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Archive for 14. August 2016


Auch wenn der heutige Beitrag als Verstoß gegen die selbstgesetzte Regel gewertet werden kann, nach den wiederholten Dopingfällen nicht mehr aus der Welt des Wladimirer Leistungssports zu berichten, erscheint es doch erhellend, einmal nachzulesen, was derzeit in Politik und Gesellschaft so alles zum Thema gedacht und gesagt wird. Beginnen wir mit dem Politologen Roman Jewstifejew, der in seinem Blog schreibt:

Ich bin der Meinung, der Leistungssport bringt der modernen Gesellschaft mehr Schaden als Nutzen. Früher einmal betrachtete man die sportlichen Schlachten als Ersatz für Kriegshandlungen. Heute liegt dies als Irrtum auf der Hand. Gewaltige Mittel und Ressourcen werden nämlich sowohl für den Spitzensport als auch für den Krieg aufgewendet. Dabei verkrüppeln die Sportler die eigene Gesundheit und nötigen die Fans, sich daran zu erfreuen. Das ist nicht nur unmoralisch, sondern, wie ich meine, völlig falsch hinsichtlich der Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft. Fördern müßte man den Breitensport und die Gesundheit der Menschen. Die Verbindung zwischen Breitensport und Leistungsport ist ausgesprochen zweifelhaft. Ginge es nach mir, müßte man nicht nur die russischen Athleten von den Wettkämpfen ausschließen, sondern überhaupt allen Sportlern den Auftritt verweigern und den Leistungssport aus dem modernen Leben verbannen. Es ist an der Zeit, diesen sinnlosen Jahrmarkt der staatlichen Eitelkeit zu beenden, mit dem physische und pharmakologische Quälereien der Athleten sowie die moralische Degradierung der Fans einhergehen.

Doping

Der wegen Dopings für vier Jahre gesperrte Gewichtheber Alexej Lowtschew aus der Region Wladimir, den Gouverneurin Swetlana Orlowa nach dessen Ausschluß von allen internationalen Wettkämpfen und der Aberkennung seines Weltmeistertitels aus dem Vorjahr als Sportberater und „echten russischen Recken“ an ihre Seite geholt hat, betrachtet all dies ohne jeden Verdacht auf Einsicht oder gar Reue im Interview mit einem russischen Sportsender wie folgt:

Hinsichtlich der jüngsten Entwicklungen in der Sportwelt kann man sagen, es sollte wohl alles so kommen. So traurig das auch klingen mag. Bis zuletzt glaubten alle, unsere Mannschaft werde nach Rio fahren und allen kräftig einheizen. Ich bin sprachlos. Die Lage ist schwierig für unsere Leute. Es geht ja in erster Linie um das Schicksal von Athleten, die ihr ganzes Leben dem Sport geopfert haben. Auch für den Staat ist dies ein großer Verlust. Das olympische Motto „schneller, höher, weiter“ ist dahin. Traurig ist das. Hoffentlich wird es mit der Zeit still um die Sache, legt sich die Aufregung. Und dann kann sich das russische Sportministerium um dem ganzen Schmutz kümmern, der über unsere Sportler ausgegossen wird. Die Welt-Antidoping-Agentur nimmt sich selbst und ihr Labor in Schutz. In der Entscheidung des Schiedsgerichts sehe ich auch keine Gerechtigkeit. All das sind Glieder in einer Kette…“

Als der einzige Olympionike Wladimirs, der Turner Nikolaj Kuxjonkow, in der Mannschaftswertung dieser Tage die Silbermedaille gewann, bewegte das die bereits zitierte Landesmutter, Swetlana Orlowa, zu dem Ausspruch: „Er lebt, trainiert und atmet in dieser Luft, er atmet es ein, dieses starke, ich möchte sagen, energetische Gebiet Rußlands, wie es die Region Wladimir ist.“

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