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Archive for 22. Oktober 2015


In der russischen Geschichte gibt es immer wieder das Phänomen der Prohibition – mit ähnlichem Erfolg wie in den USA. Im Ersten Weltkrieg war der Verkauf von Wodka untersagt, und die neuen Machthaber um Wladimir Lenin verlängerten das „trockene Gesetz“, wie man auf Russisch sagt, bis 1924. Besser bekannt ist dann Michail Gorbatschows Versuch, von 1986 bis 1990 die Trunksucht durch Einschränkungen bei Produktion und Verkauf von Alkoholika zu bekämpfen. Dabei waren die Spirituosen immer – und sind es bis heute – ein strategisches Produkt, mit dem sich im In- wie im Ausland prächtig Geschäfte machen lassen. 1937 brannte man unter den besonders strengen Reinheitsgeboten der Sowjetunion – nur bestes Getreide kam zum Einsatz – und erzielte große Gewinne im Export. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte man neue Technologien ein. Sand-Quarz-Filter reinigten den Spiritus, und kationische Filter sorgten für ein samtweiches Wasser. Immer neue Sorten tauchten auf, die Qualität stimmte, aber ab den 70er Jahren war auch die ausländische Konkurrenz von „Absolut“ und „Smirnoff“ auf dem Markt.

Nicht zum Verkauf

Nicht zum Verkauf

Wie bei jedem kulturell gebundenen Getränk gibt es bestimmte Trinksitten. Allgemein glaubt man, ein Glas Wodka sei auf einen Zug und ohne abzusetzen zu leeren. Das gilt bei Kennern allerdings nur als Indikator für schlechte Qualität. Guter Wodka will geschätzt sein und in kleinen Schlucken genossen werden, durchaus wie Cognac. Kühl sollte er sein, zwischen acht und zehn Grad, und, anders als in Thrillern, Wodka schmeckt am besten pur, nicht vermischt in einem Cocktail. Empfehlenswert hingegen zum Wodka ein salzhaltiges und stilles Mineralwasser und unbedingt ein paar Happen, am besten warme, die eine bessere Grundlage als kalte geben.

Wodka 6

Die Auswahl ist so reich wie die russische Küche: eingelegtes Gemüse, Pilze in allen Varianten, Fleisch- und Fischstückchen, aber auch Pfannkuchen oder Pelmeni. In jedem Fall aber beim Wodka bleiben, keine Experimente einer Mischung von Wodka mit Bier, Wein oder anderen Rauschmitteln. Diese Art von Mißbrauch kann zu Totalausfall führen. Es soll schon Probanden gegeben haben, die nach dem Genuß derartiger Mixturen Gespräche mit Ziegen begonnen oder jede Kontrolle über ihre Extremitäten verloren haben. Was diese Selbstversuche mit dem menschlichen Nervensystem bewirken können, läßt sich ausführlich in dem Roman „Moskau – Petuschki“ von Wenedikt Jerofejew nachlesen, der übrigens wegen „Flegelei“ einst vom Pädagogischen Institut in Wladimir geflogen ist.

Wodka 8

Es sei deshalb der Rat gestattet: Trinke mit Maßen. Wodka wird gern unterschätzt, hat aber seine Tücken. Er trinkt sich auch ohne „Zubrot“ recht süffig, und die Wirkung stellt sich erst allmählich ein. Wenn man dann auch nur ein Glas zu viel hat, kann es sein, daß man nicht mehr alleine hochkommt vom Tisch. Will man aber mithalten und nicht schon nach den ersten Schlucken aufhören, empfiehlt es sich, längere Pausen zu machen, immer wieder aufzustehen und ein paar Schritte zu tun – und die Happen nicht unbeachtet zu lassen. Nicht minder wichtig: Nur guten Wodka trinken, sprich nur mit Menschen des Vertrauens trinken. Für Anfänger schließlich unbedingt zu empfehlen: Schon vor der Degustation etwas Fettes zu sich nehmen und nie hungrig zu Werke gehen. Auch nicht durstig. Deshalb vorab eine Tasse starken Tees zur Abfederung dessen, was kommen könnte, und am Ende, wenn vielleicht schon alles zu spät ist, hilft grüner Tee in jedem Fall besser als Kaffee!

Wodka 7

Weitere Grundregeln: Spritziges Wasser taugt nicht als Puffer, die Kohlensäure verstärkt eher die Wirkung von Alkohol; Nikotin im Verein mit Alkohol gleicht einem Turbolader; jeder Mix mit Likör und Wein führt später zu großer Pein; auf keinen Fall in angetrunkenem Zustand an die frische Luft gehen, es genügt meist, ein Fenster zu öffnen, um sich etwas Erleichterung zu verschaffen; Hochprozentiges entwickelt seine Wirkung erst mit der Zeit, also keine Eile an den Tag legen. Wenn man guten Wodka also zu besonderen Anlässen mit besonders guten Freunden und unter Einhaltung dieser Regeln trinkt, ist er der pure Genuß, und es bleibt nur zu sagen: sa sdorowje!

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