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Archive for 13. August 2016


Unsere Lebensweise ist so angelegt, als könnten wir nach wie vor ungestraft aus dem vollen schöpfen, dabei ist die Erde längst erschöpft durch unser fortgesetztes Haushalten ohne Maß und Vernunft, ausgerichtet allein am scheinbar unumkehrbaren Mechanismus einer Gier nach immer mehr Konsum, getrieben von der Vorgabe, genug sei nicht genug. In einer Erhebung des WWF zum Ressourcenverbrauch vergeben einander Rußland und Deutschland auf den Plätzen fünf und sechs kaum etwas. Der größte Flächenstaat der Welt handelt, als stünden der Menschheit statistisch 3,3 Erden zur Verfügung, und Deutschland verschleißt den Planeten in einer Weise, daß 3,1 Erdkugeln nötig wären, um all die Rohstoffe zu liefern, die wir meinen zu brauchen, um unseren Wohlstand zu mehren. Seit dem 5. August nun leben wir alle auf dem Globus im Debit, konsumieren mehr, als im Rest des Jahres nachwachsen kann, bräuchten eigentlich das 1,6-fache der Welt, um im Gleichgewicht zu leben.

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Da freut es besonders, von einer botanischen Wiederentdeckung in der Region Wladimir zu hören. 1886 hatte man im Landkreis Sudogda zuletzt ein Exemplar der Sumpf-Weichorchis gesichtet, seither gilt diese kleine Orchidee im Gouvernement als ausgestorben, wie übrigens fast überall in ihrem ehemaligen Verbreitungsgebiet der zumeist trockengelegten Hoch- und Zwischenmoore Europas, leider auch in Deutschland, wo die Art wohl erloschen  und nur noch im Alpenvorland anzutreffen ist, – in Restbeständen. In 66 der 85 Subjekte der Russischen Föderation findet man die unscheinbare Blume fast auch nur noch in der Roten Liste. Der Lebensraum, die Sümpfe, fehlen eben, seit der Mensch diese urbar gemacht, zu seinem Nutzen und Frommen. Auch der neuentdeckte Standort in einem Moor des Nationalparks Meschtschjora zählt nur wenige, gerade einmal neun Exemplare der Spezies. Die Naturschützer versprechen nun, alles zu tun, um den Bestand zu erhalten, und 2018, wenn die Neuauflage der Roten Liste bedrohter Arten der Region Wladimir erscheint, wird die Hammarbya paludosa in dem Verzeichnis einen Ehrenplatz einnehmen und den notwendigen Schutz erhalten. Denn vorerst haben wir nur diese eine Welt, auch wenn die Wissenschaft gerade über die Entdeckung eines erdähnlichen Planeten jubelt…

P.S.: In Rußlands Weiten gedeihen ca. 250 Orchideenarten, allerdings nur 27 in der Region Wladimir, von denen fünf bereits als erloschen gelten, weil man sie seit mehr als einhundert Jahren nicht mehr registriert hat, und 17 in die Regionale Rote Liste eingetragen sind, von denen wiederum acht Arten auch in die Rote Liste Rußlands Aufnahme gefunden haben.

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