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Archive for 1. Februar 2016


Heute nimmt der Blog seine Leser mit auf eine Reise zu den Wisenten im Kljasmensko-Luchskij-Nationalpark, etwa 100 km östlich von Wladimir in einem noch ganz ursprünglichen Zweistromland gelegen. Hier wilderte man 1989 eine kleine Herde von Wisenten aus, der gottlob keine Trophäenjäger, sondern nur noch Wildheger und Wissenschaftler auf der Spur sind, manchmal in deren Schlepptau auch Journalisten, wie von Gubernia 33, die dann grandiose Bilder aus einer Welt mitbringen, die der Mensch bislang so erfolgreich um sich her zu zerstören wußte.

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Jetzt, im Hochwinter, gelangt man nur per Schneemobil tief ins Herz der neuen Heimat der fast schon ausgerotteten europäischen Bisons. Auf einer Fläche von 40.000 ha, bedeckt auf der einen Seite mit Laub-, auf der anderen mit Nadelwald, leben mehr als 30 Exemplare dieser imposanten Wiederkäuer. Und sie sind fruchtbar und vermehren sich.

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An einer Futterstelle, tief im Forst, dann die Begegnung mit den winterharten Riesen. Alles unter Aufsicht eines Wildhüters, der erklärt, wie scheu die Tiere seien, wie schreckhaft sie auf ungewohnte Laute und Gerüche reagieren. Die Wisente zogen sich denn auch nach einem ersten Auftauchen an den Raufen gleich wieder ins Dickicht zurück und ließen sich Zeit: Erst nach zwei Stunden kamen sie wieder und ließen sich aus dem Versteck photographieren und filmen.

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Wo die einen satt werden, können wir uns auch gütlich tun, denken sich da offenbar auch die Wildschweine, die sich in ganzen Rotten – ohne Futterneid oder gar gegenseitige Feindseligkeiten – Seit an Seit mit den Wisenten stärken. Großartige Bilder der Eintracht im Hunger entstehen so.

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Die erste Herde blieb ohne Nachwuchs. 1994 setzte man deshalb weitere Tiere aus. Doch erst zehn Jahre später stellte sich der erste natürliche Nachwuchs ein. Ganz so, als hätten die Wisente zunächst dem Frieden nicht getraut und erst einmal prüfen wollen, wie sich die Gegend für die Familienplanung langfristig eigne. Nun aber haben sie sich das Revier zu eigen gemacht. Eine der Herden wird von der Leitkuh Prima angeführt, die vor fast vier Jahren mit einem Peilsender versehen wurde, der seither stündlich vermeldet, wo sich der Trupp gerade aufhält.

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So weiß man, daß die Wisente sich bevorzugt im Nadelwald aufhalten und Sumpfgebiete meiden, während sie im Sommer gern Ausflüge in die Auen des Luch unternehmen, der nach 240 km Lauf in die Kljasma mündet. All die vielen Erkenntnisse, die man hier gewinnt, teilen die Zoologen mit ihren Kollegen aus Orjol, wo ein ähnliches Auswilderungsprogramm läuft. Und dann denkt man natürlich auch an naturbegeisterte Touristen, denen man eines Tages die Beobachtung der friedlichen Herrscher der Wälder erleichtern möchte. In Zukunft vielleicht auch ein Ziel für Entdecker aus Erlangen?

Hier geht es jedenfalls schon einmal zu den Anfängen des Wisent-Projekts: http://is.gd/ORLBcA, und da ist der Film zu sehen, auch ohne Textverständnis sehenswert: http://is.gd/waHobp

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