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Archive for 8. August 2016


Das Motto für den gestrigen Abschiedstag der Wladimir-Veteranen gab Günther Liebisch aus Walkenried im Harz aus:

Fritz Wittmann und Günther Liebisch

Fritz Wittmann und Günther Liebisch

Vergebung und Mitgefühl haben nichts mit Schwäche oder Sentimentalität zu tun. Sie erfordern Ehrlichkeit und Mut. Nur durch sie läßt sich der ersehnte Frieden herbeiführen.

Otmar Koch und Günter Kuhne

Otmar Koch und Günter Kuhne

Gefangen!! Wer könnte es sich vorstellen! Nur der, der es selbst miterlebt hat.

So beginnt, datiert mit dem 4. Mai 1945 das Tagebuch des Deutsch-Brasilianers Horst Ewaldo Brenke und fährt fort:

Fränkische Gastlichkeit

Fränkische Gastlichkeit

Am 28. April hat nun auch für mich die Freiheit ein Ende genommen. Sitze in einem großen Gefangenenlager, welches noch in Deutschland liegt, und zwar ist es das Lager, welches früher englische und amerikanische Kriegsgefangene beherbergte. Es ist das große Lager in Sagan. Zu Fuß sind wir hierher marschiert! Man kann sagen, jeden Tag 50 km machend, nur mit einigen kurzen Pausen von 15 Minuten, die nur dazu dienten, die Ermattung noch deutlicher in den Gliedern hervortreten zu lassen. Acht Tage voller Qualen, die wohl nicht die letzten sein sollen! Für viele war es der Todesmarsch. Jeder bemühte sich, in der Mitte zu bleiben, denn am Ende der Reihe war es immer sehr gefährlich. Aber schließlich habe ich die erste Etappe überstanden! Was kommt nun?

WernerMartin und Fritz Wittmann

Werner Martin und Fritz Wittmann

Seine Ahnung von weiteren Qualen sollte den 1926 in Curitiba geborenen Berliner nicht trügen, der im Januar 1945 eingezogen worden war und nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft im Juni 1946 aus dem Lager in Wladimir in die brasilianische Wahlheimat seiner Eltern zurückkehrte und dort 1979 verstarb. Einige Seiten weiter, schon in Wladimir, heißt es dann im Tagebuch:

Fritz Wittmann und Paul Hütter

Fritz Wittmann und Paul Hütter

Um fünf Uhr morgens war Wecken! Dann wurde die morgendliche Brennesselsuppe mit 200 g Brot gefaßt. Nachher ging es zum Baden. Oh! Welch ein Genuß! Jetzt ist es fünf Uhr nachmittags, wir sind gerade zurück. Der Weg ist sehr weit. Das war unser Sonntagsvergnügen. Morgen geht’s wieder an die Arbeit. Und zwar mache ich, da es für technische Zeichner in Rußland keine Arbeit gibt, den Handlanger. Graben, Erde schleppen, planieren, abladen, kurz gesagt – alles mögliche. Sie ist nicht leicht, die Arbeit, aber man denkt nicht so viel an zu Hause. Die Polen und Franzosen sind schon von hier weg! Ob ich als Brasilianer auch bald fortkomme? Oder sind es nur Träume? Sehen wir uns überhaupt nochmal wieder? Lebt Ihr noch?

Friedhelm Kröger und Richard Dähler

Friedhelm Kröger und Richard Dähler

Gefühle und Gedanken, die auch die Veteranen, die nun wieder nach Wismar oder Gera, in den Harz oder in den Westerwald zurückkehren, aus eigenem Erleben kennen, Gefühle und Gedanken, die nicht nur mit der Vergangenheit verbinden, sondern mahnen, dergleichen in Zukunft nicht mehr geschehen zu lassen. Man möchte rufen: „Politiker dieser Welt, hört auf diese Stimmen!“

 

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