was Biberpfote und Ring zu bedeuten haben, aber zumindest dem Biber glaubt man, eine rituelle Bedeutung zuschreiben zu können, da er in der damaligen Zeit mit seinem Pelz eine große Bedeutung für den Handel hatte. Gleichzeitig belegt der Fund – der letzte seiner Art liegt mehr als 150 Jahre zurück – die schon damals engen Verbindungen, die zwischen der skandinavischen Kultur und den slawischen Stämmen im heutigen Zentralrußland bestanden und wohl auch zur Machtentfaltung der Rurikiden ab dem 9. Jahrhundert beitrugen, also jener Dynastie zum Aufstieg verhalfen, die über Kiew, Wladimir und dann auch Moskau herrschen sollte, bis nach dem Tod von Iwan dem Schrecklichen und folgenden Zeit der Wirren Anfang des 17. Jahrhunderts die Romanows den Zarenthron bestiegen. Ein weiter Weg von der Biberpfote bis zum Zepter, aber durch den Fund bei Susdal mit einer weiteren Station belegt.

 

 

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