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Archive for 21. Oktober 2015


Immer wieder hört man auch von gebildeten Deutschen, Wodka brenne man aus Kartoffeln und das Getränk sei ohnehin für ungeübte Trinker nicht zu genießen. Grund genug, um einmal einen Experten wie Alexej Borodin zu Wort kommen zu lassen und seine Erläuterungen mit Bildern aus der Wladimirer Brennerei zu garnieren.

Die Geschichte des Wodkas reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück, aber auf ein genaues Datum lassen sich die Historiker nicht festlegen, noch geben sie den Namen des ersten Brenners an. Bei allem Forschungseifer hält der Streit über Herkunft und Namensrecht in Sachen Wodka bis heute an. Man darf aber wohl davon ausgehen, daß auch schon in früheren Jahrhunderten der Austausch zwischen den Kulturen und Völkern rege vonstattenging, und so liegt es nahe, als Vorläufer des Wodkas im alten Rußland das Aquavit zu sehen, das im 14. Jahrhundert Kaufleute aus Genua in den Osten brachten. Die Italiener hatten das Destillieren von den Arabern erlernt und verwendeten das hochprozentige Lebenswasser in der Medizin.

Wodka 3

Eine der Versionen macht den Mönch Tschudow aus dem Sankt-Isidor-Kloster zum Erfinder des Wodka-Rezepts. Der Gottesmann soll die notwendige Technik beherrscht und Erfahrung bei der Herstellung von weniger starken Getränken gesammelt haben. Folgt man dieser Deutung, fällt der Beginn des Wodkabrennens in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts. So viel spricht für diese Annahme, daß sogar das Internationale Schiedsgericht zu diesem Schluß kommt und Rußland das Recht auf die Nutzung des Begriffs „Wodka“ zuspricht.

Klar zu definieren sind die Rahmenbedingungen der Rezeptur für Wodka, denn damals wie erst recht heute gibt es viel Verwirrung bei der Begriffsbestimmung, denn unter Wodka verstehen viele (selbstgebrannten) Schnaps, verdünnten Spiritus oder hochprozentige Kräuterbitter. Dabei gibt schon der Begriff die Richtung vor: Es handelt sich beim Wort „Wodka“ um eine sprachgeschichtliche alte Nebenform von „woda – Wasser“. Wasser war ja in früheren Zeiten – nicht nur bei den Slawen – ein besonderer Saft. Nicht in jeder Form genießbar, da häufig verseucht, verschmutzt. Trinken konnte man nur das „lebendige Wasser“ aus Fließgewässern und Quellen. „Wodka“ darf man deshalb als eine Ehrenbezeichnung für „Wasser“ verstehen, das man seit dem 9. Jahrhundert auch nutzte, um nach griechischem Vorbild den Wein zu verdünnen.

Wodka 5

Vom zehnten bis dreizehnten Jahrhundert endet dieser Brauch allmählich, und man braut Met mit bis zu 16% Alkoholgehalt. Dessen aufwendige Zubereitung und die Nachfrage führen schon im 15. Jahrhundert zu einem gewissen Export nach Westeuropa. Gleichzeitig kam es zu einer Überproduktion von Getreide im Reich der Moskowiter. Nun schlug die Stunde des russischen „Korns“ oder „Wodkas“, obwohl die Spirituosen noch gar nicht „Wodka“ genannt wurden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts taucht der Begriff als Bezeichnung für hochprozentige Getränke auf, die Literatur verbreitet ihn über die ganze Welt, und der Staat sichert sich das Steuermonopol beim Verkauf. Vor allem in den Gouvernements Kursk, Orlow, Tambow, Charkow und Moskau, den Kornkammern Rußlands, wo es immer ein paar Säcke Getreide zusätzlich gab, blühte der Handel mit dem besonderen Wasser auf.

Doch schon für das Jahr 1505 ist die Ausfuhr von Alkoholika nach Schweden, Estland und in das ganze Baltikum belegt. Schon 1533 erhebt die Krone auf den Verkauf von Spirituosen eine Steuer, und die „Zarentrinkstuben“ werfen einiges an Gewinn ab. Steuern sind aber ja auch immer ein Regulierungsinstrument, und so entstehen nun Normen und Standards für alles Hochprozentige. Doch wo Regeln sind, da finden sich auch Leute, die Vorgaben unterlaufen, und so hatten die Behörden schon damals viel damit zu tun, die Qualität zu sichern. Schon Ende des 16. Jahrhunderts ist der Verkauf der geistlichen Getränke nur in staatlichen Einrichtungen erlaubt. Dennoch wird gepantscht, was das Zeug hält, und Mitte des 17. Jahrhunderts brechen die sogenannten „Wirtshausaufstände“ aus, die Zar Alexej veranlassen, das Getränkewesen neu zu ordnen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein darf nun nur noch der Staat brennen, was ein Mindestmaß an Qualität garantiert. Erst Zar Peter I lockert die Gesetze wieder und erlaubt jedem, der über genug Getreide, meist Roggen, verfügt, dieses in einen Klaren zu verwandeln. Das bringt frisches Geld in die Kriegskasse, aber die Qualität leidet schon wieder.

Wodka 2

Den Wodka nannte man damals „Getreidewein“. Katharina II erläßt dann 1751 einen Ukas, der festlegt, wer Wein brennen darf, und 1765 befreit sie die adligen Weinbrenner von allen übrigen Steuern. Kaufleute, Geistliche, Bürger und natürlich die unfreien Bauern durften selbst nicht produzieren, nur konsumieren. Mehr noch, sie waren verpflichtet, ihren Durst nur Destillaten der russischen Adligen zu stillen, was für lange Zeit jede Konkurrenz aus dem Ausland ausschloß. Schon Ende des 18. Jahrhunderts aber gab es viel Unwillen in dem Zusammenhang, und eine der Erklärungen, warum Zar Paul I ermordet wurde, lautet, er habe zu unerbittlich gegen die adligen Weinbrenner vorgehen wollen.

Wodka 4

Zu einer regelrechten Umwälzung kommt es Ende des 18. Jahrhunderts, als der Petersburger Chemiker, Towij Lowiz, Holzkohle zur Destillierung von Spiritus einsetzte. Im Januar 1865 dann verteidigt ein gewisser Dmitrij Mendelejew seine Dissertation „Über die Verbindung von Spiritus mit Wasser“, in der er vorschlägt, für Spirituosen einen Spiritusanteil von 40% festzulegen. Dieses Maß zur Mäßigung des Branntweins gilt bis heute als ideal, und die russische Regierung patentiert folgerichtig schon 1894 diese 40% und die Verwendung eines Holzkohlefilters zur Herstellung von Wodka mit der Bezeichnung „Moskowskaja osobennaja“ – „Der besondere Moskauer“.

Damit Prost für heute. Fortsetzung folgt.

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