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Archive for 21. Februar 2016


Nicht so früh, wie angekündigt, mit zwei Jahren Verspätung, aber sie kommt, der Fahrplan für die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Moskau über Wladimir und Nischnij Nowgorod bis nach Kasan nimmt Gestalt an. Im März beginnen in der Region Wladimir die öffentlichen Anhörungen, im Rathaus der Partnerstadt liegen die überarbeiteten Pläne zur Einsicht bereits jetzt aus, nachdem die ersten Entwürfe vor zweieinhalb Jahren zu einer durchaus kontroversen Diskussion des Verkehrsprojekts geführt hatten.

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Welche Dimensionen das Bauvorhaben annimmt, geben folgende Daten zu verstehen: Die Strecke durchquert die Region Wladimir auf einer Länge von 247 km, fünf Kilometer davon liegen auf dem Gebiet der Stadt Wladimir, nur 560 bzw. 345 Meter entfernt von dem eingemeindeten Dorf Mossino und einer geplanten Garten- und Obstbauanlage. Zu errichten sind 200 Brücken, 20 Hochstraßen, zehn Verbindungsrampen und sieben Wildbrücken sowie Dutzende von Viehübergängen. Mit bis zu 400 km/h kann man dann in einer Stunde von Moskau nach Wladimir reisen, von der Partnerstadt bis nach Nischnij Nowgorod dauert die Fahrt nur zehn Minuten länger. 2020/21 soll es schon so weit sein, und zehn Jahre später wollen die Staatsbahn und ihre chinesischen Geldgeber bei einem Passagieraufkommen von 5,1 Millionen Fahrgästen per annum und 40 Verbindungen pro Tag schon die Gewinnschwelle überschreiten.

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Streckenführung der Bahntrasse um Wladimir

Ökologen gaben freilich schon im Vorfeld zu bedenken, daß teilweise karstiger Untergrund zu überwinden sei, außerdem fallen der Trasse gut 25.000 ha Forst zum Opfer, immerhin die Fläche des Nürnberger Reichswalds! Stellenweise kann auch das Grundwasser steigen und zu einer Versumpfung führen, ebensowenig sind Erdrutsche und eben Karsteinbrüche auszuschließen. Auch wenn Ausgleichsflächen für die Rodungen vorgesehen sind, haben es die Eingriffe schon in sich. Nicht anders als die notwendigen Lärmschutzwälle, deren Anblick ja des Erlangers Auge auch nur bedingt erfreut. Dennoch: Alles ist besser als ein „Weiter so“ auf der notorisch überlasteten und verstopften Fernstraße Moskau – Nischnij Nowgorod – Kasan.

Hochbahn über dem Lenin-Denkmal im Zentrum von Wladimir, Montage des Senders Zebra-TV

Hochbahn über dem Lenin-Denkmal im Zentrum von Wladimir, Montage des Senders Zebra-TV

Unterdessen – wo wir schon beim Schienenverkehr sind – prüft die Wladimirer Stadtverwaltung ein Angebot aus Sankt Petersburg, eine Hochbahn zu bauen. Verlockend dabei: Das Projekt soll bei kostenloser Nutzung durch die Bevölkerung die öffentliche Hand nichts kosten, denn die Investitionen will ein Unternehmer mit ähnlichen Plänen auch für andere russische Städte ebenso wie die Betriebskosten aus Werbeeinnahmen finanzieren. Ob das Konzept tatsächlich aufgeht, wird sich noch zeigen. Aber Freifahrt für alle, klingt schon verführerisch. Der VGN dürfte sich darauf jedenfalls nicht einlassen, auch nicht auf der U1-Strecke zwischen Eberhardshof und Stadtgrenze Nürnberg, der einzigen Hochbahntrasse in unserem Raum. Wladimir, du könntest es besser haben!

Siehe auch: http://is.gd/K4FYGl

 

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