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Archive for 7. August 2016


Keiner der ehemaligen Wehrmachtssoldaten, die jene Zeit der Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir ebenso verbindet wie der Wunsch nach Verständigung und Aussöhnung zwischen Deutschen und Russen, hat je eine öffentliche Petition oder Eingabe unterzeichnet – bis gestern, nach einem Besuch des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg, als die neunköpfige Gruppe sowie die beiden Gäste, Otmar Koch aus der Wachau (sein Vater verstarb im Wladimirer Traktorenwerk) und Richard Dähler aus Zürich, der zum Komplex der japanischen und deutschen Kriegsgefangenschaft in sowjetischen Lagern promoviert hat, die Erlanger Erklärung für den Frieden unterzeichnete. Im Beisein von Bürgermeisterin Susanne Lender-Cassens, die den Nachmittag mit den Gästen im Wohnstift Rathsberg verbrachte und die Hoffnung zum Ausdruck brachte, die jüngeren Generationen mögen sich an der Friedensarbeit der Veteranen ein Beispiel nehmen.

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Der Friedenskreis von Fritz Wittmann

Erlanger Erklärung für den Frieden

August 2016

Vor 75 Jahren überfiel die Wehrmacht die UdSSR und eskalierte damit nicht nur den Zweiten Weltkrieg in bis dahin unvorstellbarer Grausamkeit, sondern brachte besonders über die Völker der Sowjetunion unendlich viel Leid. Als ehemalige Soldaten der Jahrgänge 1922 bis 1928 wissen wir aus eigenem Erleben, welche Wunden damals geschlagen wurden, wie viele Opfer auf allen Seiten das Morden kostete.

Der Veteranenkreis auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Der Veteranenkreis auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg

Allerdings durften wir auch in den Jahren der Gefangenschaft in Lagern in und um Wladimir viel Menschlichkeit erleben und sind bis heute all jenen im einstigen Feindesland dankbar für die zur Vergebung ausgestreckte Hand, sind glücklich über für das Wunder der Versöhnung, das wir erfahren dürfen.

Susanne Lender-Cassens und Friedhelm Kröger

Susanne Lender-Cassens und Friedhelm Kröger

Wir sehen deshalb mit großer Sorge, wie in jüngster Zeit die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation nach Jahren der freundschaftlichen Annäherung auf fast allen Ebenen von Spannungen und gegenseitigen Vorwürfen geprägt sind, wie der Dialog immer schwieriger wird. Gerade jetzt aber sollte zur Erhaltung des Friedens alles unternommen werden, um die Gespräche und Kontakte zwischen unseren Ländern zu fördern und zu intensivieren.

Susanne Lender-Cassens mit dem Veteranenkreis im Wohnstift Rathsberg

Susanne Lender-Cassens mit dem Veteranenkreis im Wohnstift Rathsberg

Ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann, sehen wir in der Partnerschaft zwischen Erlangen und Wladimir. Wir hätten uns damals, während der Gefangenschaft und in den Jahren des Kalten Krieges danach, nie vorstellen können, wie einmal wieder freundschaftliche Begegnungen zwischen Deutschen und Russen möglich würden. Umso größer unsere Freude darüber, nun Teil dieses Werks der Verständigung zu sein, zumal viele von uns dank der Städtepartnerschaft auf den Spuren unserer Lagerzeit nach Wladimir zurückgekehrt sind, wo wir wieder Menschen trafen, darunter Kriegsveteranen, die uns mit offenen Armen und dem Angebot empfingen, einander das Böse von damals nicht mehr aufzurechnen.

Kurt Seeber und Susanne Lender-Cassens

Kurt Seeber und Susanne Lender-Cassens

Wir wenden uns deshalb – auch im Namen unserer bereits verstorbenen Kameraden – an alle, die hier wie dort in Politik und Gesellschaft Verantwortung tragen, mit der dringenden Bitte, nichts unversucht zu lassen im Bemühen darum, die Völkerverständigung zu fördern, den Frieden zu wahren und möglichst viele solcher vertrauensstiftenden Verbindungen zu schaffen, wie sie zwischen Erlangen und Wladimir bestehen. Davon können wir nämlich gar nicht genug haben, denn, um mit dem russischen Denker und Dichter, Leo Tolstoi, zu sprechen: „Wo es Armee und Krieg gibt, sind dem Bösen keine Grenzen gesetzt!“

Friedenserklärung

„Hoffentlich nützt es etwas“, meinte Philipp Dörr, als er seine Unterschrift als erster unter das Dokument setzte, „aber nichts tun, das hilft ja auf gar keinen Fall!“ In Berlin und Moskau, so sein Wunsch, sollten die Politiker den Appell lesen, um endlich wieder zu einer guten Zusammenarbeit zu finden, denn, so der Veteran: „Wir brauchen einander mehr denn je!“

Der Veteranenkreis in der Wehrkirche zu Effeltrich

Der Veteranenkreis in der Wehrkirche zu Effeltrich

Auch wenn die Anreise nach Erlangen für viele immer beschwerlicher wird – von Wismar bis Zürich, vom Odenwald bis zum Harz oder der Wachau, vom Westerwald bis zum Thüringer Wald und Gera -, gehören doch diese Wochenend-Treffen in wechselnder Zusammensetzung, das mittlerweile dreizehnte in Folge, für sie alle zu den Höhepunkten des Jahres. Für die Gastgeber eine Ehre und Verpflichtung, hoffentlich noch viele Jahre!

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